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Der Wunsch, ein weißes Blatt zu sein
Der Wunsch, ein weißes Blatt zu sein
29.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Dieter Klink

Karlsruhe - In der digitalen Welt geben Menschen viele Daten preis. Wie verändert das die Privatheit? Bei einem Wissenschaftsgespräch in Karlsruhe diskutierten Experten gestern Abend über digitale Identität.

Der Jurist Georg Borges von der Universität des Saarlandes forderte bei der vom Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft (ZAK) organisierten Diskussion einen Anspruch auf anonymes Nutzen von Suchmaschinen. "Ich will ein weißes Blatt sein und nicht immer der bekannte Professor", sagte Borges. "Google kennt mich ganz gut, kennt meine Bedürfnisse", erzählte Borges. Sein Tipp für sicheres Surfen: Beim Internet-Nutzen immer die Historie ausschalten, damit nicht ständig Daten abgegriffen werden können. Man dürfe auch nicht gutgläubig Anhänge öffnen, auch wenn sie von einem vermeintlich sicheren Absender stammten. Das Internet sei kein Freibrief für Leichtsinn. Man müsse sich dort genauso vorsichtig verhalten wie im Straßenverkehr. Das bedeute im Internet auch: Vorsicht vor gefälschten Homepages.

Warum man überhaupt Daten im Internet preisgebe? "Das ist wie beim Alkohol. Sie wissen, dass Bier oder Wein schädlich ist und trinken trotzdem." Die Politik sei gefordert, im Rahmen der IT-Sicherheit Technologien für sichere Identifizierung weiterzuentwickeln, um Internet-Nutzer vor Betrug zu schützen.

Borges ist daher froh um den Datenschutz. In Japan bieten in Supermärkten jetzt schon Apparate bestimmte Produkte an, weil sie durch Gesichtserkennung das Profil des Kunden kennen. Kriegt man also einen Erkältungstee oder ein saftiges Steak angeboten? Diesen Automatismus müsse man in Deutschland verhindern. "Ich will nicht an jeder Ecke damit konfrontiert werden, debil, schwächlich oder sonst was zu sein." Dass Kunden im Internet je nach Nutzerdaten verschiedene Preise für Flüge bezahlen, habe man offenbar bereits akzeptiert.

Medienpsychologin Sabine Trepte von der Uni Hohenheim wies darauf hin, dass sich der Verlust der Privatheit erst ganz langsam in empirischen Studien bemerkbar mache. "Der Wandel geht sehr langsam. Die jüngere Generation scheint den Wert der Privatheit weniger zu schätzen, aber noch weiß keiner, ob das auf Dauer unsere Demokratie gefährdet." Viele würden aber sehr sorgfältig abwiegen, ob sie Daten preisgeben für ein paar Prozentpunkte Rabatt?

Kommunikationswissenschaftler Sascha Trültzsch-Wijnen von der Universität Salzburg differenzierte nach Altersgruppen. Die heute Zehn- bis 15-Jährigen seien sehr stark in den digitalen Medien präsent. Ihnen sei der Wert von Privatheit nicht so wichtig. "Sie nutzen es für die öffentliche Selbstpräsentation, damit alle Schulfreunde es sehen können." Sie gäben den Wert der Privatheit auf, wenn sie mit Freunden kommunizieren könnten. Bei älteren Online-Nutzern (bis 30 Jahre) spiele der Wunsch, nicht erkennbar zu sein, eine größere Rolle. Es gehe immer um Selbstinszenierung. Dafür poste man zum Beispiel jedes Mittagessen. Damit nicht der Eindruck entstehe: "Die anderen haben ein tolles Leben. Nur ich nicht."

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