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Abgasfreie Testfahrt
31.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Thomas Trittmann

Offenburg - Es war eine Premierenfahrt: Erstmals war im Schwarzwald ein Triebzug unterwegs, der Wasserstoff tankt. Zwei Brennstoffzellen, die auf dem Dach des Zuges angebracht sind, produzieren damit Strom, der wiederum die Fahrmotoren antreibt.

Der Clou: Der Zug stößt keinerlei Abgase aus. Lediglich Wasserdampf-Wölkchen quillen aus dem Dach. Obendrein setzte der Zug sich leise wie eine Straßenbahn in Bewegung - ein echter Fortschritt im Vergleich zu den lärmenden Dieseltriebwagen.

"So 60 bis 70 Liter Wasser", schätzt Stefan Schrank vor der gestrigen Demonstrationsfahrt von Offenburg nach Freudenstadt, werde der Zug auf seiner steigungsreichen Reise wohl produzieren. "Das ist sauber, das können Sie trinken. Aber nicht zu viel, weil es demineralisiert ist", sagt Schrank. Er ist der Projektleiter für Brennstoffzellenzüge bei Alstom. Der französische Konzern, der auch den TGV baut, hat die Wasserstofftechnik zur Marktreife gebracht und baut die Züge mit dem Namen "Coradia iLint" in seinem größten Werk im niedersächsischen Salzgitter. Äußerlich unterscheidet sich der Regionalzug fast nicht von den Alstom-Dieseltriebzügen, die ebenfalls unter dem Namen Coradia angeboten werden.

Zur gestrigen Premierenfahrt hatte der Bahnbetreiber SWEG eingeladen, und das natürlich nicht ohne Hintergedanken: Die SWEG betreibt derzeit die Ortenau-S-Bahn, und im Frühjahr wird das Land entscheiden, ob das so bleibt oder ob ein anderes Unternehmen zum Zuge kommt. Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Landesverkehrsministerium, erklärte auf der gestrigen Fahrt, dass die Landesregierung auf dieser Strecke durch den Schwarzwald künftig keine Dieselfahrzeuge mehr wolle, sondern eine emissionsarme oder -freie Alternative.

"Wir wollen die neue Technik kennenlernen", sagte SWEG-Sprecher Christoph Meichsner. Man hoffe, die Strecke auch in Zukunft betreiben zu können.

Der Wasserstoff-Triebzug von Alstom kann es in jeder Hinsicht mit der Diesel-Konkurrenz aufnehmen: Er hat eine Reichweite von 1 000 Kilometern, schafft Tempo 140 und hat mit 150 Sitz- und 150 Stehplätzen genügend Kapazität für Strecken im Ländlichen Raum.

Jörg Nikutta, Alstom-Geschäftsführer für Deutschland und Österreich, mochte den Kaufpreis eines solchen Fahrzeugs nicht preisgeben. Aber er erklärte: "Der Zug ist in der Anschaffung etwas teurer, im Betrieb aber günstiger als ein Dieselzug. Der höhere Kaufpreis amortisiert sich nach weniger als zehn Jahren." Nikutta nannte Baden-Württemberg beim Brennstoffzellenantrieb einen "Partner der ersten Stunde". Schon 2014 habe Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) eine Absichtserklärung zum Betrieb solcher Züge unterzeichnet.

Ganz brandneu ist der iLint mittlerweile nicht mehr: Zwei Vorserienzüge sind seit September 2017 für die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (evb) im sogenannten Weser-Elbe-Netz zwischen Bremerhaven, Cuxhaven und Buxtehude unterwegs. Bis 2022 soll in dieser Region komplett auf Wasserstoffzüge umgestellt sein.

Doch auch in Baden-Württemberg beschränkt sich das Interesse nicht auf die Strecke Offenburg - Freudenstadt. So könnten die Züge auch im Landkreis Calw zum Zuge kommen. Dort arbeitet man an der Reaktivierung der Hermann-Hesse-Bahn, um Calw wieder direkt an Stuttgart anzubinden. Schon 2015 unterzeichnete der Kreis eine Absichtserklärung, die Strecke mit Wasserstoffzügen zu befahren.

Und auch anderswo im Land stößt der neue Zug auf Interesse - jedenfalls waren bei der gestrigen Premierenfahrt die 150 Sitzplätze gut belegt mit Vertreter von Kommunen und Landkreisen aus vielen Regionen zwischen Offenburg, Calw und Weil am Rhein.

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