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Lücken in den Verkaufsregalen
Kaufland legt sich mit dem Konzern Unilever an und nimmt eine Reihe bekannter Produkte aus dem Verkauf. Foto: dpa
06.09.2018 - 06:45 Uhr
Von Jürgen Volz

Baden-Baden - Der Kampf um Preise und Konditionen zwischen Händlern und Markenartiklern wird zunehmend mit Härte geführt. Unlängst hat Edeka seinem Lieferanten Nestlé durch einen Bestellboykott wichtige Zugeständnisse abgerungen, jetzt attackiert Kaufland den mächtigen Unilever-Konzern. Die Auswirkungen bekommen die Kunden derzeit beim Einkauf zu spüren.

Kaufland als Betreiber von 1200 Supermärkten in Deutschland und Osteuropa will 480 Produkte des britisch-niederländischen Konzerns aus seinen Verkaufsregalen nehmen. Insgesamt sind mehr als 600 Artikel von Unilever in 650 deutschen Kaufland-Märkten gelistet. Betroffen sind von dem Bestellstopp demnach unter anderem bekannte Produkte wie Knorr-Suppen, Langnese-Eis oder Lipton-Tee, die hohe Umsatzanteile ausweisen und jetzt kurzfristig durch Eigenmarken von Kaufland ersetzt werden.

Edeka gewinnt Machtprobe

Der Disput zwischen Kaufland, einer Supermarktkette des Lidl-Konzerns Schwarz, und Unilever ist kein Einzelfall. Auch Edeka hat es zuletzt auf eine Machtprobe mit Nestlé ankommen lassen. Um bessere Lieferkonditionen zu erzielen, setzte der größte Lebensmittelhändler in Deutschland den Markenmulti aus der Schweiz vor Monaten unter Druck, indem er sich mit weiteren Händlern in Europa verbündete und in seinen mehr als 3000 Filialen im Inland bis zu 200 Nestlé-Produkte zeitweise nicht mehr nachbestellen ließ. Edeka setzte sich damit am Ende durch - Nestle musste Zugeständnisse machen.

Auch mit Unilever hatte der genossenschaftlich organisierte Verbund zu Jahresbeginn einen Disput. "Damals ging es um einen vergleichsweise geringen Prozentsatz am Gesamtumsatz", erinnert sich Roland Fitterer, der mehrere Edeka-Märkte in Mittelbaden betreibt. Letztlich gab es eine Einigung - Details darüber wurden den Händlern aber weder von Edeka noch von Unilever mitgeteilt.

Der Baden-Badener Kaufmann ist froh, einen Einkaufsverbund wie Edeka hinter sich zu haben. Alleine stünden Händler wie er auf verlorenem Posten. Produzenten wie Nestlé oder Unilever seien inzwischen so groß und mächtig geworden, dass sie die Preise auf dem Weltmarkt diktierten. "Dagegen wehren kann man sich nur in einem möglichst großen Verbund", sagt Fitterer, der auch Vizepräsident der IHK Karlsruhe ist. Daher wollen sich nach dem Vorbild von Edeka jetzt auch andere Handelskonzerne mit Gleichgesinnten in der europäischen Nachbarschaft organisieren, um so den Druck auf die globalen Markenartikler zu erhöhen.

"Die Welt ist sehr klein geworden"

Dass derzeit Regale in den Supermärkten und Lebensmittelgeschäften zum Teil leer bleiben, hat aber noch weitere Gründe. "Die Welt ist sehr klein geworden", beschreibt Fitterer eine Entwicklung, die sich immer mehr beschleunigt. Bevölkerungsreiche Staaten wie etwa China schrauben ihren Konsum nach oben und drängen dabei auf den Weltmarkt. Das macht sich jetzt schon ganz konkret auch beim Händler von nebenan bemerkbar: Plötzlich sind nicht mehr alle Lebensmittel uneingeschränkt verfügbar. "Das ist beispielsweise bei Fisch schon deutlich zu sehen", sagt Fitterer, der ganz generell in der Zukunft einen extremen Wandel in der Branche erwartet.

Und wie reagieren die deutschen Handelskonzerne darauf? "Ein wesentlicher Weg ist, künftig mehr selbst zu produzieren und somit die Rohstoffe in der eigenen Hand zu haben", sagt Fitterer. Das heißt, Handelsunternehmen wie Edeka setzten verstärkt auf Eigenmarken, die sie selbst herstellen wie etwa bei Fleisch oder bei Getränken.

Letzteres kann im Übrigen auch dabei helfen, Lieferengpässe oder gar Ausfälle, die durch Hersteller verursacht werden, zu lindern. Zuletzt konnten Händler wie Roland Fitterer einige ihrer Regale nicht befüllen, weil Produkte schlicht nicht zur Verfügung standen. Bei Getränken beispielsweise hatten Abfüller offenbar die lange Hitzeperiode unterschätzt und nicht ausreichend vorgesorgt. Oder es standen nicht genügend Mitarbeiter zur Verfügung, um die Nachfrage seitens des Handels zu erfüllen.

Deutsche Verbraucher galten lange Zeit als sehr preisbewusst und waren nicht bereit, mehr Geld etwa für Lebensmittel auszugeben. Diese Haltung wurde befördert vom harten Wettbewerb der Discounter und Supermärkte. Allerdings hat der Preiskampf zuletzt etwas nachgelassen. Viele Lebensmittel sind auf Jahressicht teurer geworden, das belegen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts. Gleichzeitig sitzt das Geld bei den in der Regel gut verdienenden Konsumenten lockerer. Trotzdem bleibt gerade der Lebensmittel-Markt auch in Zukunft hart umkämpft.

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