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Beschwörungen der Romantik
26.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Nike Luber

Über kurz oder lang kommen fast alle Barockorchester in den späteren Epochen an. So auch die legendären Musiciens du Louvre. Marc Minkowski, ihr Gründer und Leiter, hat sich schon längst einen Namen auch als Operndirigent gemacht. Und die Musiciens du Louvre haben sich bei ihrem ersten Gastspiel im Festspielhaus Baden-Baden mit einem Mendelssohn-Programm vorgestellt.

Obwohl Minkowski noch unter den Nachwirkungen eines schweren Fahrradunfalls leidet, ließ er es sich nicht nehmen, bei den beginnenden Herbstfestspielen die "Schottische" und die "Italienische" Sinfonie selbst zu dirigieren und in seiner deutsch-englischen Moderation das Publikum durch französischen Charme für sich einzunehmen.

Musikalisch lagen Mendelssohns Sinfonien in den besten Händen. Der Zugriff von Minkowski und den Musiciens du Louvre wirkte ausgesprochen erfrischend und direkt. Dank der überschaubaren Größe des Orchesters und dem schlanken, beweglichen Spiel, das man in der historisch informierten Aufführungspraxis pflegt, erklang Mendelssohns Musik in einer raffinierten, weit gefächerten Palette zwischen temperamentvollen Steigerungen und absolut präzise und klar musizierten Pianissimo-Passagen.

In dem mustergültig transparenten Klangbild kamen die warmen Farben der Holzbläser hervorragend zur Geltung. Denn die Musiciens du Louvre verwenden das Instrumentarium aus der jeweiligen musikalischen Epoche, und da sind für romantische Stücke von Felix Mendelssohn Bartholdy noch Oboen und Klarinetten aus Holz im Einsatz, auch eine Traversflöte, deren Klang deutlich weicher ausfällt als der ihres modernen Pendants. Ideal, um die verhangene, elegische Atmosphäre der "Schottischen Sinfonie" heraufzubeschwören.

Mendelssohn, der Vielgereiste, hat seine Eindrücke von Schottland und vom tragischen Schicksal der schottischen Königin Mary Stuart, in Musik gefasst. Und die Musiciens du Louvre loteten das mit hörbarer Freude an Klangmalerei in allen Facetten aus. Rhythmischen Drive verliehen sie dem zweiten Satz, der an Tanz und Jagdvergnügen denken lässt.

Im Finalsatz standen die Holzbläser in einem lebhaften Dialog mit den temporeich spielenden Streichern, als würde sich die schottische Königin in englischer Gefangenschaft energisch verteidigen. Ein klangschön musizierter Klagegesang erinnert an ihre Hinrichtung, und das fließend gespielte Finale evoziert die schottische Landschaft.

Hebriden-Ouvertüre



übernimmt Assistent

Für die "Italienische Sinfonie", in der Mendelssohn seiner Begeisterung angesichts der italienischen Kunstschätze und Lebensfreude freien Lauf ließ, fanden Minkowski und das Orchester ebenfalls aus dem Stand den genau richtigen Tonfall. Lebendig und zugleich mit detailliertem Feinschliff erklang der Kopfsatz. Gesanglich gab das Orchester den zweiten Satz, den Marc Minkowski als Chorgesang ohne Chor bezeichnete.

Hinreißend klangschön musizierten die Hörner und Fagotte das Trio im dritten Satz, das durch die stilechten Instrumente nicht laut und strahlend, sondern gedämpft und ein bisschen mystisch wirkte. Das eigentlich Italienische in der "Italienischen Sinfonie" kommt im Finalsatz. In rasantem Tempo und sprühender Rhythmik fegten die Musiciens du Louvre durch den Saltarello, und Minkowski konnte sich einen verschmitzten Blick über die Schulter ins Publikum nicht verkneifen.

Die vom Konzertbeginn zum Konzertende verlegte Hebriden-Ouvertüre dirigierte Minkowskis Assistent Laurent Couson, während der Meister sein verletztes Bein schonte. Couson versteht sein Handwerk, die Interpretation begeisterte durch punktgenau gesetzte Akzente und einen reizvollen Hauch Dramatik in den Aufschwüngen. Der mitreißende Mendelssohn-Abend lässt auf weitere Auftritte der Musiciens du Louvre in Baden-Baden hoffen.

Die Herbstfestspiele enden am kommenden Sonntag.

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