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Steil- und Terrassenlagen schützen
14.12.2018 - 00:00 Uhr
Von Anja Groß

Stuttgart/Baden-Baden - Von den rund 28 000 Hektar Rebflächen des Landes, davon 16 500 Hektar im Anbaugebiet Baden, sind rund 7 000 Hektar Steillagen mit über 30 Prozent Hangneigung, davon circa 1 000 Hektar terrassierte Mauerweinberge. Deren Bewirtschaftung ist zeit- und kostenintensiv, da sie oft in Handarbeit erfolgen muss - auch im Baden-Badener Rebland, in der Ortenau oder im Kraichgau. Das Land hat bei einem Gespräch in Brüssel nun europaweite Fördermöglichkeiten gefordert.

Immer wieder geben Winzer die Weinbausteillagen auf - zum Leidwesen der Landesregierung und auch von Weinbau-, Naturschutz- und Tourismusverbänden vor Ort. Denn die terrassierten Mauerweinberge mit ihren offenen, mediterran anmutenden Sonnenhängen, bieten auch einer Vielzahl von Pflanzen und Tierarten eine Heimat. "Die Trockenmauern stehen als ausgewiesene Biotope unter gesetzlichem Schutz und müssen erhalten werden", betont das Stuttgarter Landwirtschaftsministerium.

Welchen kulturhistorischen, aber auch ökologischen Wert die rund vier Kilometer langen Trockenmauern auf rund zwei Hektar im Rebland für Baden-Baden besitzen, hatte Bürgermeister Roland Kaiser erst im Oktober bei einem Weinbaukongress im Rebland verdeutlicht. Für die dortigen rund 6 000 Quadratmeter Mauerfläche konstatierte er bei einem Drittel einen sanierungsbedürftigen Zustand - mit einem Aufwand von circa zwei Millionen Euro. Bei wiederum einem Drittel davon bestehe dringender Handlungsbedarf.

Um die ökologisch, touristisch und weinbautechnisch bedeutenden Lagen zu erhalten, hat Baden-Württemberg dieses Jahr extra eine neue Fördermaßnahme für Weinbausteillagen geschaffen. Doch das reicht aus Sicht von Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU), Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, nicht aus. "Um den Fortbestand der Steillagen europaweit zu sichern, braucht es auch neue Förderoptionen auf europäischer Ebene", erklärt sie. Das Thema habe sie deshalb kürzlich in Brüssel auch mit Vertretern der EU-Kommission diskutiert, heißt es in einer Mitteilung.

Unterstützt wurde sie dabei von Aly Leonardy, Vizepräsident der Versammlung der weinbautreibenden Regionen Europas (AREV). Zahlreiche Regionen quer durch Europa wiesen solche erhaltungswürdigen Lagen auf, betonte er. Doch die aktuellen finanziellen Fördermaßnahmen reichten für die Erhaltung des Weinbaus in Steil- und Terrassenlagen in vielen europäischen Regionen nicht aus; viele dieser Rebflächen würden aufgegeben. Es sei deshalb erforderlich, die Weinbausteillagen im Rahmen der EU-Stützungsprogramme stärker zu berücksichtigen.

Weiterer Gegenstand des Brüsseler Gesprächs war die Vereinfachung und Beschleunigung des Verfahrens zur Änderung von Produktsp ezifikationen beim Weinbezeichnungssystem der EU. "Das zweistufige Verfahren, bestehend aus einem nationalen Vorverfahren und dem Entscheidungsverfahren auf europäischer Ebene, um Änderungen von sogenannten Lastenheften für geschützte Ursprungsbezeichnungen und geografischen Angaben vorzunehmen, ist zu langwierig", findet Gurr-Hirsch.

Auch der Präsident des Deutschen Weinbauverbands, Klaus Schneider, habe in dem Gespräch die Notwendigkeit schnellerer Verfahren betont, da auf klimawandelbedingte Wetterextreme und neue Schädlinge kurzfristig reagiert werden müsse. Die Schutzgemeinschaften der Winzer könnten zwar nun Entscheidungen treffen und Anträge an die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung stellen. Die zweite, derzeit mehrjährige Überprüfung auf EU-Ebene verhindere aber eine schnelle Anpassung der Lastenhefte.

Branka Tome, stellvertretende Referatsleiterin für "Geografische Angaben" in der EU-Kommission, habe ankündigt, dass bald ein vereinfachtes Verfahren in Kraft treten soll. Anträge, die der Kommission bereits vorliegen, würden dann an die nationalen Behörden zurückgegeben. Gurr-Hirsch appellierte, das neue Verfahren schnell in Kraft zu setzen, um die nationalen Regeln für ein Standardverfahren frühzeitig definieren zu können.

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