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Schöne Bücher über Traumländer von einst
23.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Christiane Lenhardt

Wie Paul Klee zum Laternenfest des Bauhauses anlässlich der Sonnwendfeier am 21. Juni 1922 in Weimar einlud oder das Freundschaftsalbum der Revolutionskriege aussieht, zeigt die Antiquariatsmesse in Stuttgart. In den Räumen des Württembergischen Kunstvereins am Stuttgarter Schlossplatz wird diesen Freitag die 58. Ausgabe des deutschen Antiquariats- und Grafikhandels eröffnet und ab 11 Uhr wieder Ausnahmezustand für Händler und für Sammler herrschen. Angeboten wird, was die Regale hergeben. Die dreitägige Veranstaltung hat sich über mehr als ein halbes Jahrhundert hin längst international als eine der wichtigsten Antiquariatsmessen etabliert.

Entsprechend opulent ist stets das Angebot der in diesem Jahr über 70 Aussteller aus Deutschland, Großbritannien, Italien, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz. Teuerstes Objekt ist die von Ludwig Sterner herausgegebene "Reimchronik des Schwabenkrieges" (von Johann Lenz) sowie die Chronik der Burgunderkriege (von Peter von Molsheim) mit den von Sterner beigefügten Anhängen: zwölf zum größeren Teil hier ebenfalls unikal überlieferten politischen Liedern - für 980 000 Euro bei Heribert Tenschert zu haben. Die "Historia naturalis Brasiliae", ein naturgeschichtliches Standardwerk aus dem Jahr 1648 mit über 400 Pflanzen- und Tierholzschnitten, gehört zu den besonderen Büchern der Messe, die Winfried Kuhn, Rare Books aus Berlin, mitbringt. Zum ersten Mal vertreten ist auch Peter Bichsel von Fine Books aus Zürich, der eine Ulmer Prachtbibel von 1721 ausstellt sowie Künstlerbücher von Else Lasker-Schüler, Rainer Maria Rilke oder Tristan Tzara. Die mit kolorierten Lithografien versehenen Bücher stehen auch im Mittelpunkt der Sonderausstellung auf der Antiquariatsmesse unter dem Titel "Deutsche Auswanderung nach Brasilien im 19. Jahrhundert"; anhand von 70 Bänden werden Migration und Integration in früheren Zeiten dargestellt. Auch den Jubiläen - die Mondlandung vor 50 Jahren, das Bauhaus vor 100 Jahren sowie das Erscheinen der englischen Originalausgabe des berühmten Romans "Robinson Crusoe" vor 300 Jahren samt Faltblatt der Insel - wird auf der Messe mit bedeutenden Exponaten gedacht.

Einen Tag früher als die Stuttgarter Messe startet morgen um 11 Uhr die Ludwigsburger Antiquaria in der historischen Musikhalle. Buch und feine Bildkompositionen hängen auch hier eng zusammen. Auf der Antiquaria wird morgen Abend der mit 10 000 Euro dotierte Antiquaria-Preis für Buchkultur an den Theaterdramaturgen Klaus Völker vergeben. Der frühere Rektor der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin hat selbst viele Editionen und Anthologien herausgegeben; darunter die monumentale Ausgabe der Werke des Expressionisten Max Herrmann-Neisse. Zu den bedeutendsten Angeboten auf der Messe gehören ein Erstdruck von Voltaires Drama "Candide" (1759) und die kunstvoll illustrierte Nürnberger Renaissance-Chronik, das Schembart-Buch, von 1449 bis 1539 (für 125 000 Euro) sowie ein Wiegendruck aus Köln. Auch Autographen sind in der Musikhalle Ludwigsburg von Joseph Haydn, Claude Debussy bis zu dem österreichischen Dramatiker Arthur Schnitzler vertreten - genauso wie die frühe Porträtfotografie von bedeutenden Persönlichkeiten der Zeitgeschichte: So stellt das Baden-Badener Antiquariat im Baldreit Großformate der Berliner Fotografin Wanda Debschitz-Kunowski aus, die immerhin die Physik-Nobelpreisträger Albert Einstein und Max Planck vor der Linse hatte.

Die Antiquaria Ludwigsburg läuft bis Samstag; die Stuttgarter Antiquariatsmesse bis Sonntag.

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