Musikalische Reise zu Mozart
12.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Elisa Reznicek

Wir schreiben das Jahr 1762. Glucks Reformoper "Orfeo ed Euridice" wird in Wien uraufgeführt, was teils heftige Reaktionen hervorruft. "Die Damen sind damals reihenweise in Ohnmacht gefallen. Und die Männer sind schreiend aus dem Saal gerannt", schildert Daniel Hope (Solo-Violine, Leitung, Moderation) leicht überspitzt. Dann macht er eine kleine Kunstpause und schiebt mit Blick aufs Publikum lachend hinterher: "Insofern sind wir sehr glücklich, dass sie alle noch da sind!". Zum Wegrennen ist das sowohl musikalisch wie thematisch runde Konzert mit dem Zürcher Kammerorchester, das Hope als "Reise zu Mozart" ankündigt, nun denn auch wirklich nicht. Ganz im Gegenteil!

Das bestens besuchte Gastspiel im Festspielhaus Baden-Baden, das mit Glucks "Tanz der Furien" furios im Sinne der Tempo- und Dynamikgestaltung beginnt, hält viel Ansprechendes rund um den Österreicher und seine Weggefährten und Inspiratoren bereit. Natürlich darf dabei Haydn nicht fehlen, dessen Violinkonzert in G-Dur in einer Zeit entstanden ist, in der er sich intensiv mit der Form des Divertimentos beschäftigt hat - instrumentaler Unterhaltungsmusik also, die dazu bestimmt ist, die Hörerschaft in eine positive Stimmung zu versetzen.

Applausfreudiges



Publikum

Das klappt in Baden-Baden sogar derart gut, dass sich das Publikum entgegen Daniel Hopes Bestseller "Wann darf ich klatschen. Ein Wegweiser für Konzertgänger" mehrfach zu Zwischenapplaus hinreißen lässt. Das Klangbild ist ebenmäßig, mit feinen Kantilenen und einem luftigen Charakter. Vor allem im geschmeidigen Adagio lauscht man gebannt dem beseelten Spiel des Zürcher Kammerorchesters und der geradezu sinnlichen solistischen Darbietung.

Pleyels "Sinfonia concertante" für Violine, Viola und Orchester in B-Dur ist eine echte Rarität und zählt zu den Höhepunkten des Konzerts. Das Werk ist voller Heiterkeit und einnehmend schöner Melodien, mit denen sich Daniel Hope auf der Geige und Ryszard Groblewski auf der Bratsche umranken, necken und zusätzlichen Schwung verleihen. Als es 1791 erstmals erklingt, ist der heute mehrheitlich vergessene Komponist und ehemalige Haydn-Schüler ein waschechter Star. Wer ihn hört, weiß warum!

Im zweiten Programmteil liegt das gesamte Augenmerk auf Wolfgang Amadeus Mozart. Den Auftakt macht das Adagio für Violine und Orchester E-Dur KV 261, das dieser für den Salzburger Geiger Antonio Brunetti geschrieben haben soll. Hier darf die Solostimme singen - ganz zart und mit viel Gefühl. Das dritte Violinkonzert bildet den geschmackvollen Abschluss. Anmutig und behände gelingt das Spiel mit den verschiedenen Stofflichkeiten, die so typisch für das Rokoko sind. Immerzu schwingt zudem eine gewisse Empfindsamkeit mit, die sich aber nicht durch bloßen Affekt in den Vordergrund drängt. Alle Beteiligten beweisen interpretatorisches Fingerspitzengefühl und betonen gekonnt die verschiedenen Facetten der Musik, wodurch das Ganze wie aus einem Guss wirkt.

Satte vier Zugaben machen den Abend rund und das begeisterte Publikum glücklich. Dazu zählen neben einem musikalischen Gruß gen Himmel an den kürzlich verstorbenen André Previn (Hope spielt für ihn Kurt Weills "September Song") unter anderem das Finale von Vivaldis Streichkonzert in A-Dur und "Winter 1" aus Max Richters zeitgenössischem "Recomposing" der "Vier Jahreszeiten". Das Zürcher Kammerorchester, das dafür bekannt ist, nicht nur technisch erstklassig, sondern gleichwohl nahbar zu spielen, macht auch hier seinem hervorragenden Ruf alle Ehre. Gemeinsam mit Daniel Hope beweisen die Musiker erneut Charakter und lassen überdies selbst Anspruchsvolles scheinbar mühelos wirken.

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