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Wagnerstimmen der Zukunft
Jessica Elevant (im grünen Kleid) gewinnt den Wettbewerb der Richard-Wagner-Verbände, hier im Finalkonzert mit ihren fünf Mitstreitern. Foto: Felix Grünschloß
01.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Sabine Rahner

So ganz präzise kann es niemand in Worte fassen: Was ist eine Wagnerstimme und welches sind ihre untrüglichen Zeichen? Die Initiatoren des jetzt zum neunten Mal - und in Karlsruhe bereits zum vierten Mal hintereinander - ausgetragenen Internationalen Wettbewerbs für Wagnerstimmen verweisen gern auf die extreme Dauer der Opern, auf den stimmlich heiklen Kraftakt, den etwa ein Tristan zu bewältigen hat, auch auf das massiv besetzte Orchester, das es klanglich zu überwinden gilt.

Und dann kommt eine junge Schwedin auf die Bühne, singt mit metallisch-glitzerndem Sopran vollkommen mühelos "Dich teure Halle seh ich wieder..." - die Arie der Elisabeth aus dem "Tannhäuser" - und jeder im Saal weiß es: Das ist eine großartige, außergewöhnliche Stimme, die mit Wagners Herausforderungen kein Problem hat. Spontan denkt man sogar an die Ikone Birgit Nilsson.

Die 28-jährige Jessica Elevant hat beim Finalkonzert im gut besuchten Großen Haus des Badischen Staatstheaters mit zwei Auftritten nicht nur das Publikum überzeugt, sondern auch die Jury. Beide gaben, ungewöhnlich genug, ihren Preis dieser Sängerin, die sich in den zurückliegenden Monaten erstaunlicherweise weniger mit Musik als vielmehr mit Physik beschäftigt hat, denn darin schrieb sie eine Doktorarbeit.

Sechs Finalisten standen am Samstagabend zur Wahl, sie hatten mehrere Auswahlverfahren durchlaufen und waren von einer international besetzten Jury aus 81 Bewerbern ausgewählt worden. Der alle drei Jahre stattfindende Wettbewerb wurde 1991 von den internationalen Wagner-Verbänden in Lyon ins Leben gerufen, unterstützt vom damaligen Bayreuther Festspielleiter Wolfgang Wagner. Aus der Wagner-Familie hätte in diesem Jahr Eva Wagner-Pasquier die Jury leiten sollen, doch sie sagte krankheitsbedingt ab. Die Juroren kamen überwiegend aus großen europäischen Opernhäusern, auch die neue Karlsruher Operndirektorin Nicole Braunger war dabei. Einig sind sich alle Verantwortlichen, dass Wagnerstimmen Zeit brauchen, um zu reifen und sich zu festigen, und deshalb auch auf eine spezielle Förderung angewiesen sind. Der Wettbewerb hat eine Altersgrenze bei 35 Jahren gezogen. Beim Finale in Karlsruhe hat nun aber gerade die Jüngste unter den Teilnehmern konkurrenzlos überzeugt.

Begleitet wurden die Finalisten im entscheidenden Konzert von der Badischen Staatskapelle unter dem zupackenden, immer vorausahnenden Dirigat von Johannes Willig, Erster Kapellmeister des Theaters. Darauf ist dieser Wettbewerb angewiesen: Er kann nur an einem großen Haus mit Wagner-Tradition durchgeführt werden, denn das Finalprogramm entsteht recht kurzfristig, viel Zeit zum Proben bleibt da nicht. Das Badische Staatstheater ist ein solches Haus mit ausgewiesener Wagner-Erfahrung, das zuletzt mit seinem "Ring der Vielfalt" viel Aufsehen erregt hat und speziell mit seiner "Götterdämmerung" in der Inszenierung von Tobias Kratzer bei der aktuellen Kritiker-Wahl als "Inszenierung des Jahres" auf Platz zwei kam - nach den Bayreuther "Meistersingern" von Barrie Kosky.

Vier Frauen und zwei Männer hatten es ins Finale geschafft, ein Wagner-Tenor war nicht dabei. Neben Jessica Elevant hat vor allem die Altistin Ariana Lucas mit einer Szene der Waltraute aus der "Götterdämmerung" überzeugt. Die Amerikanerin ist Mitglied des Karlsruher Ensembles und wurde mit dem Peter-Selbach-Förderpreis zu Recht gewürdigt.

Die beiden tiefen Männerstimmen von Insu Hwang und Christoph Seidl teilen sich den Wolfgang-Wagner-Preis. Dass die deutsche Sopranistin Arminia Friebe bei der Preisverleihung leer ausging, ist schade, ihre Kostproben als Elsa und Sieglinde waren beeindruckend. Doch sie stand wie auch die russische Mezzosopranistin Anna Buslidze letztlich im Schatten der Gewinnerin Jessica Elevant. Diese scheint alles mitzubringen, was für eine Gesangskarriere von Bedeutung ist: Neben dem herausragenden Stimmmaterial und einer souveränen Technik verfügt sie auch noch über eine gewinnende, natürliche Bühnenpräsenz.

Achim Sieben moderierte das Finalkonzert so locker wie kenntnisreich, ein beispielhafter Moderator, der die Preisverleihung routiniert steuerte und das Mikrofon schließlich dem internationalen Wagner-Verbandspräsidenten Horst Eggers überließ: Dieser sähe den Wettbewerb in drei Jahren gerne wieder in Karlsruhe.

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