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Ein ungetrübtes Hörvergnügen
09.07.2018 - 00:00 Uhr
Von Thomas Weiss

Bei den Osterfestspielen der Berliner Philharmoniker boten Sir Simon Rattle und der Pianist Zimerman im Festspielhaus Baden-Baden mit der 2. Sinfonie des 1990 verstorbenen Leonard Bernstein, eigentlich ein verkapptes Klavierkonzert, eine großartige Hommage an den Komponisten, der am 25. August 100 geworden wäre. Im Oktober wird sich zudem John Neumeiers Hamburger Ballett mit "Bernstein Dances" an den charismatischen Amerikaner erinnern.

Tänzerisch ging es auch über weite Strecken bei der Eröffnung der Baden-Badener Sommerfestspiele mit "Happy Birthday, Lenny!" zu, einer Hommage an den großen Dirigenten, Musikvermittler und Komponisten, die sich auf die Broadway-Werke Bernsteins konzentriert. Wobei es zur Tragik des Komponisten gehört, dass sein sinfonisches Schaffen oder die oft religiös geprägten Chorwerke in der Gunst des Publikums und der Kritik weniger Beachtung fanden und finden. Auch wenn Bernstein seine "unterhaltenden" Werke nicht gering schätzte, so traf ihn die Missachtung großer Teile seines Werkes dennoch.

Bei "Happy Birthday, Lenny!" sind das WDR-Funkhaus-Orchester unter Leitung seines Chefdirigenten Wayne Marshall Garanten eines ungetrübten Bernstein-Vergnügens. Der Brite Marshall hat ein enges Verhältnis zur Musik Bernsteins, nicht nur zur "West Side Story", sondern auch zu weniger populären Werken wie "Mass" oder der "White House Canatata". Am Pult seines äußerst professionellen, vom groovenden Jazz zu geschmeidigen Opernklängen mühelos wechselnden Funkhaus-Orchesters benötigt er nur wenige klare Zeichen, setzt seine ausdrucksstarke Körpersprache für Tempovariationen ebenso ein wie für swingenden BigBand-Sound, der viele der Werke prägt. Marshall benötigt keine großspurige Show am Pult, um die Kompositionen funkeln und glitzern zu lassen. Dafür hat er ein sehr bernsteinaffines Orchester, das mit ebenso kraftvollem wie beweglichem Blech, vielen atmosphärisch dichten Holzbläser-Soli aber auch Streichern, die ebenso weich und transparent wie klangvoll agieren können, Garanten eines ungetrübten Hörvergnügens sind.

Die "Sinfonischen Tänze" aus der "West Side Story" werden so zu funkelnden Orchesterminiaturen, swingend ebenso wie gelegentlich fast sentimental ("Somewhere") tänzerisch präsent und rhythmisch packend wie beim "Mambo" oder dem "Cha-cha". Und auch bei der Fuge, die gar nicht gelehrig sondern höchst transparent und dynamisch fein abgestuft daherkommt, können Marshall und das Funkhaus-Orchester ihre Klasse unter Beweis stellen. Und auch das gelegentlich "hineinklatschende" Publikum hat der Dirigent mit kleinen, aber deutlichen Gesten ebenso fest im Griff wie seine Musiker.

Viel Witz und funkelnder Bravour geben diese der populären Ouvertüre zu "Candide" ebenso wie sie dem "Paris Waltz" aus demselben Musiktheaterwerk tänzerischen Charme einräumen. Und Bernsteins solistische Anforderungen werden - sei es der Konzertmeister, die Solobratschistin oder der Solocelli ebenso wie von den vielfach geforderten Holzbläsern - mit viel Esprit musiziert. Ist "Candide" nach Voltaires Erziehungs-Roman eine satirische Abrechnung mit der These, wir lebten in der besten aller möglichen Welten, vor dem Hintergrund der McCarty-Ära noch politisch zugespitzt, so nimmt sein 1944 entstandenes Musical "On the Town" - das auf dem Ballett "Fancy Free" basiert - einen Landgang dreier Matrosen in New York vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs zum Ausgangspunkt. Wie unterschiedlich Bernstein Tänze für beide Werke einsetzt, unterstreicht Marshall bei den "Three Dance Variations" aus "Fancy Free" im Vergleich mit denen aus "On the Town".

Mit der erfahrenen Musicalsängerin Kim Criswell, die im durchaus verständlichen Amerikanisch ebenso witzig wie informativ durch das Programm führt, ist zudem eine Sängerin im gut besuchten Festspielhaus mit dabei, die den weiten Radius der Musik Bernsteins mühelos auslotet. Gefühlvoll, aber nie tränendrüßig wie bei "Lucky to Be Me" ("On the Town") ebenso wie dem zugegebenen "Some of her Time" oder bei dem witzig-zweideutigen "I can cook too!" ist sie eine perfekte Entertainerin.

Viel Gefühl bei "Somewhere" aus "West Side Story", herrlich grotesk ihr "I'm Easily Assimilated" ("Candide"). Dem steht sie in "What a Movie...! Island Magic" aus der Kurzoper "Trouble in Tahiti" an Charakterisierungsfähigkeit und Flexibilität des Ausdrucks in Nichts nach. Große Wandlungsfähigkeit inklusive grooviger Jazz-Töne hat sie auch für die gegensätzlichen Schwestern aus "Wonderful Town" parat, für die hübsche, nicht so smarte "A little Bit in Love" und für die aufgeweckte das komische "One hundred Easy Ways to Lose a Man".

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