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Preise für Fichtenholz im freien Fall
Vom Borkenkäfer befallene Fichten auf Gemarkung Baiersbronn (Archivbild von 2017): In diesem Fall war höchste Eile geboten, die Bäume aus dem Wald zu schaffen. Foto: Neuwald/av
10.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Volker Neuwald,

Meldung lsw

Baden-Baden - Die Nächte sind frisch geworden, aber tagsüber klettern die Temperaturen sogar in den Höhenlagen des Schwarzwalds noch über die 20-Grad-Marke. Bis zum nächsten kräftigen Regen werden die Borkenkäfer in den Fichten aktiv bleiben, aber ihre Saison neigt sich definitiv dem Ende entgegen (wir berichteten). Erst in diesen Tagen wird im Land und im Bund das volle Ausmaß der Käferinvasion des Sommers deutlich. Die Preise für Fichtenholz befinden sich im freien Fall.

Der Nordschwarzwald, speziell der Landkreis Rastatt und der Stadtkreis Baden-Baden, sind mit Blick auf die Menge des Käferholzes glimpflich davongekommen. Der Preisverfall wird sich dennoch bemerkbar machen.

Forstdirektor Thomas Nissen, Leiter des Kreisforstamts, bestätigte gestern die bereits in einem BT-Interview genannten Zahlen, wonach im Landkreis bis zum Jahresende außerplanmäßig rund 25000 Festmeter Käferholz anfallen werden. Das entspreche der fünffachen Menge wie in den Jahren zuvor, in denen es keine größeren Probleme mit Borkenkäfern gab. Im Stadtwald Baden-Baden werden es etwa 5000 Festmeter sein, so die Schätzung des Fachgebiets Forst und Natur. Für den Pufferstreifen des Nationalparks hat die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg 7430 Festmeter errechnet, wobei diese Zahl auch befallene Bäume im Staatswald und Stadtwald Baden-Baden beinhaltet.

"Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden uns eine ganze Weile beschäftigen", blickt Nissen in die Zukunft. Das Ernten und Herausholen von Käferholz auf der ganzen Fläche sei teurer als der normale Hieb. Es müsse je nach Befallsstadium mit Qualitätsminderungen gerechnet werden. "Schließlich dürften sich mittelfristig auch die Preise für frisches Holz europaweit nach unten entwickeln."

Davon geht auch Jerg Hilt aus, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg, die die Interessen der Privat- und Kommunalwaldbesitzer vertritt: "Die abgestorbenen Bäume werden in vielen Betrieben im Winter aufgearbeitet und erscheinen dann auf dem Markt." Verträge würden regulär bedient. "Bei freien Holzmengen stehen die Preise aber erheblich unter Druck." Hilt zieht den Vergleich zum Trockenjahr 2003: "Es ist nicht auszuschließen, dass die Schäden wieder in so einer Größenordnung liegen."

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) hat die Schäden für die Forstwirtschaft in Deutschland in diesem Jahr auf bislang rund 5,4 Milliarden Euro geschätzt. Aufgrund von anhaltender Trockenheit und Dürre hätten die Wälder diesen Sommer "dauerhaften Schaden" genommen, sagte Philipp Freiherr zu Guttenberg, Präsident der AGDW.

Dramatische Lage in Nordrhein-Westfalen

Dramatisch ist die Lage in anderen Bundesländern wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen. Das Umweltministerium in Düsseldorf geht aktuell von rund 2,1 Millionen Festmetern Käferholz aus.

Vor wenigen Wochen war die Zahl nur halb so hoch geschätzt worden. Noch zu Jahresanfang lag der Preis für Fichtenholz bei 90 bis 95 Euro pro Festmeter, seitdem habe er sich nahezu halbiert. 60 bis 100 Jahre alte Fichten werden derzeit oft für den Brennholzpreis verkauft - Tendenz fallend.

So schnell abbauen lassen wird sich der "Holzberg" nicht. Es muss so viel befallenes Holz wie möglich aus dem Wald geholt werden, andernfalls drohe 2019 die nächste Verbreitung des Borkenkäfers, warnen alle Experten unisono.

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