http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Mehr als "Blümchen-Veranstaltungen"
Erwandert seine Projekte barfuß: Landschaftsarchitekt Johann Senner. Foto: S. Zoller
05.09.2018 - 00:00 Uhr
Baden-Baden - Johann Senner ist Landschaftsarchitekt und weltweit unterwegs, um Landschaftsräume zu gestalten. Ungewöhnlich ist dabei seine Herangehensweise: Der überzeugte Barfußgänger erwandert seine Projekte, um die Landschaft verstehen. Wichtig ist ihm dabei, landschaftsökologische und kulturhistorische Zusammenhänge zu analysieren, die für die Identität der Menschen in ihrer Heimat so bedeutend sind. Mit seinem Büro Planstatt Senner wurde er erster Preisträger für den Masterplan der Landesgartenschau Freundenstadt-Baiersbronn 2025. BT-Mitarbeiterin Sabine Zoller hat mit ihm über Chancen und Potenziale des Schwarzwalds gesprochen.

BT: Herr Senner, was hat Sie mit Ihrem Büro in Überlingen dazu bewogen, sich an dem Wettbewerb für die Gartenschau Freudenstadt-Baiersbronn zu beteiligen?

Johann Senner: Unser Interesse besteht an Kommunen, die etwas Besonderes wagen. So haben wir den Masterplan zur erfolgreichen Bewerbung der Remstal-Gartenschau für 2019 konzipieren dürfen, die bundesweit erstmals in 16 Städten und Gemeinden, drei Landkreisen und zwei Regionen stattfinden wird. Auch die beiden Kommunen Freudenstadt und Baiersbronn haben Mut mit ihrer Bewerbung für eine duale Gartenschau bewiesen. Wir wollen Kommunen neue Möglichkeiten zur Stadt- und Landschaftsentwicklung bei der Vermarktung ihrer Region aufzeigen. Den Schwarzwald habe ich als Student kennengelernt, aber seine unglaubliche Topographie erst jetzt durch meine Wanderungen tiefgehender verstanden. Zwischen Freudenstadt und Baiersbronn hat ein Wildbach, der Forbach, das Tal geprägt.

BT: Warum das Engagement ausgerechnet für diese Region?

Senner: Die Besonderheit des Tals besteht darin, dass verschiedene Zeitschichten sichtbar und erlebbar sind. Damit meine ich nicht nur die historischen Verwaltungs- und Energiegebäude, die auf wunderbare Art und Weise die Industriekultur im Schwarzwald dokumentieren, sondern auch die erhalten gebliebenen Mühlenkanäle und Wehranlagen, die als Motoren der Wasserkraft mit der handwerklichen Tradition der Region bis heute in Verbindung gebracht werden können - sowie die Bergwerkstollen und die Orte der Erzverhüttung und -verarbeitung, die heute noch sichtbar sind ("Tal der Hämmer"). Wir glauben zudem, dass die landschaftlich reizvolle Waldregion und weitgehend intakte Naturlandschaft in Zukunft für viele Städter nicht nur das Phänomen der Stille bietet, sondern darüber hinaus eine immer wichtigere Rolle im Gesundheitsbewusstsein spielt. Der Wald als lufthygienischer Filter spricht dabei Körper, Geist und Seele an.

BT: Welches Potenzial sehen Sie in dieser Region?

Senner: Ich traue dieser Region sehr viel zu! Zwar liegt sie außerhalb der Ballungsräume, aber man kann dafür gut und bezahlbar wohnen und findet genügend anspruchsvolle Arbeitsplätze. In heißen Sommermonaten bietet der Schwarzwald angenehme Kühle, und traditionsreiche Hotels und Gastronomiebetriebe haben seit über hundert Jahren ideale Rückzugsorte für Erholungssuchende geschaffen. Mit der Globalisierung ist auch hier ein über alle Generationen umfassender Strukturwandel sichtbar, der große Chancen birgt. Insbesondere in den ländlichen Regionen, die durch die längere Bindung an traditionelle Berufe geprägt sind, ist eine Transformation spürbar. Neue Technologien lassen Modernes mit alten Traditionen verknüpfen. So wird aus einem alten Bauernhaus, das seit mehreren Jahrhunderten unverändert stehengeblieben ist, ein Mehrgenerationenhaus, in dem sich drei bis vier Familien wohlfühlen. Um noch mal auf das Forbachtal zurückzukommen: Der teilweise Leerstand, der in den historischen Industriegebäuden spürbar ist, bietet für die Zukunft die Möglichkeit für attraktive neue Arbeitsplätze, beispielsweise denke ich hier an Künstler und Start-Ups, die durch das kreative Umfeld neue Nutzungsmöglichkeiten schaffen können. Ich bin davon überzeugt, dass der unternehmerische Geist auch noch heute im Schwarzwald vorhanden ist, so werden sich auch in Zukunft junge Leute verstärkt an die Region gebunden fühlen.

BT: Welche Herausforderungen gilt es im ländlichen Raum zu überwinden?

Senner: Orts- und Stadtsanierungen sind eine große Chance. Auch im Zusammenspiel mit der Gartenschau 2025 in Freudenstadt-Baiersbronn. Denn das sind nicht nur die "Blümchen-Veranstaltungen". Mit solchen Projekten wird ganz aktiv die Entwicklung im ländlichen Raum angeschoben. Durch das neu geschaffene Grün werden Wohn- und Arbeitsräume sowie städtebauliche Sanierungsmaßnahmen attraktiver gestaltet, so dass hier durchaus von wichtigen Zukunftsimpulsen gesprochen werden kann. Das gesamte Forbachtal kann davon profitieren. Das ist übrigens auch der neue Ansatz der aktuellen Landesgartenschauen, die auch das nähere und weitere Umfeld in die Gartenschauen integrieren. Die große Herausforderung besteht darin, das Veranstaltungsjahr 2025 so zu gestalten, dass es nicht als einmaliges Strohfeuer auflodert, sondern dass daraus eine Aufbruchstimmung entsteht, um auch in Zukunft die Besonderheiten der Region herauszustellen.

BT: Kann man mit solchen Projekten zielgerichtet neue Märkte erobern, die touristisches Wachstum versprechen?

Senner: Der Schwarzwald lebt von seiner Kleinteiligkeit und Überschaubarkeit, die insbesondere im Tourismus förderlich ist. Wenn es gelingt, mit Gartenschauen eine Aufbruchstimmung zu erzeugen, dann kann ein gegenseitiger Nutzen erzeugt werden. Das Motto "Zeitreise im Landschaftspark der Zukunft - black to blue" stellt einerseits die landschaftskulturelle Geschichte heraus, thematisiert aber auch einen interessanten räumlichen Zusammenhang von den "schwarzen" tannenbestandenen Hängen bis hin zu den tiefblauen Flüssen. Mit dem Wortspiel "black to blue" wollen wir gerne auch bei überregionalen Gästen Neugierde wecken. Wichtig ist, dass das Konzept eng und in kleinen Schritten mit der Bevölkerung zusammen entwickelt wird, um nicht nur eine Akzeptanz, sondern auch eine Euphorie bei den Bewohnern der Region zu erzeugen. Die große Kunst besteht darin, ein Wir-Projekt zu gestalten. Da die Töpfe für Zuschüsse vorhanden sind und das Land Baden-Württemberg auf der Seite der beiden Kommunen steht, würde ich die Chancen für die Zukunft als sehr positiv einschätzen. Daher kann man die Umsetzung von Gartenschauprojekten generell als Erfolgsprogramm bezeichnen.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Rastatt
--mediatextglobal-- Anlässlich des Besuchs von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Dritter von rechts) wird die erste von sechs großen Hinweistafeln in Betrieb genommen. Foto: Vetter

04.09.2018
Neue Hinweistafel in Betrieb
Rastatt (yd) - Die eigentliche "Premiere" erfolgt erst Mitte Oktober, aber ein Teil des neuen Verkehrsleitsystems konnte am Plittersdorfer Fähranleger anlässlich des Besuchs von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) gestern schon in Betrieb genommen werden (Foto: fuv). »-Mehr
Karlsruhe
Landesvereinigung: Baden weiterhin benachteiligt

04.09.2018
Landesvereinigung: Baden stärken
Karlsruhe (lsw) - Gut 66 Jahre nach Gründung Baden-Württembergs sieht die Landesvereinigung Baden in Europa weiter eine Benachteiligung des badischen Landesteils. Immerhin habe sich die Situation unter der Regierung von Winfried Kretschmann (Grüne) deutlich verbessert (Foto: dpa). »-Mehr
Rastatt
Star-Energiewerke sind wieder Stadtwerke

04.09.2018
Star-Energiewerke jetzt Stadtwerke
Rastatt (red) - Lange wurde auf die Umfirmierung hingearbeitet, jetzt ist die Eintragung im Handelsregister vollzogen: Der Rastatter Energie- und Trinkwasserversorger Star-Energiewerke kehrt, wie im vergangenen Jahr beschlossen, als "Stadtwerke" zurück zu seinen Wurzeln (Foto: av). »-Mehr
Rastatt
--mediatextglobal-- Tafeln besiegeln die Partnerschaft: Die Vorsitzenden David Cecchini (Aero Club Fano) und Paula Winterstein (Luftsportgruppe Rastatt).  Foto: Verein

04.09.2018
Partnerschaft besiegelt
Rastatt (red) - Verschiedene Flaggen, aber dieselbe Leidenschaft: Die Freundschaft zwischen Fano und Rastatt wird durch ein neues Kapitel bereichert: Der Aero Club der italienischen Stadt an der Adria und die Luftsportgruppe Rastatt haben eine Partnerschaft besiegelt (Foto: pr). »-Mehr
Gernsbach
--mediatextglobal-- Sandra Weber (rechts) bietet in der zweiten Generation auf den Bauermärkten unter anderem Wildwurst und Fleisch aus eigener Jagd an. Foto: Gareus-Kugel

03.09.2018
Zeugen regionaler Vielfalt
Gernsbach (vgk) - Von Mai bis Oktober lädt der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord 18 Mal zu seinen Märkten ein. Am Sonntag war zum zweiten Mal das Infozentrum auf dem Kaltenbronn Mitorganisator. "Ein Zusatzangebot für die Ausflügler", erklärte Leiterin Kristina Schreier (Foto: vgk). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Mit einem Bündel von Maßnahmen will die Bundesregierung die hohen Mietkosten dämpfen, die viele Bürger besorgen. Fürchten Sie, sich in Zukunft Ihre Wohnung nicht mehr leisten zu können?

Das ist schon der Fall.
Ja.
Nein.
Ich bin in keinem Mietverhältnis.

Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1