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"Zu hohe Erwartungen"
09.08.2018 - 00:00 Uhr
Berlin - Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) macht sich für eine Liberalisierung des Handels der EU mit Afrika stark. Der kommissarische Direktor des Hamburger Giga-Instituts für Afrika-Studien, Jann Lay, begrüßt den Vorstoß, hält ihn aber kaum für umsetzbar. Unser Korrespondent Stefan Vetter hat mit Lay gesprochen.

BT : Herr Lay, deutsche Unternehmen stehen in Afrika nicht gerade Schlange. Warum eigentlich?

Jann Lay: Die Zurückhaltung deutscher Unternehmen hat drei Gründe: Zum einen sind sie auf hochwertige und technologisch anspruchsvolle Produkte spezialisiert. Und deren Fertigung lässt sich eben nicht einfach in Regionen verlagern, in denen ein niedriges Qualifikationsniveau herrscht. Zum anderen fehlt es an der Tradition wirtschaftlicher Aktivitäten in Afrika, wie sie ehemalige Kolonialmächte, siehe Frankreich oder England, haben. Und zum Dritten besteht die deutsche Wirtschaft vorrangig aus kleineren und mittleren Firmen, für die hochriskante Investitionen auf unbekanntem Terrain schwieriger zu stemmen sind als für große Unternehmen.

Interview

BT : Ist das auch ein Vorwurf an die Bundesregierung?

Lay : Ich bin skeptisch, ob es unbedingt deutsche Unternehmen sein müssen, die in Afrika investieren. Grundsätzlich ist es aber richtig, den Privatsektor zu fördern, ob durch die Förderung von Investitionen oder auch durch besseren Marktzugang für afrikanische Produkte.

BT : EU-Importe aus Afrika sind in den letzten Jahren stark gesunken. Woran liegt das?

Lay : Man kann das vielleicht mit dem steigenden internationalen Wettbewerbsdruck erklären. Aber offenbar will Minister Müller dem nun mit einer Abschaffung der europäischen Zölle vor allem auf afrikanische Agrarprodukte begegnen. Das ist kein schlechter Gedanke, wobei ich allerdings stark bezweifle, dass es der afrikanischen Landwirtschaft dadurch schnell besser gehen könnte.

BT : Das müssen Sie erklären.

Lay : Die afrikanische Landwirtschaft müsste auf die neuen Möglichkeiten mit einer Ausweitung ihre Produktion reagieren. Doch das ist angesichts der kleinbäuerlichen Strukturen, fehlender Investitionen und auch unzureichender Infrastruktur schwierig. Im Übrigen glaube ich nicht, dass Müllers Idee bei den europäischen Partnern auf Begeisterung stößt.

BT : Weil man dort auf Marktabschottung setzt?

Lay : Nein. Vielmehr ist man dort froh, dass die EU-Partnerschaftsabkommen zum Handel mit wichtigen afrikanischen Staaten endlich zum Abschluss gekommen sind. In den letzten Jahren wurde darüber intensiv verhandelt. Diese Verträge müssten nun wieder aufgeschnürt werden. Und das wird kaum passieren.

BT : Umgekehrt werden hochsubventionierte EU-Agrarprodukte nach Afrika ausgeführt. Kann das so bleiben?

Lay : Das ist sicher eine Schieflage. Fest steht: Die Zollfreiheit und die EU-Subventionen kann man nicht getrennt voneinander behandeln. Aber letzteres anzugehen, dürfte auf noch viel größere Widerstände stoßen. Deshalb hält sich der Entwicklungsminister hier wohl zurück.

BT : Studien zufolge wird die Zuwanderung aus Afrika nach Europa weiter zunehmen. Kann eine Liberalisierung des Handels hier gegensteuern?

Lay : Ja, aber das ist ein langwieriger Prozess. Und eine solche Liberalisierung kann auch nur punktuell wirken. Entscheidend bleibt, dass sich die Strukturen in Afrika selbst verändern, dass auch dort heimische Unternehmen investieren und die Wirtschaft wächst. Insofern schürt Minister Müller zu hohe Erwartungen.

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