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"Die Qualität des Fernsehfilms wird hier verhandelt"
03.12.2018 - 00:00 Uhr
Von Christiane Lenhardt

Die Preisverleihung des 30. Fernsehfilm-Festivals Baden-Baden ist allenthalben eine Gala der Resümees gewesen. Im Bilanzieren und Rückblicken lässt sich feststellen, dass in Baden-Baden in seiner Überschaubarkeit und gleichzeitig als großer Medienstandort mit dem Südwestrundfunk, einer reichen Filmlandschaft, deren Produktionen regelmäßig im Wettbewerb des Fernsehfilm-Festivals stehen, und mit dem Badischen Tagblatt und seiner fast 220-jährigen Tradition, einer Tageszeitung mit Vollredaktion und Sitz in dieser (Kultur-)Stadt, naheliegende Bedingungen für die Etablierung des Festivals vor Ort vorhanden waren und in Zukunft wohl auch sein werden.

Von Anbeginn begleitet das Badische Tagblatt das Fernsehfilm-Festival medial. Denn schon früh war zu erkennen, aus Sicht der Kulturschaffenden, dass dieser damals noch sehr im Verborgenen stattfindende Geheimtipp der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste aus dem Raum Frankfurt hier in der Medienstadt Baden-Baden eine wichtige Facette des reichhaltigen Kulturbetriebs werden würde. Einer Medienstadt, die außerdem - "schon seit jeher mit Theater, Philharmonie und Staatlicher Kunsthalle beste Voraussetzungen für die Kultur zu bieten hat", wie die Baden-Badener Oberbürgermeisterin Margret Mergen bei der Gala am Freitagabend vor Film- und Fernsehschaffenden im Bénazetsaal des Kurhauses ihrerseits erwähnte. Die umfangreiche Begleitung des Festivals für den deutschsprachigen Fernsehfilm im BT ist insofern eine Entscheidung von großer Tragweite gewesen, weil die ersten zehn Jahre des noch unter dem Titel "Baden-Badener Tage des Fernsehspiels" laufenden Festivals fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Kurhaus stattfanden: "Wenn ich mich recht erinnere, beschränkte sich das Publikum anfangs auf zwei ältere Damen, die sich täglich ihre Kur mit den Wettbewerbsfilmen und selbstredend mit den Debatten darüber verschönerten", sagte Uwe Kammann, der Direktor des honorigen Adolf-Grimme-Instituts, in seiner "Ehrenerinnerung" an den Festivalmitgründer und allerersten Jurypräsidenten Hans Abich - dessen 100. Geburtstag gewürdigt wurde. Laudator Kammann erinnerte an die Vorgabe des ARD-Programmdirektors Abich fürs Festival: "die jeweils aktuelle Qualität des Fernsehspiels hier in Baden-Baden zu vermessen und zu verhandeln." 2003 starb der scharfsinnige Fernsehpionier in Freiburg, sein Credo hat er als Richtschnur hinterlassen: "Der Respekt vor dem Zuschauer gebietet es, ab und zu die Messlatte hochzulegen."

Mit dem MFG-Star, dem Nachwuchspreis für Regisseure der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, richtet das Publikumsfestival seinen Fokus deshalb auch auf die jungen Kreativen. Für den diesjährigen Juroren, den bayerischen Regisseur Hans Steinbichler, ist der MFG-Star der wichtigste Preis überhaupt. Im Rahmen eines damit assoziierten Schulprojekts sehen sich Schüler der Baden-Badener Gymnasien Hohenbaden sowie Richard-Wagner-Gymnasium die Nachwuchsfilme des MFG-Stars an, diskutieren und kommentieren sie auf dem Festival. Auch hier ist das Badische Tagblatt mit seiner Kulturredaktion medialer Partner, wenn den Schülern zuvor bei einem BT-Impulsseminar in der Redaktion das Handwerkszeug eines Rezensenten nähergebracht wird. Die Besprechungen der jungen Filmkritiker über die Nachwuchsfilmer sind dann auf einer Sonderseite im Badischen Tagblatt nachzulesen.

Natürlich ist bei den Resümees auch die Initiative des ehemaligen SWF-Hörspielchefs und Akademiemitglieds Hermann Naber bei der Gründung des Fernsehfilm-Festivals in Baden-Baden gewürdigt worden - und die seiner Frau Lore, die die Bedeutung eines solchen Festivals für die Stadt als ehemalige Stadträtin vor dem Baden-Badener Gemeinderat Ende der 1980er Jahre überzeugend darlegte. Auch hier haben Stadt und die damalige Bäder- und Kurverwaltung als Finanziers auf das richtige Pferd gesetzt wie sie es Jahre später für die Entwicklung hin zur Kulturstadt mit der Entscheidung pro Festspielhaus und Museum Frieder Burda mit noch höherem Einsatz wieder riskierten.

Sechs Millionen sehen



Ausstrahlung auf 3sat

Bis das junge Fernsehfilm- Festival allerdings richtig Fahrt aufnahm, dauerte es fast bis zur Jahrtausendwende: Viele Interviews im Vorfeld und während der Wettbewerbswoche mit der anwesenden TV-Prominenz und Schauspielgrößen (Senta Berger, Susanne Lothar, Günter Lamprecht, Sebastian Koch, Matthias Brandt) bis zur Preisverleihung trugen zum Glimmfaktor des Festivals bei. Bis zu 500 Fernsehschaffende kommen inzwischen alljährlich.

1996 stieg 3sat mit seinem Zuschauerpreis ein und so kam noch mehr Zugkraft hinzu und erreicht aktuell mit der Ausstrahlung der Wettbewerbsfilme laut Programmplanungschef Johannes Dicke sechs Millionen Zuschauer. Was viel ist. Die Einbeziehung der privaten Sender, Sat.1, RTL und ProSieben war ein weiterer wichtiger Schritt nach vorne. Im Jahr 2000 erhielt das Festival den weniger sperrigen Namen "Fernsehfilm-Festival Baden-Baden".

Nicht zuletzt die Investition in den Umbau des Bénazetsaals haben sich ebenso als goldrichtig erwiesen und bieten nun der Gala des Fernsehfilm-Festivals wie auch dem New-Pop-Festival oder der "Sportlerwahl des Jahres" einen professionellen Rahmen, den große Veranstalter mit ihren Möglichkeiten weidlich ausschöpfen. Das Veranstaltungskonzept verleiht dem Fernsehfilm-Festival bis heute sein Alleinstellungsmerkmal. "Es ist ein zentrales Format der Akademie der Darstellenden Künste", hob deren Präsident Hans-Jürgen Drescher bei der Gala hervor. Sein Wesenskern bilde nach wie vor seine besondere Diskurskultur, die ihren Niederschlag vor allem in der Jurydiskussion findet. Dadurch habe das Festival des Fernsehfilms die Tradition des Qualitätsfernsehens vorangebracht. Daran seien auch die Leiter beteiligt gewesen - von Gertraud Linz, Stephan Abarbanell, Karl-Otto Saur, Klaudia Wick bis zu Cathrin Ehrlich heute.

Und in diesem Jahr sind nach 2017, als sich die Studierendenjury weigerte, mangels Klasse bei den Wettbewerbsfilmen, einen eigenen Preis zu vergeben, wieder Auszeichnungen in allen Kategorien verliehen worden. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Studierenden der Filmakademie Ludwigsburg, der Fernsehen- und Filmhochschule München sowie der Filmuniversität Babelsberg keinen besten Film, sondern mit der ORF-Komödie "Die Notlüge" das Drehbuch von Autorin Pia Hierzegger ausgezeichnet haben.

Die Hauptjury hat den Fernsehfilmpreis an die Literaturverfilmung "Fremder Feind" (WDR) vergeben. Im Psychogramm eines Vaters, dessen Sohn als Soldat in Afghanistan gefallen ist, von Regisseur Rick Ostermann spielt Ulrich Matthes die Hauptrolle. Das Gremium um Jurypräsidentin Bettina Reitz, Produzent Michael Verhoeven sowie Regisseurin Julia von Heinz vergab auch noch Sonderpreise, darunter einen Darstellerpreis für die jungen Schauspieler Elisa Schlott und Hassan Akkouch ("Fremde Tochter" der Baden-Badener Produktionsfirma kurhaus productions). Damit wurde auch belohnt, dass "nicht immer nur die Gleichen spielen", wie Juror Steinbichler monierte. Mit einer lobenden Erwähnung ist zudem der Eröffnungsfilm "Unterwerfung" nach dem gleichnamigen Houllebecq-Roman bedacht worden, weil Titus Selges Film mit seinem Onkel Edgar Selge in der Hauptrolle eine "raffinierte Neuerfindung des Fernsehens aus dem Geiste der Literatur" sei.

Zuletzt sei hinzugefügt, weil die Frage aufkam, ist das in dem Film Schwäbisch oder Badisch - gibt es überhaupt Badisch? Der MFG-Star klingt Badisch: "Verlorene" (SWR) von Felix Hassenfratz.

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