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Erdbebenaktivität im Land wird ständig beobachtet
03.09.2018 - 00:00 Uhr
Albstadt/Freiburg (red) - Erdbeben erschüttern immer wieder auch Baden-Württemberg - so wie vor 40 Jahren Albstadt (Zollernalbkreis), das schwer beschädigt wurde. Sie lassen sich bis heute nicht vorhersagen, aber es gibt Warnhinweise. Für Baden-Württemberg liegt die ständige Beobachtung der Erdbebenaktivität in den Händen des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) im Regierungspräsidium Freiburg mit seinem Landeserdbebendienst.

Am 3. September 1978, einem Sonntag, reißt morgens um 6.08 Uhr ein Erdbeben der Stärke 5,7 die Bewohner von Albstadt aus dem Schlaf. In einem Umkreis von etwa 300 Kilometern sind die Erschütterungen spürbar, erinnert das Landesamt in einer Mitteilung an das Ereignis vor 40 Jahren, das in einer Fotodokumentation aufgearbeitet wurde. "Voller Angst stürzten Tausende ins Freie" titelte die lokale Presse tags darauf. Die Schäden an Gebäuden waren für mitteleuropäische Verhältnisse dramatisch. Laut seiner Dokumentation wurden mehrere Tausend Gebäude in Albstadt teils erheblich beschädigt, einige Hundert mussten sicherheitshalber abgestützt werden, und für einige Dutzend wurde der Abriss empfohlen. Rund 2000 Kamine mussten abgetragen werden. Auch die Burg Hohenzollern wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Münchner Rück-Versicherung schätzte damals den Gesamtschaden an Gebäuden auf 275 Millionen Mark (rund 140 Millionen Euro).

Erdbebenbaunorm wird überarbeitet

Der neu überarbeitete historische Erdbebenkatalog für Baden-Württemberg verzeichnet, soweit die historischen Quellen zurückreichen, vor dem 20. Jahrhundert um Albstadt keine nennenswerte Erdbebentätigkeit. Am 16. November 1911 setzte jedoch wie mit einem Paukenschlag eine ungewöhnlich starke Erdbebenaktivität auf der Zollernalb ein, die in den bisher stärksten Ereignissen 1911, 1943 und 1978 gipfelte. Seismologen sehen die Ursache dieser Erdbeben in der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden sogenannten Albstadt-Scherzone im Grundgebirge - fünf bis zehn Kilometer unter der Erdoberfläche - und nicht im vielzitierten Hohenzollerngraben mit rund zwei Kilometern Tiefe.

Aus der Historie von Erdbeben lassen sich "Zonen" mit unterschiedlicher Erdbebenaktivität besser bestimmen. Dort sei es wichtig, schon bei der Planung, Konstruktion und Ausführung von Bauten die Regeln für erdbebensicheres Bauen zu beachten, verdeutlicht das Landesamt. Grundlage für diese Vorsorge sei die Erdbebenbaunorm, die derzeit überarbeitet werde. Dabei werde auch der neueste Wissensstand über historische und aktuelle Erdbeben eingearbeitet.

Über die letzten fünf Jahre wurde das landesweite Netz von Erdbebenmessstationen modernisiert und erweitert, betont das LGRB: Es stehen jetzt 24 sogenannte Starkbebenmessstationen zur Verfügung, die vor allem der Aufzeichnung der Auswirkungen von Erdbeben in den Ballungsräumen und am stärksten gefährdeten Gebieten dienen. Zum Aufspüren und Lokalisieren selbst kleinster Erdbeben betreibt der Landeserdbebendienst außerdem ebenso viele hochempfindliche Detektionsmessstationen, die durch zahlreiche Messstationen benachbarter Agenturen aus dem In- und Ausland ergänzt werden.

Sämtliche Erdbebenmessdaten erreichen die Zentrale in Freiburg kontinuierlich in Echtzeit, so dass innerhalb von Minuten die seismologische Information zu relevanten Erdbeben über das Internet und das polizeiliche Lagezentrum beim Innenministerium veröffentlicht werden kann. Der moderne Ausbau des Messnetzes des Landeserdbebendienstes erlaube zwar auch weiterhin keine Erdbebenvorhersage, biete aber die Grundlage einer schnellen und kompetenten Information der Bevölkerung im Falle zukünftiger Erdbeben.

Informationen zu aktuellen Erdbeben finden sich unter

www.lgrb-bw.de/led_pool/

led_2_1.htm

Die Broschüre "Erdbebensicher Bauen" sowie die "Karte der Erdbebenzonen und geologischen Untergrundklassen für Baden-Württemberg" findet sich auf den Seiten des Umweltministeriums: https://um.baden-wuerttemberg.de/de/umwelt-natur/berg-und-baurechtsbehoerde/bautechnik-und-bauoekologie/erdbebensicher-bauen/

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