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Wenn aus Facebook Ernst wird
Wenn aus Facebook Ernst wird
25.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Florian Krekel

Warwick - Hat die Nutzung von Facebook einen direkten Einfluss auf Gewalt gegen Flüchtlinge? Karsten Müller und Carlo Schwarz sagen ganz klar: Ja! Die beiden Forscher der Universität Warwick (Großbritannien) haben über einen Zeitraum von zwei Jahren alle in Deutschland gegen Flüchtlinge begangenen Straftaten - 3335 an der Zahl - untersucht. Dabei stach eine Sache besonders hervor.

In Kommunen, in denen Facebook stärker genutzt wird, als anderswo, gab es merklich mehr Attacken auf Flüchtlinge. Das Erschreckende daran: Dieser Effekt beschränkte sich nicht auf Einzelfälle, sondern bestätigten sich für jede der untersuchten Kommunen, egal ob Dorf oder Großstadt, egal ob wirtschaftlich erfolgreich oder nicht, egal ob liberal oder rechte Hochburg, wie die New York Times in einem Artikel über die Auswertung der Studie schreibt.

Wo immer die tägliche Pro-Kopf-Nutzung von Facebook einen bestimmten Wert über dem für Deutschland üblichen Standardwert erreichte, schnellten die Gewaltakte gegen Flüchtlinge um 50 Prozent nach oben. Der Studie zufolge ist jede zehnte Attacke in der Bundesrepublik darauf zurückzuführen. Markant: Dieses Phänomen scheint tatsächlich nur durch das soziale Netzwerk Facebook ausgelöst zu werden. Denn die Forscher untersuchten auch die generelle Internetnutzung in den Städten und Dörfern und bezogen weitere Faktoren mit ein - konkret das Einkommen, die demografische Struktur, die Wahlergebnisse für rechte Parteien, den Zeitungsabsatz, die Zahl der Flüchtlinge, die Verbrechensstatistik sowie die Bereitschaft, zu Demonstrationen zu gehen. Doch all das schien keinen besonderen Einfluss auf die Straftaten zu haben - die Gewalt korrelierte insbesondere mit der Facebook-Nutzung.

Und die Studie geht noch einen Schritt weiter: Die Forscher wiesen auch den umgekehrten Effekt nach. Wann immer die Internetverbindung in Gegenden mit hoher Facebook-Nutzung schwächelte oder gar ganz ausfiel, sank die Zahl der Übergriffe auf Asylbewerber. "Die Rate fiel dabei mit derselben Intensität, wie sie durch den übermäßigen Facebook-Gebrauch steigt", zitiert die New York Times die Studie. Den gleichen Effekt gab es dem Tagesspiegel zufolge, wenn andere Nachrichtenthemen die Anti-Flüchtlings-Stimmung in den sozialen Medien überlagerten.

Als Erklärung für dieses Phänomen sehen Psychologen den menschlichen Wunsch, mit seinem Umfeld gut auszukommen - was im Normalfall "eine Bremse für schlechtes Verhalten sei", sagt Betsy Paluck von der Uni Princeton (USA) gegenüber der New York Times. Facebook "zerhacke" diesen Prozess. "Es isoliert uns von moderierenden Stimmen oder Personen mit Autorität" und erwecke durch die weite Reichweite der Posts den Eindruck, dass eine große Masse eine Ansicht vertrete, was einzelne potenziell gewaltbereite Menschen eher zur Tat verleite und anderen, die dies ablehnten, das Gefühl gebe, allein zu sein.

Für ihre Studie haben Schwarz (27) und Müller (30) laut Tagesspiegel mehr als 176000 Posts, 290000 Kommentare und eine halbe Million Likes analysiert.

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