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Penetrant für die Interessen der Frauen
Penetrant für die Interessen der Frauen
21.01.2019 - 06:27 Uhr
Von Dieter Klink

Rastatt - Eine muntere, kurzweilige Runde zum Thema 100 Jahre Frauenwahlrecht hatte die SPD am Samstagnachmittag in Rastatt versammelt. Allen voran sorgte Frauen- und Familienministerin Franziska Giffey für Pfiff.

Der Frauenanteil in den Parlamenten sei heute leider niedriger als noch vor 20 Jahre, sagte die Sozialdemokratin. Giffey plädierte für eine Parität in den Parlamenten: Männer, Frauen, halbe, halbe. Auch in der Wirtschaft müsse man noch einiges tun. "In den Vorständen sagen sie immer: Wir haben keine guten Frauen. Ich sage dann: Im Abi und im Studium waren sie doch noch da!" In den Vorstandsetagen gelte das Prinzip: Thomas fördert Thomas, und Michael fördert Michael. Ohne Druck gehe es leider nicht. Daher habe die Politik die Frauenquote für die Aufsichtsräte durchgesetzt. "Seitdem gibt es offenbar doch gute Frauen."

"Es ist gut, dass die SPD an ihre Wurzeln erinnert, denn ohne die Sozialdemokraten hätte es das Wahlrecht für Frauen 1918/19 nicht gegeben", erinnerte sie an den Zweck der Veranstaltung in der überfüllten Aula des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums.

Wenn junge Frauen heute sagen, sie gingen nicht wählen, müsse man sie daran erinnern: "Denkt daran, wie es damals war. Die Frauen damals haben gekämpft. Wir haben eine historische Verantwortung für sie."

SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek erzählte von ihrer Kindheit: "Meine Mutter hatte sich früh getrennt. 1968 galt das noch als böswilliges Verlassen. Sie bekam keinen Unterhalt für zwei Kinder. Ich weiß, was es heißt, wenn man sich durchbeißen muss. So bin ich gepolt." Als Katzmarek eine von 45 Bezirksleiterinnen der Gewerkschaft IG BCE wurde, habe der etwa gleichaltrige Landesbezirksvorsitzende bei vielen Themen herablassend gesagt: "Gaby, das kannst du noch nicht wissen." Sie wolle nun dafür arbeiten, dass es jungen Frauen bessergehe.

Monika Müller, geboren in Muggensturm und heute Sozialdezernentin in Wolfsburg, sagte, es gebe nach wie vor die gläserne Decke, die man als Frau nicht durchstoße. Das liege auch daran, dass Frauen nicht so wie Männer nach Feierabend eine Repräsentationskultur pflegten. "Wenn man Kinder hat, geht man abends nicht mehr mit den Kollegen weg." Inzwischen gebe es auch Offenheit, Frauen zu fördern. Aber die Motivlage sei nicht immer klar. "Es kommt nicht so gut an, wenn man Frauen sagt: Wir bräuchten da noch eine Frau." Ihr Rat an Frauen: Damit leben, dass es Defizite gibt und nicht zu hohe Ansprüche an sich stellen.

Ursula Cantieni, in Baden-Baden wohnende, aus der TV-Serie "Die Fallers" bekannte Schauspielerin, sprach über ihre Erfahrungen als Schweizer Bürgerin. Inzwischen hat sie auch die deutsche Staatsangehörigkeit, mit Aufnahmeprüfung "inklusive Sprachtest". Den Schweizer Pass hat sie immer noch als "stille Reserve". Als ihre Tante die Erbschaft der Eltern in der Schweiz habe antreten wollen, habe man gefordert: Der Ehemann aus England müsse einfliegen, um die Unterschrift für die Erbschaft zu leisten. Da habe sie, Cantieni, sich geschworen, nie zu heiraten. "In der Schweiz bin ich nur als Fräulein mündig."

"In der Schweiz nur



als Fräulein mündig"

Sie hat mit 50 dann doch geheiratet, und zwar einen "wunderbaren Mann, der sogar meinen Namen angenommen hat." Überhaupt die Männer: Frauen sollten ihnen die Angst nehmen, sich immer wieder beweisen zu müssen.

Sängerin und Schauspielerin Katja Ebstein erzählte, wie sie durch SPD-Kanzler Willy Brandt dereinst politisiert wurde. Die Osterverträge waren für sie in den 70er Jahren zentral. "Es geht nur mit Versöhnung", meinte sie, "wenn wir in der irren Welt überleben wollen" Und, wo sie schon am Erzählen war, fiel ihr eine Episode wieder ein: Bei einem Bundespresseball in den 70ern trat sie als Sängerin auf. Als der Abend weit fortgeschritten war und "alle beim Schwofen" waren, beschloss Ebstein, für Brandt ein Lied zu singen, "das Lied von der Taube", denn "Brandt war für uns der Friedensengel". Riesen-Eklat! "Die CDU verließ geschlossen den Saal, die CSU war schon draußen. Auch Brandt schaute irritiert", erzählte sie.

Die Juso-Vorsitzende von Rastatt/Baden-Baden, Emelie Knöpfle, sieht Druck durch die sozialen Medien: Sie drängten Frauen in eine bestimmte Rolle: Frau müsse alles abdecken: "Business, Kind, toll aussehen und sich engagieren." Sie wünsche sich für die Jusos viele unbequeme Frauen, "die dann schnell noch nervigere Töchter kriegen".

Giffey sieht ebenfalls Nachholbedarf in Führungspositionen. U nd in den sozialen Berufen. "Wir brauchen eine bessere Bezahlung in den sozialen Berufen", forderte sie. In der Pflege und bei den Erziehern fange man jetzt damit an, die Ausbildung zu vergüten und das Schulgeld zu streichen. Ihr habe jemand beim Einstieg in die Bundespolitik gesagt: Penetranz schafft Akzeptanz. Und genau so sei es. "Lasst uns gemeinsam nerven für das, was wir wollen."

Den größten Applaus aber erntete Ebstein, als sie an Giffey gewandt meinte: "Die könnte auch Bundeskanzlerin werden. Endlich mal eine Berliner Schnauze."

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