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"Brauchen Tierparks, um Wissen zu vermitteln"
20.09.2018 - 00:00 Uhr
Sasbachwalden - 54 Hektar groß, mit Tiergehegen, Schaubauernhof, dem Animotion-Institut für tiergestützte Therapie, Gastronomiebetrieb, Seminarräumen und in der Zukunft auch Übernachtungsmöglichkeiten in einem Walddorf mit Blockhütten und Baumhäusern - die Anima Tierwelt Breitenbrunnen soll neuer Anziehungspunkt in Sasbachwalden werden. 20 Millionen Euro lassen sich die Geschäftsführerinnen Davina Schmitz und Maria Wruck das Projekt in der ersten Ausbaustufe kosten, unter anderem über Einnahmen und Sponsoren sollen dann die Erweiterungen finanziert werden, wie sie im Interview mit BT-Redakteurin Anja Groß verraten. Die Grundsteinlegung mit Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) am Samstag, 22. September, zu der ab 17 Uhr alle Interessierten nach Sasbachwalden eingeladen sind, markiert den offiziellen Startschuss für die Bauarbeiten.

Interview

BT: Frau Wruck, Frau Schmitz, Sie haben die Anima Tierwelt mal als Wunschtraum aus Kindertagen beschrieben. Nun wird der Realität: Wie ist da Ihre Gefühlslage?

Davina Schmitz: Vor sieben Jahren hatten wir die Idee, seit fünf Jahren sind wir mit dem Projekt befasst, wie es jetzt geplant ist. Für uns ist es unglaublich schön zu sehen, dass die Planungen nun real werden.

BT: Bis hierhin war es teilweise ein steiniger Weg mit langwierigen Genehmigungsverfahren. Ist jetzt alles unter Dach und Fach?

Maria Wruck: Im Grunde ja. Aber für so ein umfangreiches Projekt hat es eigentlich nicht lange gedauert, es kommt einem nur lange vor, wenn man loslegen möchte. Nun stehen höchstens noch einige Baugenehmigungen aus, die im Lauf der Jahre in den geplanten nächsten Ausbaustufen erforderlich sein werden.

BT: Werden die 20 Millionen Euro Investitionskosten ausreichen?

Wruck: Die 20 Millionen Investitionskosten sind für die erste Ausbaustufe angedacht und bisher privat finanziert. Für die nächsten Ausbaustufen haben wir vor, Kooperationen einzugehen und Sponsoring zu ermöglichen. Grundsätzlich war angedacht, dass wir uns über die Einnahmen aus Eintritt, Gastronomie und Shop eigenständig tragen werden und vielleicht sogar auch weitere Ausbaustufenteile finanzieren können.

Schmitz: Wie jedes privatwirtschaftliche Unternehmen werden auch wir weitere Möglichkeiten auftun, um Einnahmen zu generieren. Angedacht sind beispielsweise größere Veranstaltungen zur Naturpä-dagogik und Ökotrophologie für das Fachpublikum. Auch ein breites Angebot an Events, Seminaren und Kursen für unsere Gäste steht auf der To-do-Liste.

BT: Bedeutet das, Sie werden weitere Partner mit ins Boot holen?

Schmitz: Wir sind hier in der Tat schon in Gesprächen, wobei da verschiedenste Modelle denkbar sind. Wieso sollte der Hersteller von Uhu-Produkten in Bühl nicht unser Eulengehege sponsern oder ein Unternehmen mit dem Auerhahn im Logo sich werblich beteiligen - und die Autos kommen von Jaguar. (Schmunzelt)

Wruck: Sehr froh sind wir über die gerade unterzeichnete Kooperation mit dem Nationalpark. Das ermöglicht uns, viele Synergieeffekte zu schaffen. So profitieren die Mitarbeiter von Nationalpark und Anima Tierwelt von gegenseitigen Schulungen und Fachvorträgen. Außerdem erweitern wir die Angebote für unsere Besucher und die Möglichkeiten der Bildungsvermittlung, indem wir bei uns beispielsweise die Tiere zeigen und die Besucher anschließend mit den Rangern im Nationalpark deren Spuren suchen oder Tierlaute hören und erkennen lernen.

BT: Sie planen mehrere Ausbaustufen. Wie sehen die konkret aus?

Schmitz: Wir streben immer noch an, im Frühjahr 2020 zu eröffnen, auch wenn das sicher ambitioniert ist. Denn man weiß auf über 800 Metern Höhenlage nicht, wann genau der Winter zuschlägt und wie die Bauarbeiten vorangehen. Geplant sind für die erste Ausbaustufe, verschiedene Tiergehege wie beispielsweise für Wolf, Wildschwein und Hirsch sowie das Gros der Gebäude fertigzustellen. Unser Eingangsbereich, das alte Sandsteingebäude der ehemaligen Kurklinik Breitenbrunnen, in dem später unsere Verwaltung untergebracht ist, wird unser Tor zur Anima. Weiterhin wird unser Schaubauernhof, in dem wir unseren Gästen zeigen wollen, dass Nutztierhaltung und Tierwohl sich gegenseitig nicht ausschließen müssen, fertiggestellt sein. Für das leibliche Wohl sorgt dann unsere hauseigene Gastronomie, und eines unserer Kernstücke, das Animotion-Institut für tiergestützte Therapie, wird ebenfalls gleich zu Beginn seine Arbeit aufnehmen. Hier werden zu Beginn schon unsere Therapie-Esel und natürlich die Bauernhoftiere wie Kühe, Ziegen und Hühner leben.

Tiere kommen aus

Zoos und Wildparks

BT: Woher bekommen Sie die Tiere?

Wruck: Die bekommen wir aus anderen Zoos oder Wildparks. Das muss langfristig geplant werden, denn man muss beispielsweise bei Wölfen oder Luchsen auf die Blutlinien achten, damit es in möglichen Zuchtprogrammen nicht zu Inzucht kommt. Hier sind wir schon länger mit befreundeten Institutionen in Gesprächen. Die Tiere sollen ungefähr ein halbes Jahr vor der Eröffnung ihre Gehege beziehen, damit sie sich in Ruhe an die Umgebung und ihre Tierpfleger gewöhnen können.

BT: Die Anima Tierwelt gilt genehmigungsrechtlich als Zoo. Nun stehen Zoos ja gerade zunehmend in der Kritik. Ist das Konzept also heutzutage noch zeitgemäß?

Wruck: Das ist eine sehr gute Frage und in der Tat eine, die wir uns auch selbstkritisch regelmäßig stellen. Grundsätzlich muss man sagen, dass die Anima Tierwelt sicher kein Zoo im klassischen Sinne ist. Der Stempel Zoo kommt vielmehr daher, dass eine Einrichtung, die mehr als eine gewisse Anzahl an Individuen und/oder Arten hält, rechtlich als Zoo gilt. Damit sind die Anforderungen an Tierpfleger und Haltungsbedingungen sehr viel strenger als beispielsweise in Wildgehegen. Im Falle der Anima setzen wir zudem rein auf regionale Tierarten, die wir damit völlig artgerecht halten und auch beschäftigen können. Es ist sicher nicht ganz falsch zu sagen, man sollte Tiere nicht einsperren. In einer perfekten Welt wäre das definitiv so. Aber zumindest momentan brauchen wir in unserer Gesellschaft Einrichtungen wie Zoos oder Tiergärten, um Wissen und Empathie Tieren gegenüber zu vermitteln. Und man darf nicht vergessen, dass bestehende Zoos zunehmend auf artgerechte Tierhaltung achten. Leider sind diese Einrichtungen aber zumeist in einer Zeit entstanden, als Tierschutz und artgerechte Tierhaltung nicht so weit entwickelt waren, wie es heute der Fall ist. Unser Ziel mit der Anima Tierwelt ist es auf jeden Fall, unseren Beitrag dazu zu leisten, dass Mensch und Tier irgendwann im Einklang "zaunfrei" miteinander leben können.

BT: Gibt es neben dem Schaubauernhof auch weitere Alleinstellungsmerkmale der Anima Tierwelt?

Wruck: Besonders stolz sind wir beispielsweise auf unsere wilde Lichtung, die wir uns selbst ausgedacht haben, und das Enrichment-Programm. Die wilde Lichtung wird ein Areal zwischen Wolfs- und Wildschweingehege, das über Tore Zugänge zu beiden Tiergehegen bietet. Hier können wir getrennt voneinander erst die Wildschweine nach Futter suchen und sich suhlen lassen. Dann werden sie wieder zurück in ihr Gehege gebracht und die Wölfe kommen auf die wilde Lichtung. Für sie ist es dann ein Schnüffelparadies, da die Schweine viele Gerüche hinterlassen haben. Außerdem ist es auch möglich, die Fläche für unser Animotion-Institut mit den Therapietieren oder besondere Events zu nutzen. Auf dem Gelände ist auch eine Hütte vorgesehen, aus der unsere Gäste das spannende Schauspiel hautnah, aber trotzdem in Sicherheit beobachten können.

Schmitz: Unter Enrichment-Programm verstehen wir eine Förderung und Forderung unserer Tiere. So soll beispielsweise aktiv nach Futter gesucht werden und andere artgerechte Beschäftigungs- und Intelligenzaktivitäten in das Leben der Tiere eingebaut werden.

BT: Wer wird die Anima Tierwelt leiten oder anders gefragt: Was werden künftig Ihre Aufgaben sein?

Schmitz: Für uns ist die Anima Tierwelt eine Herzensangelegenheit und nach über sieben Jahren Planung werden wir sie nicht aus der Hand geben. Zusammen mit unserem Tiergartengestalter Eckhard Wiesenthal werden wir sie weiter gestalten und ausbauen.

BT: Und wer kümmert sich um den künftigen Gastronomiebetrieb?

Schmitz: Die meisten privatwirtschaftlich betriebenen Tiergärten führen ihre Gastronomie selbst, andere haben einen Pächter. Fest steht, dass unsere Gastronomie direkt am Wolfsgehege gelegen sein wird, man also mit den Wölfen isst und einen direkten Einblick in ihr Gehege hat - aber noch nicht, wie wir sie betreiben.

BT: Soll es in der Anima Tierwelt auch Übernachtungsmöglichkeiten geben?

Wruck: Ja, aber das ist noch Zukunftsmusik. Wir wünschen uns, dass wir Schulklassen und Jugendgruppen beherbergen, aber auch Patienten der tiergestützten Therapie anbieten können, mehr als einen Tag bei uns zu bleiben. Wir denken an ein Walddorf aus Blockhütten und Baumhäusern. Aber in der ersten Ausbaustufe ist das noch nicht vorgesehen.

BT: Welche Zielgruppen haben Sie im Auge?

Schmitz: Menschen jeden Alters, die sich für die Natur interessieren oder etwas dazu lernen möchten. Bildungstechnisch möchten wir wirklich alle Altersgruppen ansprechen und viele Angebote schaffen, möchten uns aber natürlich besonders auf Kinder und Jugendliche fokussieren: Es wird eine Zooschule geben, und wir wollen auch Programme für Schulklassen anbieten, die sich am Lehrplan orientieren, aber eben darüber hinaus gehen. Aber man kann bei uns auch etwas lernen, wenn man erwachsen ist. Zudem bietet das Animotion-Institut von Dr. Rainer Wohlfarth tiergestützte Psychotherapie mit Hund, Schaf, Ziege, Schwein oder Esel an - einzeln oder ergänzend zur klassischen Psychotherapie, dann endlich auch in geeigneten Räumen. Im Moment haben wir schon vier Therapieesel in Ausbildung, die zur Eröffnung der Anima Tierwelt so weit sein werden, dass sie mit Patienten arbeiten können und für Fortbildungen für Fachpersonal zur Verfügung stehen.

BT: Sie rechnen in der letzten Ausbaustufe mit 200 000 Besuchern pro Jahr. Kann Sasbachwalden den zu erwartenden Verkehr stemmen?

Wruck: Es gab für den Bebauungsplan viele Erhebungen, und was uns selbst auch positiv überrascht hat: Die Verkehrsinfrastruktur dort oben ist durch die B500 relativ gut, und wenn man sich die Besucherzahlen des Mummelsees ansieht, wird es hier wohl nicht zu Problemen kommen.

BT: Das Gelände umfasst auch schützenswerte Biotope und ein FFH-Gebiet. Droht nicht, dass Besucher das alles zerstören?

Schmitz: Nein, es gibt natürlich ein Wegekonzept und einen Besuchersteg, der über die Arnikawiese führt. Wir werden auf die schützenswerte Besonderheit dieser Bereiche aufmerksam machen. Auch wenn es genehmigungsrechtlich schwierig war, ist es für uns ein absoluter Glücksfall, dass wir dort oben sehr seltene Pflanzen zeigen können. Dies werden wir auch in unser Bildungskonzept einfließen lassen und die Flora des FFH-Gebiets in unsere Führungen einbauen.

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