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"Unsere Stadionallianzen sind richtig"
'Unsere Stadionallianzen sind richtig'
05.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart - Nach ersten Erfolgen der im Sommer 2017 in Baden-Württemberg geschmiedeten und bundesweit einmaligen Allianzen gegen Gewalt in Fußballstadien ist die Zahl der Verletzten in der Hinrunde 2018/2019 wieder gestiegen. Die neue Statistik aus dem Innenministerium weist 55 entsprechende Fälle aus, bei weniger Einsatzstunden der Polizei. Im Vergleichszeitraum waren es 36. "Diese Bilanz ist kein Grund zur Freude", so der Innenexperte der SPD-Fraktion Sascha Binder, der abermals verlangt, dass sich die Deutsche Fußball-Liga (DFL) bei Hochrisiko-Spielen an den Polizeikosten beteiligt.

Das Thema regt Sozialdemokraten besonders auf, seit sich Innenminister Thomas Strobl (CDU) mit seinem Vorgänger Reinhold Gall (SPD) angelegt hat. Eine Legislaturperiode lang habe der "nichts Sinnstiftendes unternommen", so Strobl auf dem von ihm initiierten Fußballgipfel vor eineinhalb Jahren. Das mochte Gall nicht auf sich sitzenlassen. Schon im Mai 2012 nach den Ausschreitungen rund um den Zweitliga-Abstieg des Karlsruher SC verlangte der damalige Innenminister mehr lebenslange Stadionverbote, weil "wir es nicht mehr mit enttäuschten Fans zu tun haben, sondern eindeutig mit Straftätern". Die Vereine bleiben aber zurückhaltend.

2017 legte die inzwischen oppositionelle SPD-Landtagsfraktion einen Zehn-Punkte-Plan vor und darin als "Utima Ratio" eine sogenannte "gebührenrechtliche Ermächtigungsgrundlage". Kommerzielle Großveranstalter sollten danach finanziell in Vorlage gehen, "wenn die Sicherheitsmaßnahmen über das normale Maß an Polizeieinsätzen hinausreichen". Betroffen gewesen wären auch Hochrisiko-Spiele. Die grün-schwarze Koalition lehnte die Idee ab, wiewohl gerade solche Spiele weiterhin erhebliche Probleme bereiten. Denn ursächlich für Anstieg der Zahl der Verletzten seien lediglich zwei Begegnungen gewesen, erläutert Strobl. Bei dem Spiel SV Sandhausen gegen den 1. FC Heidenheim wurden im Streit zwischen Störern und Ordnern zwölf Menschen verletzt, beim Oberliga-Derby der Stuttgarter Kickers gegen den SSV Reutlingen waren es sieben. Binder erinnert zudem an das Spiel zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem KFC Uerdingen im Mai 2018 mit 45 Verletzten, denn auch das habe "eindrucksvoll gezeigt", wie wenig die Stadionallianzen bei problematischen Spielen greifen.

Ebenfalls unterschiedlich wird der Rückgang der Einsatzstunden bewertet. In der Hinrunde 2016/2017, als es noch keine Stadionallianzen gab, leisteten bei 161 Spielen mit 1,3 Millionen Zuschauern etwa 13 000 Beamte rund 78 000 Stunden. Vor einem Jahr waren es bei 159 Spielen in der Hinserie mit 1,36 Millionen Fans und 13 000 Beamten etwa 82 000 Stunden und in der Hinrunde 2018/2019 bei 163 Spielen und 1,35 Millionen Zuschauern knapp 70 000 Stunden. "Das bestätigt unseren Weg, den wir eingeschlagenen haben, unsere Stadionallianzen sind richtig", erklärt Strobl. Binder widerspricht, weil es "sicherlich kein Erfolg ist, wenn die Reduzierung von Einsatzstunden der Polizei mit einer Zunahme von Verletzten einhergeht".

Insgesamt - für jede einzelne der fünf Ligen - abgerechnet wird zum Saisonende. Im vergangenen Sommer konnten die Verantwortlichen darauf verweisen, dass die Polizeieinsätze bei Fußballspielen die Steuerzahler rund 1,5 Millionen Euro weniger kosteten als in der Spielzeit davor. Die meisten Einsatzstunden fielen 2017/2018 in der Bundesliga an: 32 000 beim VfB Stuttgart, gefolgt vom SC Freiburg mit 19 100 und der TSG 1899 Hoffenheim mit 15 800 Stunden.

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