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PFC am besten ganz aus dem Verkehr nehmen
06.10.2018 - 07:42 Uhr
Kuppenheim - Die unmittelbare Auswirkung von per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) auf den Körper zu untersuchen, ist eines der Hauptanliegen der Bürgerinitiative "Sauberes Trinkwasser für Kuppenheim". Infolge ihrer freiwilligen Blutuntersuchungen auf PFC 2015 und 2016 hat das Landesgesundheitsministerium vergangenes Jahr die Humanbiomonitoring-Studie in Auftrag gegeben. Wie BI-Vorsitzender Ulrich Schumann im Gespräch mit BT-Redakteurin Anja Groß erklärt, habe man sich von den Ergebnissen allerdings mehr erhofft.

Interview

BT: Herr Schumann, Sie waren selber in die Vorbereitungen der Blutkontrolluntersuchungen einbezogen. Was fangen Sie mit dem Ergebnis an?

Ulrich Schumann: Es fällt zuerst einmal auf, dass es keine medizinische Bewertung gibt. Es fehlt ja auch einfach noch an genauen Erkenntnissen, was PFC beziehungsweise Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroktansäure (PFOA) im Körper bewirken - vor allem langfristig. Deshalb haben wir uns ja so für diese Blutuntersuchungen eingesetzt. Man braucht solche Werte, um die gesundheitlichen Gefahren einordnen zu können. Insofern sind wir nicht enttäuscht, dass es keine medizinische Bewertung gab. Denn wir wissen ja selber, dass man sich da erst rantasten muss. In einem Monat soll ja dann der ausführliche Bericht folgen.

BT: Aber sind Sie persönlich jetzt beunruhigt?

Schumann: Nicht mehr als vorher. Die Ergebnisse lassen natürlich schon Rückschlüsse zu. Denn die Referenzwerte werden deutlich überschritten - und es sind in den Blutuntersuchungen genau die Stoffe nachgewiesen worden, die auch hier im Trinkwasser sind. Die Studie bestätigt eindeutig, dass die Schadstoffe vor allem übers Trinkwasser aufgenommen werden. Denn die Aufnahme über Obst und Gemüse war ja vergleichsweise deutlich geringer.

BT: Sind Ihre Erwartungen an die Studienergebnisse erfüllt?

Schumann: Naja, wir haben schon mit konkreteren Daten und Ergebnissen gerechnet. Beispielsweise regionale Verteilungen der PFC-Belastung, die Bandbreite zwischen den niedrigsten und höchsten Werten oder Zusammenhänge zwischen den PFC-Werten und Lebensgewohnheiten. Die werden vom Ministerium ja erst in einem zweiten Schritt angekündigt, das hätte ich eigentlich jetzt schon erwartet. Ich bin jedenfalls sehr gespannt darauf. Denn man muss sich dann sehr genau anschauen, inwiefern das mit den bisherigen Erkenntnissen oder auch dem Grundwassermodell übereinstimmt.

BT: Sind Sie also eher enttäuscht?

Schumann: Nein. Für uns ist es eigentlich eine Bestätigung dessen, dass die Belastung da ist und dass sie hauptsächlich übers Trinkwasser kommt. Viele Menschen im Bereich Kuppenheim und Murgtal haben ja deswegen schon längst von Leitungs- auf Flaschenwasser umgestellt. Rastatt und Baden-Baden haben in diverse Anlagen und Verbesserungen investiert, um PFC weitestmöglich aus dem Trinkwasser herauszufiltern. Insofern ist man dort auf dem richtigen Weg. Solche Anstrengungen sind beim Wasserversorgungsverband Vorderes Murgtal nicht mit dem gleichen Engagement angegangen worden - leider.

BT: Das klingt nach einem Vorwurf.

Schumann: Aus unserer Sicht müsste man im vorderen Murgtal mehr tun. Man hat Brunnen stillgelegt und einen anderen reaktiviert. Aber man merkt eben schon, dass die PFC-Werte zeitweise wieder leicht steigen. Es besteht also dringender Handlungsbedarf, mehr unbelastetes Trinkwasser zuzuführen, das untermauern die Untersuchungsergebnisse. Für die meisten heißt das weiter Trinkwasser aus Flaschen zu beziehen, was viele schon tun - und mit Leitungswasser allenfalls zu kochen, obwohl PFC dadurch nicht zerstört werden, wie man weiß. Das ist für viele eben ein Kompromiss.

BT: 2020 und 2023 wird es weitere Untersuchungen an denselben 348 Probanden geben. Was erwarten Sie davon?

Schumann: Darauf darf man gespannt sein, denn schon unsere Untersuchungen 2015 und 2016 hatten gezeigt, dass PFC sich nicht schnell im Körper abbauen - selbst wenn die Belastung zurückgeht. Nur bei denen, die vollkommen auf Flaschenwasser umgestellt hatten, auch zum Kochen, ließ sich langsam ein Rückgang ablesen. Bei Probanden, die Flaschenwasser tranken, zum Kochen aber Leitungswasser verwendeten, waren die Werte in etwa gleich geblieben oder sogar angestiegen. Das zeigt für uns, dass PFC sich im Körper nicht so schnell abbauen, auch wenn man die Trinkwasseraufbereitung zeitnah umstellen würde.

BT: Was erwarten Sie jetzt von der Politik?

Schumann: Dass solche Fälle mit einem größeren Ernst angegangen werden und transparenter, energischer und offener damit umgegangen wird, als es bei diesem Umweltskandal der Fall war. Wir haben erlebt, dass anfangs die Sorgen der Bevölkerung nicht besonders ernst genommen und das Thema nicht energisch verfolgt wurde. Zudem sollte man sich dafür starkmachen, PFC ganz aus dem Verkehr zu ziehen. In Skandinavien beispielsweise gibt es Ansätze, PFC ganz zu verbieten. Denn die Untersuchungen belegen, dass die menschliche Gesundheit gefährdet ist. Da muss man sich schon fragen, ob es uns das wert ist.

BT: Erwarten Sie, dass Ansätze zur wissenschaftlichen Einordnung verstärkt werden?

Schumann: Ja, denn es gibt ja bundesweit auch andernorts PFC-Skandale, durch Löschschaum beispielsweise, und es wird sicher noch weitere geben. Insofern müsste auf politischer Ebene schon Interesse bestehen, Gelder in die Forschung zu investieren. Da tut sich ein bisschen was, aber aus unserer Sicht noch viel zu wenig.

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