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Ein Unikat, von Legenden umwoben
28.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Stephan Jehle

Karlsruhe - Die bekannteste Pyramide in Deutschland steht auf dem Karlsruher Marktplatz - seit 1825. Fast fünf Jahre lang war sie verhüllt: wegen des Tunnelbaus unter dem Zentrum der Stadt. Seit wenigen Tagen sind Teile des Unikats wieder frei zu sehen. Noch bis in den September hinein verhüllt aber ein Bauzaun den Sockel. Beim Stadtfest im Oktober soll das Wahrzeichen mit einer Inszenierung "neu ins Blickfeld" gerückt werden, verspricht Baudezernent Michael Obert.

Derzeit wird dem 6,81 Meter hohen und am Sockel 6,05 Meter breiten Sandsteinblock der letzte Schliff verpasst. Bereits seit Juni ist die Holzverschalung entfernt. Zuletzt werkelten Fachleute hinter milchigen Netzen auf Gerüsten. Da ging es vor allem um die Sanierung und Reinigung des Sandsteins und des Sockels. "Dies sollte Ende September erledigt sein", sagt Obert.

Die Beziehung der Karlsruher zu "ihrer" Pyramide ist eine ganz besondere. Als Kreuzungspunkt der Straßenbahnen ist sie ein beliebter Treffpunkt. Die Pyramide ist auf Strafzetteln städtischer Politessen aufgedruckt und auf amtlichen Briefbögen. Sie ist offizielles Logo der Stadt. Seit mehr als 100 Jahren ist der fast 200 Jahre alte Sandsteinbau zudem ein beliebtes Postkartenmotiv.

Die Pyramide ist zugleich von Legenden umwoben. Lange wurde behauptet, die ägyptischen Grabstätten nachempfundene Form rühre daher, dass die Markgrafen von Baden dem Gedankengut der Freimaurerei nahestünden. Es ist bekannt, dass Badens erster Großherzog Karl Friedrich (im Amt bis 1811) Mitglied einer englischen Freimaurerloge war.

Die Entstehungsgeschichte der Pyramide, unter der Stadtgründer Carl Wilhelm begraben liegt, ist eher trivial: Weil der großherzogliche Baumeister Friedrich Weinbrenner die einst am Marktplatz stehende Konkordienkirche - unter der Markgraf Carl Wilhelm 1738 bestattet wurde - 1807 abreißen ließ, begann dort ein lange währendes Provisorium. Die Gruft, gut 100 Meter südlich des Schlosses gelegen, war nur notdürftig abgedeckt worden. "Ernüchternd profan" sei die wahre Geschichte, sagt der Architekturhistoriker Gerhard Kabierske vom Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (SAAI), das Teil des Karlsruher Instituts für Technologie ist.

Abenteuerliche Achsen, abstrakte Geometrie

Was manche Karlsruher freilich nicht abhält, immer wieder einen tieferen Sinn oder gar geheimnisvoll-mystische Verbindungen in der Pyramide zu suchen. "Abenteuerliche Achsen, die etwa eine Verbindung mit der Cheops-Pyramide in Ägypten herstellen wollen", werden laut Kabierske ebenso bemüht "wie Spekulationen um ein Symbol des Freimaurertums".

Baumeister Weinbrenner, der seit 1801 das gesamte staatliche Bauwesen des Großherzogtums leitete, und 1823 reichlich spät mit dem Bau der Pyramide begann, hatte in seinem Schaffen mehrfach Altägyptisches rezipiert - was laut Experte Kabierske zu seiner Zeit "alle Bereiche der Kultur vom Theater über Malerei bis zur Architektur durchdrang".

Doch es gibt Widerspruch: "Die Pyramide hat zumindest nach allgemeiner Wahrnehmung einen Bezug zur Freimaurerei", sagt der Architekt und Stadtplaner Hans Robert Hiegel, der sich intensiv der Geschichte der Freimaurerei widmete. Auch der fächerartige Grundriss Karlsruhes "habe schließlich in seiner abstrakten Erscheinung, durch seine Geometrie, einen einfachen, basalen und deutlichen Bezug zur Freimaurerei".

Jedenfalls ist die Pyramide die Einzige aus Stein mitten in einer Stadt. Im Internet finden sich viele Einträge zu mutmaßlichen Geheimbünden. Die 1907 in Karlsruhe gegründete Johannisloge etwa trägt den Zweitnamen "Zur Pyramide".

Kabierske bleibt skeptisch: "Auch die Legende, die Pyramide setze sich unter der Erde in gigantischen Dimensionen fort, haben die Bauarbeiten für den Tunnelbau längst Lügen gestraft", sagt er.

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