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Für eine neue Kultur des Hinschauens
Für eine neue Kultur des Hinschauens
01.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart - Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ist dabei, ein neues Konzept zur Beratung, Unterstützung und Weiterbildung umzusetzen. Immer mit einem zentralen Ziel: Baden-Württembergs Schüler und Schülerinnen sollen in Vergleichsstudien möglichst gut abschneiden.

"Mir scheint, dass beim Begriff Qualität in der Bildungspolitik ganz viel populistische Lyrik verbreitet wird": Der Satz stammt aus dem Jahr 1999 und von der damaligen Kultusministerin Annette Schavan (CDU). Seither bemühen sich alle Verantwortlichen genauso wie die Schulfachleute in den Landtagsfraktionen, ganz unabhängig von der Parteizugehörigkeit, diese Einschätzung zu widerlegen.

An Plänen, Konzepten oder veränderten Strukturen ist kein Mangel, spätestens seit dem PISA-Schock, als die ersten Vergleichsergebnisse so gar nicht zur Selbsteinschätzung im Land passten. Und an Reaktionen auch nicht. Seit langem mahnt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), mehr Geld in die Qualitätsentwicklung und in die Unterrichtsversorgung zu stecken. Oder aktuell Kürzungen zurückzunehmen, gerade für die Fortbildung von Lehrkräften. Für alle Schularten müsse der "Beruf des Fortbildners attraktiv gestaltet werden", fordert die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz.

Die Thematik ist kompliziert, Erfolge sind schwer messbar. Nicht nur FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke, selber promovierter Studienrat, weiß, dass "gerade im Bildungswesen wie in einem Räderwerk die Bewegung eines Rädchens die Bewegung zahlreicher anderer Rädchen nach sich zieht".

Nachdem Baden-Württembergs Schüler und Schülerinnen in Vergleichsstudien abgerutscht sind, sehen die Bildungsexperten aller Fraktionen Handlungsbedarf. Lehrkräfte müssten zielgenauer weitergebildet werden. Eisenmann hofft auf eine "neue Kultur des Hinschauens", etwa wenn an Schulen ganz konkret die Leistungen schlechter werden. Die frühere Stuttgarter Bürgermeisterin wagt mehrere große Veränderungen. Zum Beispiel in der Verwaltung: Jede Schule bekommt einen "benannten Ansprechpartner für Ausbildung, Fortbildung und Beratung". Vor allem werden die unter Schavan entwickelten Unterstützungsstrukturen in Gänze neu geordnet und zwei neue Einrichtungen etabliert, die im März die Arbeit aufnehmen: Das "Zentrum für Schulqualität und Lehrerfortbildung" und das "Institut für Bildungsanalysen".

Eineinhalb Jahre lang hat sich Eisenmann beraten lassen. Sie kann für sich in Anspruch nehmen, auch die so oft geäußerten Klagen aufgenommen zu haben, es fehle für erfolgreiche Veränderungen an der Analyse von Daten und Fakten. "Daten sind kein Selbstzweck", so der frühere Schulleiter Karl-Friedrich Röhm (CDU), die gewonnenen Erkenntnisse sollten vielmehr in eine tatsächliche Verbesserung der Qualität münden.

Wann und vor allem wie die gemessen werden kann, ist jedoch keineswegs geklärt. Die Ministerin muss auf bessere Ergebnisse in künftigen Vergleichsstudien hoffen. Oder auf mehr Gelassenheit in der Debatte. Denn schlechteren Werten stehen seit Jahren bessere und gute gegenüber: So hat das Land im Bildungsmonitor 2018 in vielen Kategorien nur Spitzenplätze belegt, gerade beim Thema Digitalisierung.

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