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Ein bisschen Wärme in eisigen Stunden
Ein bisschen Wärme in eisigen Stunden
08.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Karlsruhe - In einer flauschigen Decke eingekuschelt und mit einer Tasse Tee in der Hand den Schneeflocken zuschauen, die außen am Fenster schmelzen - für viele ist ein gemütlicher Abend vor dem Kamin in den kalten Tagen selbstverständlich. Andere können davon nur träumen: Für Obdachlose startet mit dem Kälteeinbruch die schwerste Zeit im Jahr. Ein warmer Zufluchtsort ist deshalb überlebenswichtig. Um Wohnungslose vor dem Erfrieren zu schützen, ist der Kreisverband Karlsruhe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) seit gestern erstmals mit einem Kältebus in der Fächerstadt unterwegs.

Sobald die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken, haben es besonders diejenigen schwer, die kein Dach über dem Kopf haben. Der DRK-Kreisverband Karlsruhe hat deshalb den sogenannten Kältebus ins Leben gerufen, eine mobile soziale Einrichtung zur Versorgung von Obdachlosen auf der Straße. Ausgestattet mit warmen Decken, Schlafsäcken, Mützen, Handschuhen, Socken und heißen Teebehältern machen sich ehrenamtliche Helfer und Mitglieder des DRK an eisigen Abenden auf den Weg, um Bedürftige aufzuwärmen. Finanziert wird das Projekt allein durch Spendeneinnahmen.

In anderen Städten wie Mannheim oder Stuttgart gibt es ein solches Angebot schon seit einigen Jahren. Dass sich nun auch Karlsruhe dazu entschieden hat, eine mobile Notversorgung einzurichten, sei eine relativ spontane Idee gewesen, meint Lisa Gruber, Leiterin der DRK-Geschäftsstelle Karlsruhe: "Wir sind hier direkt in der Innenstadt angesiedelt und bekommen so täglich mit, dass Obdachlose zu uns in die Geschäftsstelle kommen und uns um Hilfe bitten. Oder wir sehen draußen Menschen, die versuchen, der Kälte zu trotzen", erzählt sie. Und das, obwohl es in der Fächerstadt eigentlich genügend Einrichtungen für Hilfsbedürftige gebe, wie Maximilian Scheer, Zuständiger für die Pressearbeit beim DRK, hinzufügt: "Das Kältesystem der Stadt funktioniert gut. Es sind genügend Unterkünfte vorhanden, aber viele schämen sich, haben Angst vor Menschenmassen oder vor Ablehnung."

Sobald die Temperaturen unter die Null-Grad-Grenze fallen, rückt Scheer täglich von 19 bis 23 Uhr mit seinen Teamkolleginnen Lisa Gruber, Aksana Novikova und Melina Franke aus und fährt die Karlsruher Straßen ab. Auch ehrenamtliche Helfer, die nicht dem DRK angehören, können mitwirken.

Welche Plätze in Zukunft verstärkt angefahren werden, soll sich in den kommenden Tagen zeigen. "Zunächst müssen wir die Obdachlosen aktiv aufsuchen und auf sie zugehen", meint Novikova. Eine gewisse Hemmschwelle von beiden Seiten ist dabei keine Seltenheit. Es gebe immer auch Menschen, die keine Hilfe annehmen wollen. Dies müsse man akzeptieren. In den meisten Fällen würden warme Kleidung oder eine Tasse Tee aber dankend angenommen werden.

Die Helfer haben auch Listen dabei, auf denen Notunterkünfte aufgeführt sind. So wollen sie die Obdachlosen über Hilfsangebote informieren. Das Team hofft, dass sich die Aktion schnell herumspricht. "Dann könnten wir zukünftig auch fixe Orte festlegen, die wir täglich zu einer bestimmten Uhrzeit anfahren", sagt Scheer. Das DRK plant auch, mit einem Bäcker zusammenzuarbeiten, der die Backwaren, die am Tag nicht verkauft werden, kostenlos zur Verfügung stellt. Außerdem sind Fütterstationen für Hunde angedacht. Voraussichtlich soll der Kältebus noch bis März durch die Fächerstadt fahren. "Sollten die Temperaturen danach doch noch einmal sinken, werden wir unseren Einsatz verlängern", betont Gruber.

Unterkünfte in Rastatt und Baden-Baden

In Baden-Baden gibt es zwar keinen Kältebus. Hier finden Obdachlose an kalten Tagen aber in städtischen Notunterkünften oder bei der Caritas Schutz. Mitgeführte Haustiere können für die Zeit der Aufnahme im Tierheim Baden-Baden unterkommen, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Auch der Landkreis Rastatt arbeitet eng mit dem Caritas-Verband zusammen. Übernachtungsmöglichkeiten finden Bedürftige etwa beim gemeinsamen Caritas-Verband in Baden-Oos, den der Landkreis Rastatt mitfinanziert.

www.drk-karlsruhe.de

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