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"Bei allen Nationalitäten gibt es blöde Leute"
'Bei allen Nationalitäten gibt es blöde Leute'
17.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Carl Dohmann

Freiburg - Mehr als einen Monat ist es her, dass eine 18-Jährige von mutmaßlich mehreren Männern nahe eines Freiburger Clubs vergewaltigt wurde. Es vergeht kaum ein Tag, an dem Politik und Polizei nicht versprechen, alles für die Sicherheit zu tun. Die Bürger scheinen vergleichsweise gelassen zu sein.

Fragt man Frauen in der Freiburger Innenstadt, ob die Gruppenvergewaltigung am 14. Oktober ihr Verhalten verändert habe, fallen die Antworten recht gemischt aus. Niemand gibt aber an, sich in ihrem Sicherheitsgefühl wirklich beeinträchtigt zu fühlen. "Ich habe mich in Freiburg immer sicher gefühlt und das ist jetzt auch so", sagt Marie, die eigentlich anders heißt, aber ihren richtigen Namen nicht verraten will. Gedanken mache sie sich schon, wenn sie abends weggeht. "Gerade wenn man auf dem Heimweg im Dunkeln alleine ist." Aber man denke im Alltag nicht so daran.

Ebenfalls sicher fühlt sich Peggy Schmidt, eine 40 Jahre alte Texterin. "Ich bin eh nicht so diejenige, die nachts alleine durch die Straßen zieht", sagt sie. Wenn sie am Wochenende mal länger unterwegs ist, halte sie sich in der Regel in Gruppen auf. Wenn sie doch mal alleine ist, ginge sie bewusst an beleuchteten Wegen entlang und habe ihr Handy immer dabei.

Acht Verdächtige sitzen nach der Tat in Untersuchungshaft, sieben Syrer und ein Deutscher. Auch deshalb wurde der Fall bundesweit von politisch Rechten stark thematisiert. Schon vor zwei Jahren war es so gewesen, als eine 19-jährige Studentin von einem afghanischen Flüchtling vergewaltigt und ermordet worden war. Ende Oktober beteiligten sich mehrere hundert Menschen an einer Demonstration der AfD in der Freiburger Innenstadt, um ein Vielfaches größer war die Gegendemo.

Ohnehin wollen viele Freiburger die Vorfälle nicht als Grund für ein grundsätzliches Misstrauen gegen Flüchtlinge verstanden wissen. Angesprochen auf die Gruppenvergewaltigung sagt ein Mann im Vorbeigehen nur: "Heute stand in der Zeitung, dass die Zahl der Fälle durchschnittlich ist." Er spielt auf einen Bericht der Badischen Zeitung (Donnerstag) an. Demnach sei die Zahl der angezeigten Sexualstraftaten seit Jahrzehnten schwankend, einen nennenswerten Anstieg habe es in den letzten Jahren aber nicht gegeben. Die leicht erhöhte Zahl 2017 liege nur daran, dass seit 2016 auch sexuelle Belästigungen als Sexualstraftaten gewertet werden. Auch liege die Zahl der Fälle pro Einwohner in Stuttgart deutlich höher. Die Zeitung beruft sich auf Zahlen des Polizeipräsidiums Freiburg. Demnach sei gleichzeitig der Anteil ausländischer Tatverdächtiger zwischen 2003 und 2017 von 30 auf 42,2 Prozent gestiegen. Für das laufende Jahr sei allerdings ein Anstieg sowohl der angezeigten Sexualstraftaten als auch des Ausländeranteils zu erwarten.

Die Ablehnung eines grundsätzlichen Verdachts gegenüber Ausländern teilt auch Marie. "Ich sehe es so, dass es bei allen Nationalitäten blöde Leute gibt", sagt sie. Diejenigen, die in Deutschland arbeiten und anständig sind, kämen durch die Taten Einzelner in Verruf. Peggy Schmidt sagt: "Man denkt sich, hoffentlich war es kein Ausländer, wenn man von solchen Taten hört." Ein Zusammenhang werde immer schnell hochgekocht.

"Etwas problematisch" sei jedoch, dass die Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen sind, eine andere kulturelle Prägung haben, sagt die 19-jährige Mia. "Da ist das Frauenbild ein ganz anderes." Das Problem könne aber nur gelöst werden, wenn beide Seiten daran mitarbeiten. "Mehr Integration und mehr gegenseitiges Verständnis" nennt sie als notwendige Grundlage dafür. Sie selbst fühle sich in ihrem Sicherheitsgefühl aber nicht eingeschränkt. Wenn sie feiern gehe, dann auch eher im Stadtzentrum, "da ist es sicherer". Die Vergewaltigung geschah in einem Gebüsch am Hans-Bunte-Areal, einem Club im Freiburger Norden. Auch die 18-jährige Freya, die mit Mia unterwegs ist, fühle sich sicher. "Ich fahre nach der Arbeit immer mit dem Fahrrad nach Hause", sagt sie. Neben der Schule arbeitet sie als Servicekraft, Mia ist bereits als Servicekraft berufstätig. Beide sagen, dass ihre Eltern die Situation angespannter sehen. "Vielleicht sehen wir Jugendliche das etwas zu locker", sagt Mia.

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