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Ryanair vor härtestem Streik der Geschichte
Acht Starts und acht Landungen gibt es laut Flugplan von Ryanair morgen in Rheinmünster. Sie sollen alle wie geplant stattfinden. Foto: dpa
09.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Christian Ebner

und Florian Krekel

Frankfurt/Rheinmünster - Ryanair-Passagiere müssen sich wegen des Pilotenstreiks auf massive Flugausfälle und Verspätungen gefasst machen. Die Airline hat für morgen europaweit rund 400 Flüge abgesagt, von denen 250 auf Deutschland entfallen. Rund 55000 Kunden müssten umbuchen oder sich ihre Tickets erstatten lassen, erklärte Ryanair-Marketing-Chef Kenny Jacobs. Die Betroffenen sollten sämtlich per E-Mail oder SMS individuell benachrichtigt werden. Ausnahme ist der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (Baden-Airpark) mit sechzehn Flügen, zu denen sich die dortigen Piloten bereiterklärt hätten.

Zuvor hatte die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) alle angestellten Piloten an den deutschen Ryanair-Basen für den 10. August zu einem 24-stündigen Streik aufgerufen. Dieser soll morgen um 03.01 Uhr beginnen und bis Samstagfrüh dauern. Die VC schloss sich damit den bereits zuvor angekündigten Ausständen ihrer Kollegen in Irland, Schweden und Belgien an.

Ryanair strich daraufhin nahezu das komplette Programm, das morgen mit den in Deutschland stationierten Maschinen geplant war - einzige Ausnahme ist der Baden-Airpark. "Bei uns werden alle planmäßigen acht Starts und alle acht Landungen erfolgen", sagte Geschäftsführer Manfred Jung gegenüber dem BT. Am Baden-Airpark sind Jung zufolge rund 20 Piloten und Co-Piloten des irischen Billigfliegers stationiert.

Warum ausgerechnet die nicht streiken, ist unklar. Entweder sie sind gewerkschaftlich nicht so gut organisiert, mutmaßen Insider. Schon beim letzten angedrohten Streik von Ryanair wäre der Baden-Airpark wohl nicht betroffen gewesen.

Ryanair-Marketing-Chef Kenny Jacobs macht unterdessen klar, es seien nicht sämtliche Flüge von und nach Deutschland abgesagt. Stammten Jet und Crew beispielsweise aus dem nicht bestreikten Spanien, werde der Flug wie geplant stattfinden.

Jacobs kritisierte die VC scharf dafür, dass sie ihren Streik nicht sieben Tage zuvor angekündigt hatte. "Eine Frist von 40 Stunden mitten im August führt nur dazu, den Urlaub unschuldiger Familien zu zerstören." Er gehe davon aus, dass der Flugbetrieb am Samstag wieder normal laufe. Den wirtschaftlichen Schaden bezifferte er nicht. Es gebe sicherlich bei einigen Menschen eine gewisse Buchungszurückhaltung. Auch müssten kurzfristig Plätze in anderen Maschinen belegt werden, die man sonst teuer hätte verkaufen können.

Allgemein gestalten sich in der Hochsaison Umbuchungen schwierig, weil kaum freie Plätze vorhanden sind. Weitere Entschädigungen neben dem Ticketpreis oder einem Ersatzflug lehnt Ryanair ab, weil die Streiks nicht in der Macht der Gesellschaft lägen. Zu dieser Frage streben einige Flugrechteportale eine Musterklage an.

Die abgestimmte Aktion in vier Ländern ist der bislang größte Pilotenstreik in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas, die erst seit Ende 2017 Gewerkschaften anerkennt.

Vor zwei Wochen hatten zudem streikende Flugbegleiter in Portugal, Spanien und Belgien über zwei Tage zusammen rund 600 Flüge mit knapp 100000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen. Unter den europäischen Piloten haben bisher einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ryanair hatte daraufhin den Abzug von sechs Jets samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen angekündigt.

Die VC verlangt deshalb Schutz vor unfreiwilligen Versetzungen. Ihr Präsident Martin Locher warf der Fluggesellschaft vor, eine Lösung am Verhandlungstisch zu blockieren und für die Eskalation allein die Verantwortung zu tragen.

Die VC hat nach Angaben ihres Tarifexperten Ingolf Schumacher keine konkrete Geldforderung gestellt. Sie verlangt die erstmalige Einführung eines Systems von Gehalts- und Manteltarifvertrag.

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