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Noch ein Pakt: Hoffnung auf mehr Erzieherinnen
Noch ein Pakt: Hoffnung auf mehr Erzieherinnen
19.01.2019 - 00:00 Uhr
Stuttgart (bjhw ) - Mit besserer frühkindlicher Bildung, mehr Fachkräften und intensiverer Förderung aller Kinder will Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) dem von der SPD angestrebten Volksbegehren für eine kostenfreie Kita begegnen.

Eisenmann unterzeichnete gestern den 2018 mit den Städten und Gemeinden ausgehandelten Pakt für Bildung und Betreuung. Ab 2019 stellt die Landesregierung schrittweise bis zum Endausbau 2024 rund 80 Millionen Euro jährlich zur Verfügung.





Wie werden die zusätzlichen Mittel eingesetzt?

Wenn die jeweilige Kommune zur Mitfinanzierung bereit ist, werden ab 1. September 1 200 Euro pro zusätzlichem Ausbildungsplatz bezahlt. Steigt die Zahl der auszubildenden Erzieher und Erzieherinnen um mehr als die Hälfte, gibt das Land 2 400 Euro pro Platz. Außerdem bekommt jede Kita, die die Grundschul-Kooperation ausbaut, 1 000 Euro pro Jahr. Das Land will zusätzliches Geld in Sprachförderung oder Inklusion stecken. 2020 wird das Kultusministerium ein "Forum Frühkindliche Bildung" als zentrale Einrichtung des Landes für die frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung schaffen.

Wieso ist der Nachholbedarf im Land so groß?

Vor fast 30 Jahren wurden die Kindergarten-Richtlinien im Land außer Kraft gesetzt. Darin waren Gruppengrößen und der Einsatz von Fachkräften vergleichsweise streng geregelt. Im Zuge der Verwaltungsreform von 1996, die in vielen Bereichen Personal einsparen sollte, verlängerte die damals neu gewählte CDU/FDP-Landesregierung die Aussetzung. Ein zentrales Argument waren die Prognosen des Statistischen Landesamts, wonach bis 2010 die Zahl der Kinder im Kindergartenalter kontinuierlich sinken werde. Dazu kam es aber nicht. Zudem musste parallel die Betreuung von Kindern unter drei Jahren ausgebaut werden. 1998 standen für jeweils 1 000 nur 13 Betreuungsplätze zur Verfügung, pro 1 000 Kinder zwischen sechs und 14 Jahren waren es auch nur 16 - nirgends in der Republik waren es weniger. Außerdem waren die Vorgaben für den Einsatz von Fachkräften lange Zeit gelockert, zugleich Gruppengrößen zwischen 25 und 28 Kindern zulässig. Erst Grün-Rot nahm ab 2011 für sich in Anspruch, mit dem damaligen Pakt für frühkindliche Bildung "die Versäumnisse über Jahrzehnte" aufgeholt zu haben, wie Ex-Kultusminister Andreas Stoch (SPD) heute sagt.

Wie ist die Reaktion auf den nächsten Pakt?

Der Städtetagspräsident und Mannheimer OB Peter Kurz (SPD) spricht von einer "hervorragenden Grundlage" für eine weiter verbesserte Qualität. Die SPD-Landtagsfraktion verweist dagegen darauf, dass bereits "die knapp 730 Millionen aus dem Gute-Kita-Gesetz von SPD-Familienministerin Franziska Giffey in Baden-Württemberg vollständig in die Qualitätsverbesserung fließen", so Daniel Born. Wenn das Land nun 80 Millionen Euro zusätzlich in die Hand nehme, "gibt es nun wirklich keine Ausreden mehr, eine qualitativ hochwertige und zugleich gebührenfreie Kita einzuführen".

Worauf können sich Eltern einstellen?

Tatsächlich entspannen wird sich die Situation in jenen Kommunen, in denen es deutlich zu wenige Betreuungsplätze gibt, erst mittelfristig. Und die in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) organisierten Praktiker warnen vor Details, die auch zu eigentlich unerwünschten Entwicklungen führen könnten. So ermöglicht das Land den Trägern, Kinder wieder in größeren Gruppen zusammenzufassen. Außerdem werde, was gerade mit Blick auf die Qualitätsentwicklung unverständlich sei, sagt GEW-Chefin Doro Moritz, zu wenig Zeit in Leitung einer Einrichtung gesteckt. Im Bundesvergleich liegt Baden-Württemberg in diesem Punkt nur auf Platz 13.

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