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Brauchen die Bienen
26.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Volker Neuwald

Stuttgart - Wer will sich schon einem Aufruf wie "Rettet die Bienen" verweigern? In Bayern ließen rund 1,7 Millionen Bürger ein Volksbegehren zum Erhalt der Artenvielfalt zu einem großen Erfolg werden. Jetzt soll es auch im Südwesten eine solche Kampagne mit identischem Titel geben. Was spricht für dieses Vorhaben - was dagegen?

Pro: "Angestachelt" vom Erfolg in Bayern, strebt die gemeinnützige Einrichtung "Pro Biene - Freies Institut für ökologische Bienenhaltung" auch im Südwesten ein Volksbegehren an. Geschäftsführer Tobias Miltenberger spricht von "beflügeltem Willen" und setzt auf die hohe emotionale Bedeutung des "dramatischen Artensterbens", das nicht nur in Bayern stattfindet.

"Als Berufsimker erfahren wir täglich, was es heißt, wenn Insekten mit ihrer Umwelt zu kämpfen haben", wird Imkermeister David Gerstmeier zitiert. "Das liegt vor allem am fehlenden Blühangebot." Neben der Honigbiene seien viele Tier- und Pflanzenarten von Ackergiften sowie durch Nahrungsmangel und Biotopverluste stark gefährdet. Sehr drastisch sehe es bei den 420 Wildbienenarten aus, von denen mehr als die Hälfte im Südwesten auf der Roten Liste stünden.

Konkret fordert "Pro Biene" 50 Prozent Ökolandbau bis 2035, die ökologische Bewirtschaftung von 100 Prozent der Staatsflächen, die Halbierung der Pestizidmenge bis 2025, die Erweiterung des Biotopverbundes, die Extensivierung der Wiesenbewirtschaftung, die Intensivierung der Forschung und Bildung zu ökologischer Landwirtschaft und Naturschutz sowie das Monitoring und einen jährlichen öffentlichen Bericht zur Artenvielfalt.

Das Freie Institut hat begonnen, Geld einzuwerben, um das Begehren auf den Weg zu bringen. Für den Antrag werden 10 000 Unterschriften benötigt. "Aktuell wird mit juristischer Begleitung an den konkreten Formulierungen für das Naturschutzgesetz Baden-Württemberg gearbeitet."

Contra: Die großen Umweltverbände im Land sehen derzeit - überraschenderweise - keinen Bedarf für ein Volksbegehren. Die Landesregierung habe das Naturschutzgesetz in den vergangenen Jahren deutlich verbessert und vor allem auch Finanzmittel in erheblicher Größenordnung bereitgestellt. "Die finanzielle Unterfütterung fehlt dem bayerischen Volksbegehren leider gänzlich", bedauert NABU-Landeschef Johannes Enssle.

Auch inhaltlich seien wesentliche Bestandteile des bayerischen Volksbegehrens in Baden-Württemberg schon gesetzlich geregelt. Enssle: "Das Dünge- und Spritzverbot entlang eines fünf bis zehn Meter breiten Gewässerrandstreifens ist in Baden-Württemberg bereits Gesetz, ebenso das Umbruchverbot für Dauergrünland." Die Forderung in Bayern, den Ökolandbau bis 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen, habe Agrarminister Peter Hauk bereits vor einigen Monaten als politische Zielvorgabe ausgegeben", lobt Enssle den CDU-Politiker. Hauk sieht zudem eine Emotionalisierung zulasten der Bauern, die er kritisiert: "Man kann nicht nur von den Bauern fordern. Es geht um gesamtgesellschaftliche Verantwortung."

Der NABU erwartet derzeit die schon vor mehr als einem Jahr angekündigte Strategie zur Pestizidreduktion: "Ich hoffe auf den großen Wurf von Agrarminister Hauk, zum Beispiel durch die Halbierung des Pestizideinsatzes bis 2025", erklärt der Landesvorsitzende. Pestizide seien nachweislich Mitverursacher des dramatischen Insektenschwunds.

Auch der BUND lobt die Landesregierung, moniert aber: "Bisher wird nicht oder zu wenig kontrolliert, ob die Gesetze und Vorschriften auch eingehalten werden", so Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender.

Folgt man den Initiativen der beiden größten Umweltverbände, setzen NABU und BUND eher auf Tatkraft statt Unterschriften. Wer einen eigenen Garten habe, könne abwechslungsreiche Lebensräume für Insekten schaffen.

www.artensterben-

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