http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Junge Kunstideen in
16.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Christiane Lenhardt

Ein kleiner "Balloon Dog" von Jeff Koons, Micky Maus hüfthoch in Schwarz glänzend und ein meterhoher Glitzerbaum mit Soldatenköpfen am Wurzelstamm stehen in der Messehalle von Straßburg-Wacken Pate für die schrillere Kunstwelt. Die neue Kunst auf der "ST-Art" feiert nicht nur die Pop Art, sondern ist auch sonst im Farbenrausch: verpixelt, in Streifen, voller wimmelnder Geschichtchen und im Street-Art-Style. Trotzdem sind die jungen Künstler, vornehmlich aus Frankreich, aber auch angehende Maler der Leipziger Kunstakademie, die im Mittelpunkt der 23. Messeausgabe stehen, viel mehr als gefällig.

"Wir wollen auf der ,ST-Art' Künstler zeigen, die etwas Besonderes bieten", sagt die künstlerische Direktorin Patricia Houg. Die Kunstmesse soll ihnen als Sprungbrett dienen.

Inmitten dieser aufstrebenden kreativen Möglichkeiten hat ein Jahrhundertkünstler seinen zentralen Platz eingenommen: Ehrengast 2018 ist das Picasso-Museum Barcelona, dem die Straßburger eine abgetrennte Behausung widmen. Das Meisterwerk "Donna Maria Augustina" aus der Serie "Las Meninas" von 1957, mit der Picasso das berühmte Werk seines Landsmannes Velasquez variierte, hängt im Entrée dieses Sonderausstellungs-Séparée. Das Picasso-Museum in Barcelona besitze 58 Werke aus diesem Zyklus, erklärt Museumsdirektor Emmanuel Guignon. Zeichnungen, Malerei und Keramik aus frühen und späteren Schaffensphasen, als Picasso für einige Zeit wieder nach Barcelona zurückgekehrt war, sind in Straßburg ausgestellt: die um 1900 entstandenen "Barcelona"-Blätter mit Straßen- und Cafészenen und sein "Frühstück im Grünen" nach Manet (1962). Ein Dialog der Stile und ein Highlight der "ST-Art", die nicht nur in ihrer feinen Picasso-Schau eine sehenswerte One-Man-Show bietet.

Gestern Abend ist die internationale Messe für zeitgenössische Kunst in der Europastadt Straßburg mit 73 Galerien an den Start gegangen. Große Namen finden sich eher verstreut in den offenen Kojen - eine kleine Nana von Niki de Saint Phalle, Werke von Max Ernst, Miró, Hermann Nitsch, Mimmo Rotella und Mel Ramos, auch Edgar Degas' kleine Tänzerin mit Tüllröckchen ist da. Fünf Galerien aus Deutschland nehmen teil, darunter die Freiburger Artkelch mit ihrem Schwerpunkt auf erdverbundener Kunst der Aborigines aus Australien.

Wie gerade die jüngeren europäischen Künstler mit tradierten Techniken und Stilen ungeniert umgehen, lässt sich auf dem Parcours gut verfolgen. Der Fotokünstler Michel Kirch aus Metz etwa komponiert Monumentales als dunkle metaphysische Landschaften mit einsamen Figuren. Die Künstlerin Anais Eychenne erschafft Wimmelbilder in feiner Stricheltechnik auf Stoff und verwendet dazu eine alte indische Kunstart mit Eisenacetat.

Der französische Kunstkritiker Henri-François Debailleux hat unter der Rubrik "Carte blanche" auf der "ST-Art" seine eigenen Schwerpunkte gesetzt - vier Galeristen aus Paris sowie Bordeaux ausgewählt, denen er besondere Entdeckungen zutraut, etwa der Galerie Bertrand Grimont oder der Galerie RX, weil sie eine junge Szene aufbauen, die arrivierte Medien wie die Malerei, Fotografie, Skulpturen und Installationen in ganz unterschiedlichen Variationen neu interpretieren. "Sie haben sich alle im Alter zwischen 35 und 45 Jahren auf den Kunstmarkt etabliert und könnten die Großen von morgen sein", prognostiziert Debailleux. Zu ihnen gehören etwa die abstrakten Kompositionen des Malers Franck Eon aus versetzten Kreiselementen oder der Fotokünstler Lukas Hoffmann mit seinen Schwarz-Weiß-Aufnahmen ungewöhnlicher Schatten-Strukturen aus der Natur.

Zwischen Trash und feinster Zeichenkunst stecken die großformatigen Bilder von Joris Tissot ("Die Schultern meiner Mutter") - der die Madonna neu interpretiert. Die neue Kunst will Emotionen wecken, wie Thomas Henriot in seinen düsteren Veduten, oder Edouard Buzon mit seinen symbolischen, grafischen Bilduniversen, denen er akribisch angerührte Lackflächen hinzufügt.

Entdeckungen von Künstlern und Galerien haben sich die Straßburger auf die Fahnen geschrieben. Das gilt nicht nur für die eigenen Kunstgewächse. Den Blick von außen über die Rheingrenze bringen, hat sich der Straßburger Galerist Patrick Adler (Galerie Aedaen) vorgenommen und zeigt fünf Absolventen der berühmt gewordenen "Leipziger Schule". Darunter ist auch die 31-jährige Landschaftsmalerin Theresa Möller, die das Großformat in ihren Dschungelbildern so ausgezeichnet beherrscht, dass sie allein die Fahrt zur "ST-Art" wert ist. Theresa Möller ist neben einem guten Dutzend französischer Kollegen auch für den Kunstpreis der Stadt Straßburg nominiert.

Der Kunsttreffpunkt in Straßburg-Wacken, Parc des Expositions, läuft bis Sonntag, täglich von 11 bis 20 Uhr.

BeiträgeBeitrag schreiben 
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Gut zwei Drittel der Deutschen schlemmen einer Umfrage zufolge an Weihnachten ohne schlechtes Gewissen. Sie auch?

Ja.
Nein.
Ich halte mich generell zurück.
Ich esse immer worauf ich Lust habe.

http://www.karlsruhe.ihk.de/handelsregister
Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1