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"Restitution mit Dialog verbinden"
26.02.2019 - 00:00 Uhr
Baden-Württemberg gibt eine Peitsche und eine Bibel an Namibia zurück, die zu deutschen Kolonialzeiten geraubt worden waren. Sie gehörten Hendrik Witbooi, der ein bedeutender Anführer des Stammes der Nama war und der heute in Namibia als Nationalheld verehrt wird. Die Direktorin des Linden-Museums in Stuttgart, Ines de Castro, erklärt im Interview mit Bettina Grachtrup, warum die Rückgabe (Restitution) im konkreten Fall kompliziert ist und wie Museen mit diesem Thema umgehen könnten. In dieser Woche bricht eine Delegation des Landes um Wissenschaftsministerin Theresia Bauer nach Namibia auf, um Peitsche und Bibel zu übergeben - auch Ines de Castro ist dabei.

BT: Frau de Castro, wie werden die Gegenstände im Flugzeug transportiert?

Ines de Castro: Wir haben für die Bibel und die Peitsche eine Kiste anfertigen lassen. Dort werden die Objekte in Schachteln aus säurefreiem Papier eingesetzt. Die Kiste ist etwas größer als Handgepäck. Wir mussten einen extra Sitz für die Kiste buchen.

Interview

BT: Wie oft haben Sie Kolonialgüter bereits zurückgegeben?

De Castro: Es ist eines der ersten Male, dass Kulturgut aus kolonialem Kontext aus Deutschland zurückgegeben wird.

BT: Gibt es noch andere Gegenstände, die von den Herkunftsgesellschaften aus dem Linden-Museum zurückgefordert werden?

De Castro: Im Moment nicht, aber wir betreiben aktiv Provenienzforschung und gehen bei Sammlungen mit ethisch verwerflichen Kontexten auf die Herkunftsgesellschaften zu. Wir nutzen dabei unsere weltweiten Netzwerke. Wir möchten gemeinsam entscheiden, ob eine Restitution infrage kommt.

BT: Sind Sie der Meinung, dass eine Rückgabe der Objekte oberstes Prinzip sein muss?

De Castro: Nein, das kann sehr unterschiedlich sein. Auch möchten wir Restitution mit Dialogprozessen verbinden. Im Rahmen der Namibia-Initiative des Landes Baden-Württemberg werden wir mit Vertretern der Nama und der Herero gemeinsam an unseren Sammlungen arbeiten, einen Studentenaustausch mit Workshops ermöglichen und mit den Communities vor Ort die gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse teilen. Wir können dabei viel lernen.

BT: Was passiert mit Bibel und Peitsche in Namibia?

De Castro: Wir haben von namibischer Seite gehört, dass die Bibel ins Nationalarchiv und die Peitsche ins Nationalmuseum gebracht werden. Mehr weiß ich nicht. Wir sollten jedoch keine Bedingungen an eine Restitution knüpfen.

BT: Die beiden Gegenstände werden vom namibischen Staat entgegengenommen. Eine Vereinigung der Nama-Stammesältesten (NTLA) will die Rückgabe an den Staat verhindern...

De Castro: Restitution ist ein sehr komplexer Vorgang. Eine schwierige Frage ist dabei, wem die Objekte restituiert werden. Das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst hat viele Gespräche mit der Familie Witbooi und mit verschiedenen Nama-Vertretern geführt. Auf Wunsch der namibischen Seite hat man sich auf eine Rückgabe an die Regierung geeinigt. Es ist schade, dass sich nun die NTLA ausgeschlossen fühlt. Die Restitution wird sehr stark von Emotionalität getragen. Hendrik Witbooi ist ein wichtiger Nationalheld.

BT: Kritiker meinen, wenn man diesen Weg der Restitution weiter fortführe, werden Museen in Deutschland irgendwann leer geräumt sein.

De Castro: Das glaube ich nicht. Es erscheint mir wichtig, auf die Wünsche und Vorstellungen der Herkunftsgesellschaften zu hören. Dabei ist, wie gesagt, Restitution nicht immer das primäre Ziel. Auch müssen wir an der Zugänglichkeit zu den Sammlungen arbeiten und diese mit Hilfe zusätzlicher Mittel online stellen. Die Diskussion über Kolonialismus und Kolonialzeit könnte zudem breiter in die Gesellschaft hineingetragen werden. Daran könnten sich die Museen gut beteiligen.

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