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"Ich dachte, die Todesstrafe sei abgeschafft"
22.12.2018 - 00:00 Uhr
Von Franziska Kiedaisch

Baden-Baden - "In sechs Jahren und zehn Monaten bin ich tot. Ich dachte, die Todesstrafe sei in Deutschland abgeschafft", entfuhr es dem aufgebrachten 64-Jährigen, der durch einen Schlaganfall körperlich beeinträchtigt ist. Gemeinsam mit einem 53-Jährigen steht er wegen des Handels und der Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen in Tateinheit mit dem Erwerb und Besitz von Drogen in insgesamt zwölf Fällen vor dem Landgericht. Unter anderem hatten sie gemeinsam rund ein Kilogramm Kokain aus den Niederlanden nach Deutschland eingeführt.

Als Wolfgang Fischer, Vorsitzender Richter des Landgerichts Baden-Baden, nach den gestrigen Plädoyers das Wort noch einmal an die beiden geständigen Männer auf der Anklagebank richtete, war die persönliche Betroffenheit über das von Oberstaatsanwalt Michael Klose geforderte Strafmaß deutlich zu spüren. Nicht ganz so lange wie der 64-Jährige soll seiner Meinung nach der 53-Jährige ins Gefängnis: fünf Jahre und acht Monate - mit der Option, einen Teil der Strafe in einer Entzugsklinik abzubüßen.

Doch auch dem gelernten Elektriker war die Enttäuschung deutlich anzumerken. Vor allem darüber, dass der Staatsanwalt einen sogenannten "Direktvollzug" forderte - eine 21-monatige Haftstraße in der Justizvollzugsanstalt vor der Unterbringung in einer Therapie-Einrichtung. "Ich verstehe nicht, wofür wir sieben Mal antanzen mussten", war dem Angeklagten der Frust über das Warten anzumerken. Zehn Monate sitzen die Beiden bereits im Gefängnis.

"Haftempfindlicher"



Mandant

Verteidiger Kristian Frank und Anke Stiefel-Bechdolf gingen in ihren Plädoyers zwar auf strafmildernde Umstände wie beispielsweise die Drogensucht beider Männer, ihre finanzielle Notlage oder die körperliche Beeinträchtigung des 64-Jährigen ein, waren aber weitestgehend mit der Argumentation des Staatsanwalts einverstanden und forderten dementsprechend in erster Linie ein geringeres Strafmaß, das Stiefel-Bechdolf im Fall des 53-Jährigen in das Ermessen der Strafkammer legte. Frank hingegen forderte weniger als vier Jahre Haft für den 64-Jährigen, der auf eine bewegte Vergangenheit - unter anderem im Rotlichtmilieu - zurückblicken kann.

Sein Mandant sei "haftempfindlich", weil er auf Hilfe im Alltag angewiesen sei, sagte Frank. Deshalb plädierte er dafür, dass sein Mandant eine Sozialtherapie vor der Haftstrafe in einer Justizvollzugsanstalt besuchen dürfe, um so der Kokainsucht entgegenzuwirken. Ein psychologisches Gutachten kam hingegen zu dem Schluss, dass der Angeklagte zu alt sei für eine Entzugstherapie.

Deutsche im Elsass schmuggeln Drogen

Dem Prozess voraus ging eine umfassende Ermittlungsarbeit: Nach mehrmonatiger polizeilicher Überwachung wurden die beiden Männer im April in Heilbronn festgenommen, als sie gerade rund ein Kilogramm Kokain mit dem Auto des 53-Jährigen von Amsterdam nach Deutschland gebracht hatten.

Zuvor stießen die Polizisten auf eine Gruppe vorwiegend Deutscher mit Wohnsitz im Elsass, die Drogen in Deutschland und Frankreich verkauften. Auch der 64-jährige Angeklagte lebte im Elsass und wurde unter anderem mit Drogengeschäften in Rastatt in Verbindung gebracht, bei denen er Kokain über die Wintersdorfer Rheinbrücke geschafft haben soll.

Aufgrund seiner Einschränkung habe er für seine Drogengeschäfte einen Fahrer benötigt - sagte ein in französischer Haft untergebrachter und aus Rastatt stammender Mann, dessen auf Video aufgezeichnete Vernehmung gestern abgespielt wurde. Er gab an, pro Fahrt rund 250 Euro von dem 64-Jährigen erhalten zu haben, aber keine Drogen verkauft zu haben. Er habe ausschließlich auf Geheiß des Angeklagten gehandelt, der viele Kontakte gehabt hätte. Außerdem behauptete er, nur in geringem Umfang Kokain geschmuggelt zu haben: "In 99,9 Prozent habe ich Gras transportiert", gab er bei den französischen Ermittlern zu Protokoll. Etwa acht bis zehn "Kunden" habe er gehabt. Staatsanwalt Klose berücksichtigte dies in seinem Plädoyer: Es sei davon auszugehen, dass der Fahrer "auf eigene Rechnung" Abnehmer für die Drogen organisiert habe, auch in Rastatt.

Das Urteil wird am 2. Januar verkündet.

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