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Auerhuhn-Population auf Tiefstand
Auerhuhn-Population auf Tiefstand
16.02.2019 - 07:35 Uhr
Von Nico Fricke

Stuttgart - Die Zahl der Auerhühner im Schwarzwald ist seit 2013 stark zurückgegangen. 2018, zehn Jahre nach Inkrafttreten des "Aktionsplans Auerhuhn" (APA) zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Tiere, ist mit 167 Auerhähnen ein neuer Tiefstand erreicht worden. Das Verhältnis von Hähnen und Hühnern wird dabei auf ein Verhältnis von Eins zu Eins geschätzt.

Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Große Anfrage der AfD-Fraktion im Stuttgarter Landtag hervor. Am Donnerstag befasste sich der Umweltausschuss mit der Thematik. "Das Auerhuhn ist das Wappentier des Schwarzwalds und neben Kuckucksuhr, Tanne und Bollenhut ein Markenzeichen dieser Region, mit dem sich die Bürger identifizieren", erklärte Dr. Bernd Grimmer (AfD), Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft. Die AfD wollte in ihrer Anfrage wissen, ob das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn bei einer weiteren Verbreitung der Windkraft im Schwarzwald noch stärker zurückgedrängt werde.

Nach Informationen des Landwirtschaftsministeriums steht, nach derzeitigem Wissensstand, der Rückgang der Auerhuhnpopulation in den vergangenen fünf Jahren aber "nicht im Zusammenhang mit dem Bau von Windenergieanlagen".

Das Auerhuhn sei eine windenergieempfindliche Art, teilte die Landtagspressestelle mit. Daher würden alle Beurteilungen von Windenergieanlagen im Hinblick auf den Auerhuhnschutz nach einheitli chen und veröffentlichten Standards durchgeführt. In allen Balz-, Brut- und Aufzuchtgebieten sei der Bau von Windenergieanlagen ausgeschlossen. Bisher sei auch keine Windenergieanlage genehmigt worden, die in einem solchen Gebiet angedacht war. Laut Landwirtschaftsministerium besteht für Auerhühner, anders als für den Rotmilan, darüber hinaus auch nicht das Risiko, durch eine Kollision mit Windenergieanlagen getötet zu werden.

Das 2014 ins Leben gerufene Forschungsprojekt "Auerhuhn und Windenergie" werte derzeit seine Daten aus. Diese "werden erste wissenschaftliche abgesicherte Ergebnisse liefern". Ende des Jahres sollen sie vorliegen. "Erst in der Folge können gegebenenfalls die seit 2012 gültigen und derzeit angewandten Standards zur Beurteilung von Windenergiestandorten im Hinblick auf die Auswirkung auf Auerhuhnvorkommen angepasst werden."

Experten sehen



Überlebenschance

Nach Einschätzungen von Experten habe das Auerhuhn eine realistische Chance, im Schwarzwald zu überleben. Dabei könne davon ausgegangen werden, dass sich die Einrichtung des Nationalparks positiv auf die Auerhuhnbestände auswirkt. So würden dortige Freiflächen direkt von Auerhühnern aufgesucht. Durch Schneebruch, Borkenkäfer und Sturmflächen, die nicht aufgeräumt würden, entstehen dem Landwirtschaftsministerium zufolge, zudem zusätzliche Lebensräume im Hochwald für das Auerhuhn.

Grundlagen für die Beurteilung der Auerhuhnpopulation im Schwarzwald sind laut Landesregierung die jährlichen Balzplatzzählungen und die Monitoringergebnisse der Forstlichen Versuchsanstalt (FVA) Freiburg, die alle Auerhuhn-Nachweise fortlaufend erfassen und alle fünf Jahre (zuletzt 2018) zusammenführen, um das Auerhuhn-Verbreitungsgebiet abzugrenzen und die Bestandsentwicklung zu beurteilen. Zusätzlich führe die FVA seit 2006 ein systematisches Reproduktionsmonitoring durch. Die 2008 im Auerhuhn-Aktionsplan des Landes festgelegte Zielgröße von 600 Auerhühnern basierte auf einem angenommenen Geschlechterverhältnis von 1:1 und einem angenommenen Bestand von etwa 300 Auerhähnen. Diese Zahl habe sich aus der damaligen Populationsgröße ergeben, die "von 2001 bis 2008 zwischen 258 und 319 Auerhähnen schwankte". Ziel sei es gewesen, diese Populationsgröße mindestens zu erhalten, was bis 2012 auch gelungen sei (315 Auerhähne). Danach setzte jedoch ein starker Rückgang ein, der sich bis 2018 auf einen Tiefststand von 167 Auerhähnen fortsetzte, heißt es im Schreiben der Landesregierung. "Dies ist allerdings eine Minimumangabe, da nicht alle Balzplätze mit dieser Methodik erfasst werden können."

Gefragt nach der Ursache, bleiben die Angaben vage: "Nach derzeitigem Kenntnisstand haben mehrere Faktoren zu diesem Rückgang beigetragen. Unter anderem weist das Reproduktionsmonitoring auf eine Folge von witterungsbedingt schlechten Reproduktionsjahren hin."

Doch die Experten machen Hoffnung: "Das Jahr 2018 bot dem Auerhuhn günstige Reproduktionsbedingungen." Genaue Aussagen hierzu werden im Rahmen der Evaluation des Aktionsplans getroffen.

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