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"Man muss wissen, worauf es ankommt"
24.07.2018 - 00:00 Uhr
Von Sönke Möhl

Baiersbronn - Im Außenpool drehen Hotelgäste ein paar Runden vor der malerischen Kulisse des Tonbachtals. Wenige Meter entfernt im Untergeschoss klicken die Dosieranlagen für die Wasseraufbereitung im Sekundentakt. Andreas Böhme kontrolliert das Display der automatischen Wasseranalyse. Temperatur und pH-Wert, alles in Ordnung. Auch der Chlorgehalt stimmt. "Man muss wissen, worauf es ankommt", sagt der 51 Jahre alte Leiter der Haustechnik.

Der Schwimmbad- und Wellnessbereich ist nur eine Station auf dem Rundgang, den Böhme im Fünf-Sterne-Hotel "Traube Tonbach" in Baiersbronn mit einem dicken Schlüsselbund in der Hand jeden Tag am frühen Morgen absolviert. Der gelernte Kfz-Schlosser ist im Laufe der Jahre zum Spezialisten für alles geworden, was den Betrieb des Luxusressorts ermöglicht - ohne dass die Gäste viel davon merken.

In der Waschküche im Untergeschoss des Stammhauses, dessen Ursprünge bis 1789 zurückreichen, rotieren brummend fast mannshohe Trockner und Waschmaschinen. Eine Frau legt dicke, weiße Frottee-Bademäntel zusammen, ein Service-Monteur behebt einen Defekt an einem Trockner. Kurzes Gespräch, man kennt sich. "Ich muss wissen, was ich selber machen kann und wann ich den Service rufe", sagt Böhme. Er steht mit seinen Kollegen abwechselnd rund um die Uhr bereit. Ein kaputter Herd in der Drei-Sterne-Küche des Restaurants "Schwarzwaldstube" zur falschen Zeit wäre ebenso unpassend, wie ein Heizungsausfall zu Weihnachten.

Geschäftsführer Jan Kappler weiß um die Bedeutung der Mitarbeiter im Hintergrund des Traditionshauses. "Es ist genauso wichtig, dass sie einen leidenschaftlichen Koch haben, wie einen leidenschaftlichen Techniker." Weil das Haus über die Generationen immer weiter gewachsen ist und Altes neben Neuem steht, kommt auch ein Kollege, der längst in Rente ist, immer wieder vorbei. Er kennt die Installationen der älteren Gebäude wie kein Zweiter. Auch Böhme ist inzwischen lange dabei. 1991 kam er mit seiner Frau von Rügen nach Baiersbronn, nachdem er auf der Ostseeinsel eine Arbeitsstelle in der Hotellerie verloren hatte. Aufgewachsen ist er im Erzgebirge.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) unterstreicht die Bedeutung der Mitarbeiter in allen Bereichen. "In unserer Branche heißt es: Der Mensch macht's. Gastgewerbe geht nur mit Menschen - ob vor oder hinter den Kulissen eines gastgewerblichen Betriebes", sagt Sprecherin Stefanie Heckel. Das erfolgreiche und verlässliche Zusammenspiel aller im Team sei entscheidend für den Erfolg. "Dabei kommt es eben auch auf die Arbeit derer an, die sich im Hintergrund um Technik, Reinigung, Einkauf und Management kümmern." Die Unternehmen müssten sich dringend darum kümmern, auch künftig genug Personal zu haben. Dazu gehöre, allen Mitarbeitern die Wertschätzung und die Anerkennung ihrer persönlichen Leistung deutlich zu zeigen.

In einer der Küchen schaut Böhme kurz nach Marei Alsoliman, der einen externen Handwerker unterstützt. Der 35-Jährige arbeitet seit zweieinhalb Jahren in seinem Team. Bis er vor dem Bürgerkrieg in Syrien fliehen und sich alleine nach Deutschland durchschlagen musste, hatte er als leitender Elektriker im damaligen Sheraton Hotel in Aleppo gearbeitet. Mit der deutschen Sprache freundet sich der junge Mann fern von Heimat und Familie erst langsam an. Fachlich und menschlich sei er eine Bereicherung des insgesamt aus sieben Personen bestehenden Techniker-Teams, sagt Böhme. "Ich freue mich, dass ich ihn habe."

Wieder greift Böhme gezielt nach einem von mehreren Schlüsseln, es öffnet sich eine elegante Tür auf dem Hotelflur, dahinter eine mausgraue Feuerschutztür aus Stahl. Jetzt dröhnt es aus der Energiezentrale für den Hotelkomplex. Zwei mächtige Gas-Heizkessel mit je 2300 Kilowattstunden Leistung stehen hier umringt von Schalttafeln, Anzeigen, Rohren und Pumpen. Sie würden gar nicht mehr so oft gebraucht, sagt Böhme, seit das moderne Blockheizkraftwerk in Betrieb ist. Zwei Zwölfzylinder-Gasmotoren liefern Wärme und Strom und haben einen viel besseren Wirkungsgrad als die alten Kessel.

Abends braucht es mehr Strom

Juniorchef Sebastian Finkbeiner berichtet, dass sich die Investition innerhalb von drei Jahren bezahlt gemacht habe. "Wir produzieren normalerweise nur so viel Strom, wie wir Wärme brauchen." Immer gegen 17 Uhr aber schnellt der Strombedarf im Hotel in die Höhe, dann laufen die Motoren auf Volllast und die Wärme wird in großen Wassertanks gespeichert. Am Nachmittag werfen Köche die Herde und Öfen an, Gäste kommen von ihren Tagesaktivitäten zurück, es wird geföhnt, ferngesehen, Licht eingeschaltet und vieles mehr, was Strom braucht.

Für Böhme heißt das: Rechtzeitig kontrollieren, ob alle Lämpchen in der Energiezentrale grün leuchten. "Manchmal hört man beim Reinkommen schon, dass etwas nicht stimmt." Dann muss der 51-Jährige wieder schnell entscheiden: Selbermachen oder Servicetechniker anrufen? Die meisten Partner sind Handwerksbetriebe in der Nähe, die Zusammenarbeit währt oft schon seit Jahrzehnten.

Der Technikchef scheint in der Traube Tonbach seinen Traumjob gefunden zu haben, wenn auch fern der früheren Heimat. "Man geht dahin, wo die Arbeit ist", sagt er nüchtern. Ein Fitnessstudio braucht der kräftige Mann bei all den Runden durch die weitläufige Anlage nicht. "Wir machen unsere Kilometer hier." Wie lange dauert es, um die ganze Technik des Hotels zu kennen? Kurze Überlegung, entschiedene Antwort: "vier Jahre".

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