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"Ich hoffe, dass es nicht zu Grabenkämpfen kommt"
'Ich hoffe, dass es nicht zu Grabenkämpfen kommt'
14.02.2019 - 00:00 Uhr
Freiburg - Im Erzbistum Freiburg stehen große Veränderungen an. Erzbischof Stephan Burger hat ein Konzeptpapier "Kirchenentwicklung 2030" veröffentlicht. Darin ist unter anderem vorgesehen, die Zahl der Kirchengemeinden von bisher 224 auf künftig rund 40 zu verkleinern. Morgen und am Samstag soll das Konzept bei einer ersten Konferenz diskutiert werden. Mit dabei ist auch Martina Kastner aus Malsch, die Vorsitzende des Diözesanrats. Mit ihr sprach BT-Redakteur Dieter Klink. Der Diözesanrat ist die Vertretung der Organisationen, Laien und Dekanatsräte. 2021 soll bei einer zweiten Konferenz abschließend diskutiert werden.





Interview

BT: Frau Kastner , wie bewerten Sie das Papier der Bistumsleitung zur Kirchenentwicklung 2030?

Martina Kastner: Ich bin wie viele andere von dem Papier überrollt worden. Ursprünglich sollte die diözesane Pastoralkonferenz am Freitag und Samstag der Startschuss für den Prozess sein. Jetzt wurde das Konzept schon veröffentlicht, und nun diskutieren viele schon vor Ort über die geplanten Änderungen.

BT: Das Papier soll als Gesprächsgrundlage für den Prozess dienen, heißt es.

Kastner: Ja, ich sehe das Papier als einen Entwurf, als eine Vorlage für den Diskussionsprozess. Aber ich fürchte, viele sehen das nicht mehr so, sondern bereits als Fakten. Die Zahl 40 statt der bisher 224 Kirchengemeinden ist in der Welt. So ist es schwierig, in einen offenen Diskussionsprozess zu gehen, den ich mir gewünscht hätte. Die Leute in den Pfarreien hängen an ihrem Kirchturm. Und jetzt spüren sie: Die Gemeinde wird noch größer, der Pfarrer ist noch weiter weg. Das Papier eröffnet aber auch Spielräume, die man nutzen kann. Das rückt bisher leider in der Diskussion etwas nach hinten.

BT: An welche Spielräume denken Sie?

Kastner: Positiv an dem Konzept ist doch, dass die Pfarrgemeinden von Verwaltungsarbeit entlastet werden sollen. Es ist sinnvoll, einen Geschäftsführer auf der Ebene der neuen Kirchengemeinde einzuführen, denn die Verwaltung frisst bisher viel Energie, die man besser für die Seelsorge einsetzen könnte. Man muss aber auch darüber diskutieren, welche Leitungsfunktion die künftigen Gemeindeteams, deren Rolle für die Gemeinde vor Ort mehr Bedeutung zukommen wird, bekommen. So ein Team muss mehr sein als ein Organisationsausschuss. Außerdem muss man noch klären, wie das Zusammenspiel zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen geregelt sein soll. Aber das Papier rüttelt leider nicht an den Grundfesten.

BT: Inwiefern?

Kastner: Wir würden doch nicht über Kirche 2030 diskutieren, wenn wir genügend Priester hätten. Würden verheiratete Männer und Frauen zum Priesteramt zugelassen, wäre die Personaldecke für die Leitung einer Pfarrei nicht so eng und wir würden wohl nicht diese Großpfarreien bilden müssen. Das Argument, das müsse auf weltkirchlicher Ebene geregelt werden, ist hier nicht mehr zu vermitteln, denn wir müssen Kirche vor Ort zukunftsfähig machen. Ich würde mir wünschen, dass sich unsere Bischöfe hier mehr auf die Hinterbeine stellen. Ich befürchte aufgrund der erneuten Strukturdebatten, dass viele Ehrenamtliche in Resignation verfallen. Im Jahr 2020 haben wir Pfarrgemeinderatswahlen. Der Prozess "Kirchenentwicklung 2030" dürfte sich nicht gerade motivierend auswirken. Denn die im Jahr 2020 gewählten Pfarrgemeinderäte wissen doch, sie werden quasi ihre bisherigen Seelsorgeeinheiten abwickeln, wenn künftig noch mehr Kirchengemeinden zusammengelegt werden.

BT: Wie gehen Sie in die Konferenz der Räte am Freitag und Samstag in Freiburg?

Kastner: Wir gehen offen rein und hören uns das Ganze erst einmal an. Der Diözesanrat hat einen Ausschuss Kirchenentwicklung eingerichtet. Hier geht es darum, den Prozess zu begleiten, aber vielleicht auch eigene Vorschläge zu erarbeiten oder zumindest an der ein oder anderen Schraube zu drehen.

BT: Mit welcher Haltung gehen Sie in den Diskussionsprozess der nächsten zwei Jahre?

Kastner: Ich hoffe, dass es beim Zuschnitt der neuen Pfarreien nicht zu Grabenkämpfen kommt. Wir haben erst vor ein paar Jahren die Zahl der Dekanate von 39 auf 26 verringert. Nun könnte man wieder auf 39 zurückgehen, dann wäre eine Pfarrei so groß wie früher ein ganzes Dekanat. Ich hoffe nicht, dass am Ende des Prozesses das ganze Bistum nur noch aus einer einzigen Kirchengemeinde besteht.

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