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Feen und Fabelwesen in der Musik
In satten Farben werden Hecken und Büsche ausgeleuchtet, während die Musiker in impressionistischen Klängen schwelgen.  Foto: Thomas Viering
30.07.2018 - 00:00 Uhr
Von Gisela Brüning

"Le jardin Féerique, der Feengarten" - hier hätte er ihn gefunden, der Komponist Maurice Ravel (1875-1828), dessen gleichnamige Komposition beim Konzert der Philharmonie in der Baden-Badener Gönneranlage erklang. Mit den heutigen Möglichkeiten von Steuerungs- und Lichttechnik "malten" Scheinwerfer, Spots und Leuchten eher mit expressionistischer Kraft auf Hecken und Büschen, auf Bühne und Beeten satte Farbfelder. Ravel aber aquarellierte mit impressionistischen Klangfarben den Traum aus Kindertagen, der im Zyklus "Ma mère l'oye" auftaucht. Es trieben auch weniger Feen und Fabelwesen ihr neckisches Spiel auf dem Rasen an der Lichtentaler Allee. Mehr als tausend Besucher zog es zu diesem spektakulären Ereignis, das Stadt und Sponsoren als Trostpflaster für ständigen Baustellenlärm und Zumutungen des ÖPNV zum minimalen Eintrittspreis boten.

Mal rubinrot, mal smaragdgrün angestrahlt, lagerten die Allegorien von "Badekur" und "Trinkkur" beidseits der an diesem Abend zum Schweigen gebrachten Brunnenfontäne. Seerosen und Goldfische zogen ins Asyl, denn ihr Revier bot mit stabilen Brettern den Mitgliedern der Philharmonie und ihrem Chefdirigenten Pavel Baleff einen sicheren Resonanz-Boden. Hier präsentierte sich in glitzernder Robe, als habe sie die Sterne vom dunklen Nachthimmel gepflückt, Moderatorin Ines Pasz. Man kennt die musikkundige Redakteurin nicht nur von SWR2 Kultur, sondern auch als kenntnisreiche Vermittlerin bei Parknächten der Vergangenheit. Allzuviel biografische und musikwissenschaftliche Kenntnisse überfordern bisweilen den auf reinen Genuss schöner Melodien ausgerichteten Zuhörer; zumal wenn noch "Werbeblöcke" für den Veranstalter eingeschoben werden.

Andererseits: Allein dem Genuss von Sander Geerts Bratschenspiel im Konzert D-Dur für Viola und Orchester von Franz Anton Hoffmeister (1754-1812) lauschen zu dürfen, rechtfertigte, sich auch mit den Abo-Kriterien des Orchesters auseinander zu setzen. Der Belgier Sander Geerts gab von Kindheit an dem sonoren sinnlichen Klang und dem unerschöpflichen Kaleidoskop emotional gesteuerter Nuancen dieses Instruments den Vorzug. Seine Begabung hatte nicht nur den Professor der Bratschenklasse - Hartmut Rohde - bei der kürzlich zu Ende gegangenen Carl Flesch-Akademie überzeugt, sondern trug ihm auch mit dem Preis der Oberbürgermeisterin das Konzert-Engagement ein. Selten erlebt man einen Bratscher, der im Dialog mit seiner Viola solch lautere, anrührend schöne Klänge besonders in den Kadenzen hervorbringt.

Mit "Marche" und "Féte bohème" aus "Scènes pittoresques" von Jules Massenet (1842-1912) erkannte man eine andere Seite des Komponisten der öfter zu hörenden melancholischen "Méditation". Auch Alexander Glasunow (1865-1936) schilderte in schwelgerischen Klangfarben, verstärkt durch das leuchtende Farbenspiel der Botanik, kleine Sommermärchen.

Dann aber kündete die Moderatorin mit dem "Fremersberg" das musikalische Lokalepos Baden-Badens an. Der Schöpfer Miloslav Koennemann (1826-1890) war einst Dirigent des Orchesters, dessen Nachfolger effektvoll sein sinfonisches Tongemälde umsetzten. An Beethovens "Pastorale" erinnernd, schildert auch dieses Werk ein unvermutet hereinbrechendes Unwetter, das den Fürsten auf der Jagd in arge Bedrängnis bringt. Lustvoll lassen es die Musiker mit lärmenden Instrumentalgeräuschen stürmen, gießen, donnern und blitzen. Besonders eindrucksvoll heult die damals konstruierte und im Stadtmuseum aufbewahrte Windmaschine.

Die Rettung naht im Mönchsgewande und wie bei Beethoven erklingt ein Dank-Choral. Den hatte Baleff auch für den "Fremersberg" geplant und den Text des Te Deums mitgeliefert. Doch das Publikum reagierte nicht auf seine Aufforderung zu singen, und so verklang das Konzert unter einem zaghaft aufsteigenden "Blutmond" ohne Gesang, aber mit frenetischem Applaus.

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