Digitalisierung verändert den Markt
07.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Jürgen Volz

Rheinstetten/Baden-Baden - Energiewende, Elektromobilität und Industrie 4.0: Die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche verändert den Rohstoffbedarf. Mittlerweile finden sich in fast allen elektronischen Alltagsgeräten Edelmetalle in Form von Kontakten, Chips und Leiterbahnen. Nach Angaben des World Gold Councils stieg der Bedarf an Gold im Technologiesektor 2017 das erste Mal nach sieben Jahren wieder an. Doch welche Metalle profitieren besonders von dieser Entwicklung?

In den zurückliegenden drei Jahrzehnten hat sich der Goldmarkt stark verändert. Das Edelmetall war vor allem in der Schmuckbranche gefragt und wurde zu Investitionszwecken verwendet. In der Technologiebranche spielte es dagegen nur eine kleine Rolle. "Das World Gold Council prognostiziert nun aber für die kommenden 30 Jahre eine steigende Goldnachfrage - vor allem im Technologiesektor", sagt Dominik Lochmann. Er ist Geschäftsführer der ESG Edelmetall-Service in Rheinstetten. Das Unternehmen recycelt europaweit edelmetallhaltiges Scheidgut und zählt zu den größten Edelmetallhändlern Deutschlands.

Aufgrund seiner speziellen Eigenschaften nimmt Gold bei der Herstellung innovativer Produkte eine zentrale Rolle ein. In der Elektronikindustrie kommt das Edelmetall in Leiterplatten und Chips zwar pro Gerät nur in kleinsten Mengen vor, gilt jedoch als essenzieller Bestandteil für hochwertige Produkte, zum Beispiel für spezielle Sensoren und Prozessoren, die bei elektrischen und selbstfahrenden Autos zum Einsatz kommen.

Widerstandsfähig



und flexibel

Aber auch andere zukunftsträchtige Branchen verwenden Gold, sagt Lochmann. So gibt es einen Trend zu flexibler Elektronik wie beispielsweise tragbare Solarzellen. Hier eignet sich das Edelmetall als dünner Film aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit und seiner Flexibilität besonders gut. Auch in Form sogenannter Nanopartikel wird es verwendet, zum Beispiel bei der Produktion und Effizienzsteigerung von Brennstoffzellen. "Bei den sich ständig erweiternden Anwendungsfeldern für Gold ist davon auszugehen, dass die Nachfrage weiterhin steigen wird", sagt Lochmann.

Bei der Energiewende sind Windkraft- und Fotovoltaikanlagen wichtige Komponenten. Zur Herstellung entsprechender Anlagen benötigt die Industrie neben anderen Primärrohstoffen eine steigende Menge an Silber und Kupfer. Eine Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) prognostiziert, dass der globale Kupferbedarf für neu gebaute Windkraftanlagen von 103 000 Tonnen im Jahr 2013 auf 244 000 Tonnen im Jahr 2035 steigen wird. Auch Silber ist stark nachgefragt, denn es wird dank seiner metallurgischen Eigenschaften in den Siliziumkollektoren von Fotovoltaikanlagen verbaut. 2017 vergrößerte sich die Silbernachfrage aus dem industriellen Sektor das erste Mal wieder seit 2013. Der Weltverband "The Silver Institute" geht in einer aktuellen Studie sogar davon aus, dass bis 2030 über 25 000 Tonnen Silber in Solarzellen verbaut werden.

Und noch ein Beispiel für steigenden Edelmetallbedarf: In Europa werden immer mehr Autos mit Benzinmotor verkauft, in deren Katalysatoren Palladium oder Platin in Kombination mit Rhodium zu finden sind. Durch strengere Abgasnormen kommt bei der Herstellung nun noch mehr Edelmetall als zuvor zum Einsatz. Denn die Rohstoffe sorgen für eine verbesserte Filterfunktion. Palladium verzeichnete zuletzt eine enorme Preisentwicklung - der Wert hat sich mehr als verdoppelt.

Bei der Weiterentwicklung von Autos mit Brennstoffzellen spielt vor allem der Rohstoff Platin eine bedeutende Rolle. "Werden sich Brennstoffzellen durchsetzen, wird der Bedarf des Edelmetalls sprunghaft ansteigen", ist sich Experte Lochmann sicher.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Stuttgart
Filmreife Tat vor dem Richter

18.06.2019
Filmreife Tat vor dem Richter
Stuttgart (lsw) - Es war wie im Film: Die Räuber blockierten die Straße, überfielen einen Geldtransporter und setzten sowohl Transporter wie auch Fluchtfahrzeug in Brand. Jahrelang wurde nach ihnen gesucht, ab dem heutigen Dienstag stehen zwei Verdächtige vor Gericht (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Umfrage

Experten befürchten, dass sich das Coronavirus weiter ausbreiten könnte. Haben Sie Angst vor der Lungenkrankheit?

Ja.
Nein.
Das weiß ich nicht.

Wetter in Mittelbaden


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1