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Oberrhein müsste Biosphärengebiet werden
25.08.2018 - 08:13 Uhr
Straßburg - Der Straßburger Radiologe Thomas Bourdrel hält das Anfang August im Großraum Straßburg wegen Ozon-Alarms verhängte teilweise Fahrverbot für "symbolisch". Im Interview mit BT-Mitarbeiter Jürgen Lorey fordert der Gründer des Ärztekollektivs "Strasbourg respire" (Straßburg atmet) vielmehr eine stärkere Verringerung der das ganze Jahr über herrschenden Grund-Luftverschmutzung in der Region.

BT: Herr Bourdrel, Straßburg erließ Anfang August erstmals seit Einführung der Umweltplakette Crit'Air im November 2017 wegen zu hoher Ozonwerte ein Fahrverbot für besonders dreckige Autos. Ist die Umweltplakette in so einem Fall sinnvoll?

Thomas Bourdrel: Die Maßnahme kam leider etwas spät und ist in meinen Augen mehr symbolisch. Die Umweltplakette ist sicher ein wichtiges Signal, um uns bewusstzumachen, dass wir jedes Mal, wenn wir das Auto benutzen, ein bisschen mitverantwortlich sind für die Bildung von Ozon. Was viele nicht wissen: In Straßburg müsste man viel mehr gegen die Luftverschmutzung vor allem durch Feinstaub tun, die unterhalb der Schwellenwerte liegt und das ganze Jahr über vorherrscht. Die Stadt hat eine vergleichbar schlechte Luft wie Paris und liegt frankreichweit auf Platz drei, was die Luftverschmutzung betrifft. Würde man die Grundbelastung senken, die das ganze Jahr über in Straßburg herrscht, hätte man weniger diese Ozon-Höchstwerte, die Fahrverbote auslösen.

BT: Straßburg unternimmt doch aber schon viel, um die Luftverschmutzung zu verringern: Die Tram wird ausgebaut, der Autoverkehr aus der Innenstadt zurück gedrängt, das Fahrradfahren gefördert.

Bourdrel: Das stimmt, aber gleichzeitig treffen die Lokalpolitiker Entscheidungen, die dem entgegenlaufen. Die Tarife für Tram und Bus in der Eurometropole werden angehoben. Die beschlossene Westumgehung GCO wird die Luftverschmutzung in dem Gebiet, das sie durchschneidet, erhöhen und die Belastung in Straßburg nur sehr wenig verringern. Die Papierfabrik Blue Paper im Rheinhafen bekam von der Präfektur 2015 die Genehmigung, den Ausstoß von Stickoxiden um 30 Prozent erhöhen zu dürfen. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen und so zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen. Übrigens pusten Dieselfahrzeuge, selbst die modernen, sechs- bis siebenmal mehr Stickoxide als Benzinautos in die Luft.

BT: Was müsste man also besser machen, damit die Luft im Großraum Straßburg sauberer wird?

Bourdrel: Jeder sollte sich überlegen, ob wir jedes Mal das Auto nehmen müssen. 60 Prozent der Autofahrten in der Stadt sind kürzer als zwei Kilometer, in jedem Auto sitzen im Schnitt nur 1,04 Personen. Fahrgemeinschaften sind noch zu wenig entwickelt. Ein Unding finde ich, dass man wegen des Ozon-Alarms nur auf die Autofahrer einschlägt. Die Batorama- Ausflugsschiffe auf der Ill in Straßburg fahren meistens mit Diesel, genauso der Regionalzug zwischen Straßburg und Offenburg. Beide waren neulich beim Ozonalarm vom Fahrverbot ausgeschlossen, genauso wie Industriebetriebe. Jeder muss sich außerdem bewusstmachen, dass weniger Müll auch weniger Luftverschmutzung bedeutet, weil in Straßburg der Großteil des Mülls verbrannt wird. Straßburg bräuchte auch deutlich mehr Grünflächen, die das Klima verbessern und die Aufheizung im Sommer vermindern. Im Moment werden freie Flächen eher zugebaut.

BT: Ozon-Warnung Anfang August im gesamten Elsass, Ozon-Alarm und teilweise Fahrverbote in Straßburg, in der Ortenau dagegen nichts. Macht die Luftverschmutzung an der Grenze halt?

Bourdrel: Wir müssten, was die Luftverschmutzung angeht, noch viel mehr als bisher den gesamten Oberrheingraben im Blick haben, also die beiden elsässischen Departements, aber auch auf der anderen Seite die Ortenau und Baden bis zur Nordschweiz. Im Sommer können sie in der Luft auf dem Place Kleber in der Straßburger Innenstadt Pestizide messen, die 100 Kilometer entfernt in den elsässischen Weinbergen versprüht wurden. Diese Moleküle setzten sich an den Feinstaubpartikeln fest und werden durch den Wind weit getragen. Wegen der besonderen Kessellage müsste eigentlich der gesamte Oberrhein ein großes europäisches Biosphärengebiet werden. Auf deutscher Seite fehlt uns für eine bessere Zusammenarbeit ein Gegenstück zu unserem Ärztekollektiv.

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