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Für Deutschland beschämend
15.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Werner Kolhoff

Berlin - Kinder sind eine schrumpfende Minderheit in Deutschland, deren Situation trotz der guten wirtschaftlichen Entwicklung nicht besser wird. Sozialer Status und Bildungsgrad der Eltern entscheiden weiter über ihren Lebensweg. Das sind die Kernaussagen einer aktuellen Auswertung des Statistischen Bundesamtes aus dem "Datenreport 2018". Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie viele Kinder gibt es überhaupt in Deutschland?

13,4 Millionen Menschen waren 2017 unter 18 Jahre alt, das sind 16 Prozent der Bevölkerung. Vor zehn Jahren gab es noch 14 Millionen Kinder und Jugendliche, vor 20 Jahren sogar 15,7 Millionen. Damals betrug ihr Anteil noch 19 Prozent. Die Familiensituation ist auch komplizierter geworden: Nur noch 74 Prozent wachsen bei Ehepaaren auf, vor 20 Jahren waren es noch 83 Prozent. Der Anteil der Alleinerziehenden ist von zwölf auf 17 Prozent gestiegen. 36 Prozent der Kinder haben einen Migrationshintergrund, vor zehn Jahren waren es noch 28 Prozent.

Wachsen alle Kinder unter guten Bedingungen auf?

Nein. Die hängen vom sozialen Status ihrer Eltern ab. Das fängt mit der Gesundheit an. So rauchen fast 30 Prozent der Mütter aus ärmeren Schichten während der Schwangerschaft. Aus den oberen Schichten sind es nur zwei Prozent der Mütter. 30 Prozent der Babys aus armen Familien werden nie gestillt, bei besser gestellten Familien sind es acht Prozent. Später treiben die Kinder der Armen weniger Sport, ernähren sich ungesünder, rauchen selbst häufiger und sind oft übergewichtig. 15,4 Prozent aller Kinder unter 18 Jahren sind armutsgefährdet, leben also in Familien, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens haben. Dass sich diese Werte trotz der guten wirtschaftlichen Entwicklung nicht verbessert haben, nannte Thomas Krüger, Präsident des Kinderhilfswerks, gestern bei der Vorstellung der Zahlen "beschämend".

Haben die Kinder gleiche Bildungschancen?

Formal ja, und hier gibt es sogar Fortschritte. 34 Prozent aller Kinder unter drei Jahren besuchen mittlerweile eine Krippe oder Tagespflege; vor zehn Jahren waren es 18 Prozent. Doch am Ende der Schullaufbahn entscheidet nach wie vor die soziale Herkunft über den Erfolg: Bei 65 Prozent der Gymnasiasten hatten auch die Eltern Abitur. Nur wenige Eltern wiesen hier lediglich einen Hauptschulabschluss (sieben Prozent) oder gar keinen Abschluss auf. Umgekehrt bei den Hauptschülern. Nur 16 Prozent der Eltern hatten hier eine höhere Bildung abgeschlossen; aber 14 Prozent der Eltern gar keinen Abschluss und 42 Prozent nur Hauptschulabschluss. Krüger sagte, das geplante "Gute-Kita-Gesetz" sei ein Fortschritt, weil es aus den Betreuungseinrichtungen mehr und mehr Bildungseinrichtungen mache. An den Schulen sei jedoch eine viel stärkere individuelle Förderung jedes Kindes notwendig, was viel Geld koste.

Der "Datenreport 2018" kann im Internet gratis heruntergeladen werden:

www.destatis.de/datenreport

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