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Räume für Erinnerungskultur gesucht
Früher KZ, heute Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Bruchsal: In Kislau soll eine Gedenkstätte entstehen. Foto: Jehle
24.08.2018 - 00:00 Uhr
Bad Schönborn (sj/red) - Im badischen Landesteil gab es mit den Deportationen Ende Oktober 1940 in das französische Gurs die ersten "Juden-Transporte" im Deutschen Reich - und mit der Umfunktionierung eines "Arbeitshauses" in Kislau (Ortsteil Bad Schönborn) auch das einzige von 1933 bis zum Krieg betriebene Konzentrationslager (KZ) im Südwesten. Entlang der Rheinschiene gibt es jedoch bis heute keine adäquate Gedenkstätte für begangene NS-Verbrechen. Seit Jahren schon ringt ein Verein in Karlsruhe um eigene Räume, um das Geschehene zu vermitteln - auf dem Areal des ehemaligen KZ.

Der Verein "Lernort Zivilcourage&Widerstand", der seit Juli als geschäftsführendem Vorstand vom Karlsruher Gewerkschafter Dieter Bürk geleitet wird, will vor allem Schüler und Jugendliche ansprechen. Dazu wurden inzwischen auch mehrere sogenannte "Motion Comics" erarbeitet, bewegte Bildergeschichten, mit denen in Video-Clips für Mut und Zivilcourage geworben wird.

Seit dem Jahreswechsel wird die Arbeit - und ein 2015 gebildetes Projektteam - dauerhaft aus Landesmitteln gefördert. 2017 wurde im Netz ein virtuelles Geschichtsportal angelegt. Das bemüht sich vor allem um Aufarbeitung badischer Geschichte in den Jahren 1918 bis 1945 - gerade auch mit Blick auf die Weimarer Zeit und die Lehren daraus, wie schnell eine Demokratie bedroht sein kann.

Doch jetzt geht das Ringen um eigene Räumlichkeiten für die Vermittlungsarbeit offenbar in eine entscheidende Phase. Denn Erinnerungskultur und politische Bildung sollen nicht mehr rein virtuell erfolgen. Etwa für einen geplanten Geschichtsparcours wären eigene Räume unabdingbar: Die Schaffung des "Lernorts" mit eigenen Gebäuden war Teil eines Antrags ans Land vom September 2017.

Bei dem Karlsruher Verein konnte man sich auch die Nutzung von Bestandsbauten des als Justizvollzugsanstalt genutzten Areals in Kislau vorstellen. Das ist jetzt aber offenbar vom Tisch, denn gestern hat Justizminister Guido Wolf (CDU) die Baufreigabe für die Sanierung und Umstrukturierung des Schlosshauptbaus der Außenstelle Kislau erteilt. Die Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Bruchsal soll für 4,2 Millionen Euro ab Ende 2018 für den offenen Vollzug modernisiert werden. Insbesondere sollen laut Wolf mehr Haftzellen geschaffen und neue Sanitäreinrichtungen sowie eine Kantine im Untergeschoss eingebaut werden. Zudem sollen der Brandschutz optimiert und die Energieeffizienz erhöht werden.

Bei dem Verein, so sagt die Historikerin Andrea Hoffend, Leiterin des Projektteams, setze man jetzt auf Gespräche an einem runden Tisch zum möglichen "Standort für den Lernort Kislau". Angestrebt werde ein Termin "im Herbst".

Bereits 2014 hatte das Finanzministerium dem Projekt Kislau ein Baugrundstück in Erbbaupacht in Nachbarschaft der Justizvollzugsanstalt angeboten, wie ein Sprecher des Ministeriums bestätigt. Diese Variante käme zum Zug, wenn man sich für einen Neubau entscheidet, der etwa drei Millionen Euro kosten würde. 2016 schon wurde eigens ein Architekturwettbewerb durchgeführt.

Der Verein "Lernort Zivilcourage & Widerstand" mit Projektleiterin Hoffend, hat inzwischen weitere Netzwerke gesponnen: In den Haushaltsberatungen des Kreistags Karlsruhe gab es Unterstützungszusagen. Im September will das Projektteam Mitgliedern und Förderern des Vereins das Ausstellungskonzept des "Lernorts Kislau" nochmals intern vorstellen.

www.lzw-verein.de

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