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Ein badischer Kelte
Versteht als Handwerker und Musiker seine Pipe bis ins kleinste Detail: Patrik Kraft aus Mutschelbach bei Ettlingen. Foto: Knopf
07.07.2018 - 00:00 Uhr
Von Volker Knopf

Karlsbad - Eine Koryphäe in Sachen Dudelsack-Bau lebt ausgerechnet mitten in der badischen Provinz: Patrik Kraft aus Karlsbad-Mutschelbach bei Ettlingen baut Instrumente, die auch in der Heimat der Sackpfeife in Schottland heiß begehrt sind.

Denn das National Piping Centre in Glasgow ordert seine Instrumente mit Vorliebe bei dem Handwerker aus Deutschland. Wie das kam? "Allan Macdonald ist einer der bedeutendsten Dudelsackspieler Schottlands und Dozent für Dudelsack-Unterricht in Glasgow. Als er einmal ein Seminar in Deutschland gab, bekam er zufällig von einem meiner Schüler eine Übungspfeife in die Hände. Scheinbar war er so davon angetan, dass er künftig auf meine Instrumente setzte", erzählt der 50-Jährige, der seine Werkstatt im alten Schulhaus von Mutschelbach eingerichtet hat.

Dort sieht man Stechbeitel in allerlei Größen, eine Drehbank und Pipes in verschiedenen Ausfertigungen und unterschiedlichen Verzierungen - Great Highland Pipes, Bagpipes, Borderpipes oder Practice Chanter (Übungspfeifen). Eigentlich ist der Mann, der aus Baden-Baden stammt, und dessen Oberarm mit tätowierten keltischen Motiven übersät ist, ein Autodidakt. Zupass kam ihm sicherlich, dass er schon zuvor als Schreiner und Steinmetz gearbeitet hat.

Für seine Objekte nutzt Kraft vorwiegend Grenadillholz. "Es ist sehr hart, aber sehr gut verarbeitbar. Vor allem kann man es auch exzellent polieren, so dass es zu einem echten Handschmeichler wird, und hat obendrein sehr gute Klangeigenschaften." Für den Sack benutzt er Rinds- oder Schafsleder aus Schottland.

Für den Bau eines Dudelsacks benötigt der Badener etwa drei bis elf Tage - je nachdem, wie aufwendig das Instrument werden soll. Von Vorteil ist natürlich, dass der "Kelte" aus der Nähe von Karlsruhe selber mit dem Dudelsack bestens umzugehen weiß. Er spielte etliche Jahre in einer Celtic Folk Band und gibt auch Unterricht.

"Die meisten meiner Kollegen sind in erster Linie Handwerker. Ich bin sowohl Handwerker und Musiker. Das hilft mir natürlich bei der Konstruktion", sagt Kraft. Am meisten schätzt der 50-Jährige am speziellen Dudelsack-Sound den komplexen, leicht melancholischen Klang. Gelernt hat er das Spielen der Pipe einst von einem Kanadier, der im Badischen stationiert war. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt er sich mit dem gälischen Instrument und studierte allerhand historische Bücher und Pläne zur Konstruktion.

An das erste bewusste Hören des Dudelsacks kann er sich noch genau erinnern, denn es war für ihn wie ein Erweckungserlebnis. "Ich saß in meinem Auto, drehte voll auf und wurde fast hysterisch. Ich habe, ohne Witz, laut geschrien. Denn ich wusste, dieses Instrument ist genau mein Ding, es zu bauen wurde so etwas wie meine Berufung", wird der kräftige, bärtige Mann fast ein wenig pathetisch.

Historische Instrumente wie Schalmeien oder eben Dudelsäcke erfahren derzeit eine Renaissance. Besonders die Mittelalter-Rockszene, die in Deutschland boomt, setzt auf die Instrumente, darunter "Subway to Sally" oder "Saltatio Mortis". Für Mittelalter-Rock kann sich der "badische Schotte" dennoch nicht begeistern. Patrick Kraft hält es eher mit Celtic-Punk-Bands wie den "Dropkick Murphys" aus Boston oder den "Real Mckenzies" aus Kanada.

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