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Kalikokrebse wandern das ganze Jahr
26.06.2018 - 00:00 Uhr
Karlsruhe (red/vn) - Auch "ganz normale" Bürger können einen wichtigen Beitrag für die Wissenschaft leisten - indem sie sich bei sogenannten Citizen-Science-Projekten engagieren. Sie beobachten Phänomene, erfassen Daten oder sammeln Objekte. Zum Beispiel Kalikokrebse, über deren Verhalten und Ausbreitung neue Erkenntnisse gewonnen werden konnten.

Die Pädagogische Hochschule (PH) Karlsruhe hat 2016 ein Citizen-Science-Projekt gestartet. Spaziergänger am Oberrhein zwischen Leiberstung am Baden-Airport und Rheinstetten waren aufgerufen, hochinvasive Kalikokrebse zu melden und Fotos ihrer Funde per Smartphone an das Institut für Biologie und Schulgartenentwicklung der PH zu senden. Mit Hilfe der Meldungen konnten die Biologen jetzt zeigen, dass der Kalikokrebs (Faxonius immunis) das ganze Jahr über am Oberrhein wandert. Die Fachzeitschrift "Knowledge and Management of Aquatic Ecosystems" hat die Ergebnisse kürzlich veröffentlicht.

"Wir wollten das natürliche Verhalten der Überlandwanderung der Kalikokrebse jahreszeitlich quantifizieren und mit den Ergebnissen unserer kleinräumigen Untersuchungen verknüpfen", umreißt Alexander Herrmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Biologie und Schulgartenentwicklung, das Projektziel. Denn diese aus Nordamerika stammenden Krebse, die sich seit 1993 am Oberrhein ausbreiten, sind eine der größten Bedrohungen für die Biodiversität in und an heimischen Gewässern. "Uns stellte sich die Frage, wie wir die Wanderungen erfassen könnten. Weil das gewässerreiche Areal bei Spaziergängern sehr beliebt ist, kamen wir auf die Idee, sie um Mithilfe zu bitten und entsprechende Schilder aufzustellen."

Insgesamt 98 Meldungen erreichten die Forscher von Juni 2016 bis Januar 2018. 33 konnten dem Kalikokrebs zugeordnet werden, sechs betrafen andere invasive Flusskrebsarten wie den Roten Amerikanischen Flusskrebs, den Kamberkrebs, den Signalkrebs und den Marmorkrebs.

Im Gegensatz zu heimischen Flusskrebsarten ist der Kalikokrebs in der Lage, über Land zu wandern und in Amphibienschutzteichen sowie Kleingewässern zu überleben, die im Sommer hohe Wassertemperaturen aufweisen. Dort bauen die Kalikokrebse Massenbestände auf und verändern das Habitat drastisch: Sie zerstören in vielen Fällen die Vegetation und vernichten die Amphibien- und Libellenbestände nahezu vollständig.

"Die Jahreszeit scheint nur eine kleine Rolle zu spielen, wichtiger sind offenbar Faktoren wie hohe Luftfeuchtigkeit und milde Temperaturen", erläutert Herrmann, dass der Kalikokrebs das ganze Jahr über wandert und die höchste Wanderaktivität im April und Oktober zeigt.

Der Wissenschaftler hat die Ergebnisse des Citizen-Science-Projekts, das von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg finanziert wurde, Mitte Juni zusammen mit Adam Schnabler und Andreas Martens in der Fachzeitschrift "Knowledge and Management of Aquatic Ecosystems" veröffentlicht.

Bürger können sich auch weiterhin per E-Mail an Flusskrebse@mail.de melden, falls sie Kalikokrebse an Land finden. Gut wäre es, ein Foto des Fundes zu machen und als Anhang mitzuschicken. Das erleichtert den Biologen die Arbeit enorm.

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