http://www.spk-bbg.de
Welcher Sozi spielt welches Spiel?
06.02.2019 - 06:44 Uhr
Von Hagen Strauß

Berlin - Die Genossen sind in diesen Tagen mal wieder nicht zu beneiden. Kaum verkündet Arbeitsminister Hubertus Heil sein Milliardengeschenk einer "Respektrente", schon grätscht Finanzminister Olaf Scholz dazwischen. Abstimmung sieht anders aus. Die SPD kommt nicht vom Fleck. Schlimmer noch: Bei den anstehenden Wahlen droht sie in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Wer spielt jetzt welches Spiel?

Andrea Nahles: Die Enttäuschung über die Partei- und Fraktionschefin ist groß. Nahles ist es nicht gelungen, nach der desaströsen Bundestagswahl die SPD flott zu machen. Im Gegenteil: Die Landtagswahlen in Bayern und Hessen gingen verloren. Hinzu kommen überdrehte Auftritte ("Bätschi") und Fehler wie in der Maaßen-Affäre. Auf einer Klausur am Wochenende will man das Ruder nun herumreißen mit Beschlüssen, die das soziale Profil schärfen sollen. Wird die Europawahl dennoch zum Debakel und auch die Landtagswahl in Bremen, drohen Chaostage.

Olaf Scholz: Von der ruhigen Hand des Finanzministers und Vizekanzlers haben sich viele erhofft, dass sich das Regieren für die SPD in der umstrittenen Groko auszahlt. Die Hoffnung ist zerplatzt. Gleichwohl drängt Scholz immer mehr in die Offensive. Er will jetzt noch mehr als Sparkommissar punkten, als Hüter der schwarzen Null. Genau das dürfte ihn aber in der Partei nicht beliebter machen. Seine Einlassung, sich die Kanzlerkandidatur vorstellen zu können, kam zur Unzeit und hat viele verärgert.

Stephan Weil und Manuela Schwesig: Nicht gerade viele kommen in Betracht, sollte die SPD mal wieder das Zugpferd wechseln. Falls die Partei bei den anstehenden Wahlen untergeht, werden oft der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil und die Regierungschefin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, als potenzielle Anwärter genannt. Beiden wird großer Machtwille unterstellt.

Franziska Giffey: Die Berlinerin ist so etwas wie die Geheimfavoriten für eine mögliche Nahles-Nachfolge. Akribisch hat sie sich in ihr Amt als Familienministerin eingearbeitet, sie kennt die Probleme der Menschen aus ihrer Zeit als Bezirksbürgermeisterin in Neukölln. Giffey ist "nah bei de Leut", wie frühere Vorsitzende Kurt Beck einst sagte. Und sie ist die SPD-Ministerin, die erfolgreich ihre Vorhaben umsetzt.

Martin Schulz: Der bei der Bundestagswahl gefallene zwischenzeitliche Superstar wartet auf eine zweite Chance. Angeblich hatte Schulz gehofft, Spitzenkandidat für die Europawahl zu werden, doch das kam für die Parteioberen nicht in Frage. Nun heißt es, falls Nahles im Frühjahr zumindest den Posten der Fraktionschefin aufgeben sollte, stehe Schulz bereit. Seine leidenschaftlichen Auftritte im Bundestag gegen die AfD klangen schon wie Bewerbungsreden.

Sigmar Gabriel: Der Ex-SPD-Chef und Außenminister wurde von Nahles und Scholz aufs Altenteil abgeschoben. Er hat noch eine Rechnung offen. Daran lässt Gabriel keinen Zweifel - zuletzt konnte er sich beim Lob für Heils Rentenpläne einen Seitenhieb gegen Nahles als frühere Arbeitsministerin nicht verkneifen. Als er allerdings noch amtierte, haben die Genossen kein gutes Haar an ihm gelassen. Wegen seines barschen Führungsstils und der inhaltlichen Unstetigkeit. Aber Gabriel hat politischen Instinkt. Deswegen wünschen sich viele ein Revival - er offenbar auch.

Gerhard Schröder: Wie bei den "Muppets" sitzt der Altkanzler auf dem Balkon und gibt seiner Partei Ratschläge. Sie bestehen darin, Nahles anzugreifen, ihr Amateurfehler zu unterstellen und Gabriel anzupreisen. Schröder geht es darum, sein Erbe zu verteidigen, das die Vorsitzende jetzt schleifen will. Zudem hat Schröder von Nahles nie viel gehalten - umgekehrt sie von ihm aber auch nicht.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Berlin / Dresden
Der Wolf als gefundenes Fressen

18.01.2019
Mehr als 1 000 Wölfe
Berlin/Dresden (vn) - Nach Schätzungen des Deutschen Jagdverbandes gibt es inzwischen mehr als 1 000 Wölfe bundesweit. Die Debatte um eine Begrenzung der Zahl gewinnt vor allem in Sachsen politische Dimensionen, wo CDU und AfD um die Wähler buhlen (Foto: dpa/av). »-Mehr
Umfrage

Orte wie Monheim oder Pfaffenhofen machen es vor: Ein kostenloser Nahverkehr soll dazu beitragen, dass mehr Menschen aufs Auto verzichten und lieber den Bus nehmen. Würden Sie das Auto verkaufen, wenn Bus- und Bahnfahren kostenlos wäre?

Ja, auf jeden Fall.
Ich würde es weniger nutzen, aber nicht abschaffen.
Ich würde weiter Auto fahren.
Das weiß ich nicht.

Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1