http://www.initiative-wertvolle-zukunft.org/wvz2016/erbschaft/
In einer schicksalhaften Sekunde alles zerstört
In einer schicksalhaften Sekunde alles zerstört
15.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Silke Gelhausen

Karlsruhe - Neun Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge - so lautet das Urteil im Prozess um einen tödlichen Faustschlag nach dem KSC-Spiel am 18. November 2017.

Die Karlsruher Schwurgerichtskammer folgte damit nicht der Staatsanwaltschaft, die für den 22-jährigen Marinesoldaten zehn Jahre Gefängnis wegen Totschlags gefordert hatte. Nebenklagevertreter Winfried Rehm hatte sich dem Plädoyer angeschlossen, die 34-jährige Witwe forderte sogar 15 Jahre, die Höchststrafe für Totschlag. Der Vorsitzende Richter Leonhard Schmidt bewertete den Fall jedoch anders. "Man konnte dem Angeklagten keine Tötungsabsicht nachweisen. Ebenso wenig, dass er den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen hat. Wenn jeder Schlag ins Gesicht als versuchter Totschlag angesehen würde, müssten jährlich Hunderte Amtsgerichtsfälle vor dem Schwurgericht landen", erklärte er.

Eigentlich sind der 35-jährige Bruchsaler und sein 33-jähriger Freund aus Baden-Baden nach dem Fußballspiel schon auf dem Weg in die Stadt, um ihre Frauen zu treffen. Im Schlosspark werden sie jedoch von Passanten gewarnt, dass in der Nähe zwei Männer herumpöbeln. Der 33-Jährige will Zivilcourage zeigen und geht zurück. Der Bruchsaler folgt ihm. Östlich vom Schlossgartenteich treffen sie auf das Duo. Der Baden-Badener spricht die beiden an, ob sie es seien, die "hier dauernd Stress machen", und schnippt dem Begleiter des Angeklagten die Basecap vom Kopf. Der nimmt's gelassen, hebt die Kappe hoch und setzt sie wieder auf. Doch sein Nebenmann schlägt dem deutlich kleineren und leichteren Bruchsaler die Faust ins Gesicht, mehrere Knochen brechen. Das Opfer wird ohnmächtig, schlägt mit dem Kopf auf den Asphaltweg und bricht sich den Schädel. Zwei Tage später stirbt der Mann.

"In einer einzigen schicksalhaften Sekunde hat der Angeklagte eine ganze Familie ins Unglück gestürzt, einem in seiner Blüte stehenden Mann das Leben genommen", so Schmidt. Die Kammer habe nach den Zeugenaussagen keinen Zweifel daran, dass der Getötete vorher keinerlei körperlichen Kontakt mit dem Schläger hatte, es habe nicht den geringsten Anlass für den brutalen Schlag gegeben. Der Richter: "Der Angeklagte hat nur das umgesetzt, worauf er schon den ganzen Nachmittag scharf war. Durch etliche Flaschen Bier angeheizt, ist sein kindlich-albernes Verhalten langsam in eine aggressiv-gereizte Stimmung umgeschlagen. Er hat ganz bewusst Ärger gesucht." Bereits im Stadion habe er wiederholt Fans angepöbelt, geschubst, beleidigt, lauthals die körperliche Auseinandersetzung gesucht. Mit den Worten "Ich stech' Dich ab" fuchtelte er sogar mit einem vorgetäuschten Messer herum. Sein Alkoholpegel betrug zur Tatzeit 2,2 Promille. Doch eine Strafminderung wegen Rauschzustands nach Paragraf 21 des Strafgesetzbuches kam nicht in Betracht.

Laut psychiatrischer Sachverständiger war die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit nicht herabgesetzt. Der Angeklagte sei lediglich enthemmt gewesen. Sie attestiert eine leichte Alkoholabhängigkeit und empfiehlt die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Der Richter teilt diese Einschätzung und ordnet nach Verbüßung von dreieinhalb Jahren Arrest einen mindestens einjährigen Maßregelvollzug an. Zudem sprach er den Angehörigen Schmerzensgeld von insgesamt rund 60 000 Euro zu sowie die Erstattung diverser Auslagen.

Es war nicht seine erste Tat unter Alkoholeinfluss: Der gebürtige Baden-Badener ist mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraft. Am zweiten der vier Verhandlungstage hatte er über seinen Verteidiger Lars Middendorf ein vorgefertigtes Teilgeständnis abgelegt. Seine Version: Er sei auf dem Heimweg übermütig geworden und habe sich mit KSC-Fans Späße erlaubt. Deshalb habe ihn der 35-Jährige zur Rede gestellt und gegen die Brust gestoßen - da habe er zurückgeschlagen. Eigentlich habe er auch auf die Brust zielen wollen, aber wegen der vielen Biere wohl das Gesicht getroffen. Die Kammer glaubte dieser Erklärung kein Wort.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Kuppenheim
Fußmatte verrutscht: Unfall

14.06.2018
Fußmatte verrutscht: Unfall
Kuppenheim (red) - Eine verrutschte Fußmatte war am Mittwoch bei Kuppenheim die Ursache dafür, dass ein Autofahrer mit zwei entgegenkommenden Autos zusammenstieß. Dabei wurden zwei Personen verletzt. Zudem entstand hoher Sachschaden (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Sinzheim
Drei Verletzte bei Unfall in Sinzheim

14.06.2018
Drei Verletzte bei Unfall
Sinzheim (red) - Bei einem Verkehrsunfall am Mittwochmittag in Sinzheim sind drei Personen leicht verletzt worden. Eine Frau hat beim Linksabbiegen von der B3 wohl einen entgegenkommenden BMW übersehen. Die beiden Fahrzeuge kollidierten (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Baden-Baden
Erneuter Steinwurf auf fahrendes Auto

14.06.2018
A5: Steinwurf auf fahrendes Auto
Baden-Baden (red) - Erneut hat ein Unbekannter in der Nacht auf Donnerstag von der Autobahnbrücke bei Sandweier einen Stein auf ein fahrendes Auto auf der A5 geworfen. Das Wurfgeschoss durchschlug die Heckscheibe eines Opel. Der Fahrer blieb unverletzt (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Forbach
Motorradfahrer schwer verletzt

14.06.2018
Motorradfahrer schwer verletzt
Forbach (red) - Ein Motorradfahrer ist am Mittwoch auf der Strecke zwischen Forbach und der Schwarzenbachtalsperre gestürzt, nachdem er von der Fahrbahn abgekommen war. Der Mann wurde schwer verletzt. Er kam mit einem Helikopter ins Krankenhaus (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Karlsruhe
Neun Jahre Haft für tödlichen Faustschlag

14.06.2018
Tödlicher Schlag: Neun Jahre Haft
Karlsruhe (lsw) - Wegen einer tödlichen Attacke nach einem Fußballspiel in Karlsruhe ist ein 22-Jähriger zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Einen Teil der Strafe muss er in einer Entzugsklinik absitzen. Außerdem muss er Schmerzensgeld an die Familie des Opfers zahlen (Foto: dpa). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Immer mehr Modehersteller bieten ähnliche Outfits für Eltern und Kinder an. Wie finden Sie das?

Schöne Idee.
Übertrieben.
Ist mir egal.

Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1