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Grausamer Tod durch Stromschläge
Dieser Jungstorch ist in der Nähe von Wittenberg an einem falsch gesicherten Mittelspannungsmast verendet. Foto: NABU/Uwe Seidel
24.07.2018 - 00:00 Uhr
Von Volker Neuwald

Stuttgart - Der Anblick brütender Weißstörche erfreut Natur- und Tierfreunde im Südwesten. Und in diesem Jahr täuschte der Eindruck nicht: Die Zahl der Großvögel wächst. Das berichtete dieser Tage der Naturschutzbund NABU, der aber zugleich auf ein Problem hinwies. Viele Mittelstromleitungen in Deutschland seien immer noch nicht vogelfreundlich nachgerüstet. Landen Vögel darauf, dann sterben sie. Der NABU fordert die Landesregierung auf, bei den Netzbetreibern auf diese Nachrüstung zu pochen.

Vom Stromtod sind nicht nur Störche betroffen, erläutert NABU-Expertin Andrea Molkenthin-Keßler. Auch Schwäne, Trappen, Kraniche, Uhus, Schleiereulen, Rotmilane und andere Greifvögel lassen an den Konstruktionen ihr Leben.

"Die meisten Opfer fallen vom Mast und werden, wenn nicht schon durch den Stromschlag getötet, durch den Absturz schwer bis tödlich verletzt." Äußerlich erscheinen sie meist unversehrt. Die Strommarken an den Ein- und Austrittsstellen sind nur durch fachkundige Untersuchungen zu entdecken. Molkenthin-Keßler: "Nach dem Absturz wird ein Großteil der Opfer rasch durch Beutegreifer wie beispielsweise Füchse und Marder verschleppt. Nur die wenigsten bleiben an der Unfallstelle liegen oder am Mast hängen."

Im Februar 2017 hat der Verband die Ergebnisse eines Gutachtens veröffentlicht, das die Todeszahlen konkretisieren soll. Demnach sterben in Deutschland jedes Jahr bis zu 1,8 Millionen Brutvögel sowie bis zu eine Million Rastvögel an den rund 60000 Kilometern Hoch- und Höchstspannungsfreileitungen.

Am tückischsten sind demnach "Killermasten" im Mittelspannungsbereich (10 bis 60 kV) mit stehenden Isolatoren, die so konstruiert sind, dass nur geringe Abstände zwischen Mast und Leitungsdrähten beziehungsweise anderen Bauteilen auftreten, die unter Spannung stehen. "In solchen Fällen können Vögel beim An- oder Abflug einen Kurzschluss oder Erdschluss auslösen, der sie regelrecht exekutiert", erklärt der NABU. "Auch sitzende Vögel kommen zu Tode, sobald sie eine Verbindung zu spannungsführenden Bauteilen herstellen." Molkenthin-Keßler ergänzt: Masten, an denen die stromführenden Leitungen an hängenden Isolatoren befestigt sind, bereiten keine Probleme.

Der NABU kritisiert, dass das Bundesnaturschutzgesetz (Paragraf 41) seit 2012 eine Umrüstung aller Masten vorschreibt, von denen eine hohe Gefährdung ausgeht. "Die Netzbetreiber drücken sich seit mehr als fünf Jahren vor der Aufgabe", sagt Molkenthin-Keßler. Knackpunkt sei die Definition, was genau die "hohe Gefährdung" ausmache. Deshalb soll sich die Landesregierung jetzt einschalten.

"Der NABU sensibilisiert seine Mitglieder und strebt an, die leicht erkennbaren, vogelgefährlichen Masten landesweit zu kartieren, um ihre immer noch große Verbreitung deutlich zu machen", schildert die NABU-Expertin ein aktuelles Projekt. Weiter bemüht sich der Verband um den Austausch mit den Netzbetreibern - und auch mit der Deutschen Bahn, um die Oberleitungen für Vögel sicherer zu machen.

Über die Hotline "Vogelfund und Stromleitung" können Opfer von Leitungsanflug oder Stromschlag telefonisch oder online beim NABU gemeldet werden. Die Informationen werden von einem Ornithologen erfasst und ausgewertet. Ziel ist es, die Informationsgrundlage für Schutzmaßnahmen beim Netzausbau und an bestehenden Leitungen zu verbessern. Die Hotline wird von Netzbetreibern über die Renewables Grid Initiative (RGI) gefördert. Zu erreichen ist sie unter (030) 284984-5500 werktags von 10 bis 16 Uhr.

www.nabu.de/vogelfund-stromleitung

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