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Bügeln und gebügelt werden
02.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Ute Bauermeister

Was für ein grandioses Spektakel! Welch gelungene Symbiose aus leisen, philosophischen Tönen, existenzialistischen Fragen und unterhaltsamem Klamauk. Behutsam zwar, aber dennoch mit starker Handschrift hat Lily Sykes den Dauerbrenner von Shakespeares "Viel Lärm um nichts" am Badischen Staatstheater Karlsruhe inszeniert.

Den ewigen Reigen um Liebe, Identität und Lebenssinn lässt die in London geborene Regisseurin auf einer sich drehenden Showbühne mit zwei großen, fahrbaren, halbrunden Auftrittstreppen, einer Laterne (Bühne: Friederike Meisel) und schillernd-grotesken Kostümen (Jelena Miletic) zu einem Augen- und Ohrenschmaus in neuem Gewande aufblühen. Die Männer tragen Kleider, Nagellack, Ohrringe und High Heels, während die Frauen in Shorts oder Rüschchen-Glitzer-Kostümen stecken. Die Lust am Verkleiden, am Masken tragen, das Wechseln der Geschlechter ist Teil des Spiels.

Zwei Figuren hat die Regie dazu erfunden: Adriano (Sven Daniel Bühler, stark als Sänger und Priester) und Rita (Ute Baggeröhr mimt herrlich grotesk) stolpern immer wieder auf die Bühne, auf der Suche nach einer ominösen Frau Schlotauer, genauso absurd wie die Beckett'schen Figuren.

Claudia Hübschmann spielt wunderbar leichtfüßig die schlagfertige Beatrice, die so harsch alle Männer ablehnt, zuerst auch Benedikt, dem Thomas Schumacher humorvolle Schärfe verleiht. Doch es wäre kein Shakespeare-Stück, würden nicht gleich noch die Intrigen lauern. André Wagner als Don Pedro nebst Klaus Cofalka-Adami als Leonato und Jens Koch in der Rolle des skurrilen Borachio geben vor, es wäre so, wie es eigentlich nicht ist und schon entsteht ein falsches Bild. Eins führt zum anderen und bald ist nichts mehr so, wie es scheint.

Swana Rode lässt sich als Margaret einmal fallen, bevor sie rücklings, liegend mit dem Kopf voran sanft die Treppe hinuntergleitet: solche Bilder beeindrucken. Hier wird mit ganzem Körpereinsatz gespielt, alles ins Zeug geworfen, ohne laut oder schrill zu sein. Feinfühlig akzentuierte Livemusik (Jan Schöwer) spielt dabei ebenfalls eine besondere Rolle. Schon der Auftakt bei Saallicht stimmt neugierig: Ein glänzend aufspielender Heisam Abbas gibt den Don John, der pantomimisch ein Mikrofon einstellt, um seine Gedanken über das Leben vorzutragen. Und dann sind da noch Hero (Sonja Viegener bisweilen sehr zurückhaltend) in ihrer Sehnsucht nach Claudio (entwicklungsfähig: Thomas Prenn), denen die Regie am Ende noch einen modernen Strich durch die Rechnung macht.

Lily Sykes wandelt schwerelos auf dem schmalen Grat zwischen humorvoll, witziger Unterhaltung und den großen Fragen nach Sein oder Schein, nach Identitäten, Liebe, Sinn. Nach der spendet das Publikum viel Applaus für diese opulente Aufführung, deren Aufruf "Ihr Lieben, seid glücklich!" in einer anscheinend komplett verrückten Welt nachhallt.

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