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Millionendeals mit Marihuana und Kokain
Millionendeals mit Marihuana und Kokain
15.02.2019 - 06:31 Uhr
Von Werner Frasch

Baden-Baden - Der laut Einschätzung des Staatsanwalts Michael Klose wohl größte Drogenprozess vor dem Baden-Badener Landgericht hat gestern so begonnen, wie es von vielen Prozessbeobachtern vermutet worden war: Die Anwälte des Hauptangeklagten haben in einer mehr als halbstündigen Erklärung die Zuständigkeit der Großen Strafkammer gerügt, vor der die Anklage nun verhandelt wird.





Die Zuweisung des Verfahrens verstoße gegen den Geschäftsverteilungsplan des Landgerichts. Außerdem verweigerte der mutmaßliche Haupttäter Angaben zur Person und zum Tatvorwurf. Zur Begründung verwiesen seine Verteidiger darauf, die Vollständigkeit von kurzfristig übersandten Akten überprüfen zu müssen.

Die von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwürfe sind gravierend. Der zeitweise in Muggensturm wohnende 40-jährige Hauptangeklagte mit albanischer und griechischer Staatsangehörigkeit soll zwischen Anfang 2016 bis zu seiner Festnahme im Juni 2018 in 50 Einzelfällen in großem Stil mit Marihuana und Kokain gehandelt haben. Nach den umfangreichen Ermittlungen handelt es sich dabei um insgesamt 1 349 Kilogramm Marihuana und sieben Kilogramm Kokain. Das Netzwerk der Abnehmer war groß: Der Dealer lieferte die Drogen zum Teil kiloweise an Personen in Nachbargemeinden, aber auch nach München, Krefeld, Pforzheim, Ludwigshafen und ins Ausland. Geld floss in erheblichen Mengen. In der Anklageschrift ist der Betrag von 3,5 Millionen Euro genannt.

Angesichts dieses Umsatzvolumens verwundert es nicht, dass der Angeklagte über Abnehmer, Mengen und Preise penibel Buch führte. Den Drogenfahndern fielen die Aufzeichnungen zwar in die Hände. Da für "Kunden" keine Klarnamen, sondern kryptische Abkürzungen benutzt wurden, ist die Zuordnung zu konkreten Personen allerdings schwierig.

Auf die Spur führte die Verfolger indirekt ein Drogenkurier, der sich österreichischen Behörden zunächst als verdeckter Ermittler angetragen hatte, um auf diese Weise Einblick in die polizeilichen Ermittlungen zu erhalten. Abhörmaßnahmen deckten diesen Versuch auf. Wenige Monate später wurden nicht nur die beiden in der Kurstadt angeklagten Männer festgenommen. Zahlreiche weitere Tatverdächtige wurden in Deutschland und Griechenland verhaftet. In den nächsten Wochen werden daher weitere Prozesse in diesem Ermittlungskomplex folgen.

Der im jetzigen Verfahren weitere Angeklagte, ein 39-jähriger deutscher Staatsangehöriger aus Baden-Baden, war bei Prozessbeginn zwar weitaus gesprächiger als der Hauptangeklagte, in dessen Nachbarschaft er einige Zeit gewohnt hatte. Er räumte ein, an den Angeklagten, den er nur unter dessen Spitznamen "Johnny" kannte, mehrfach Autos verkauft oder verliehen zu haben. Auch waren ihm Fahrten des Angeklagten nach Albanien bekannt. Dass dabei Rauschgift im Spiel gewesen sei, habe er nicht gewusst. Eine Kalaschnikow und eine Pistole, die er einmal bei "Johnny" gesehen habe, sei nach seiner Meinung eine Spielzeugwaffe gewesen. "Sie war so neu, und ich weiß, wie eine Waffe nach Gebrauch aussieht", sagte der Angeklagte, der eine Zeit lang auch als Türsteher in einem Karlsruher Lokal tätig war.

Der Prozess wird am 21. Februar 9.30 Uhr fortgesetzt.

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