In mehreren Dutzend billiger
In mehreren Dutzend billiger
12.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Winfried Heck

Karlsruhe - Mit der gemeinsamen Entwicklung eines standardisierten Stadtbahnfahrzeugs, erhoffen sich fünf deutsche Nahverkehrsunternehmen beim Kauf neuer "Tram-Trains", wie Zweisystem-Stadtbahnen in Fachkreisen genannt werden, Einsparungen in Millionenhöhe.

Insgesamt 240 neue Bahnen, die dann sowohl in den Innenstädten wie auf Bundesbahnstrecken eingesetzt werden können, wollen die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), die Erms-Neckar-Bahn AG (ENAG/Bad Urach), die Saarbahn Netz GmbH (Saarbrücken) sowie der Verkehrsverbund Mittelsachsen (Chemnitz) ab Mitte des nächsten Jahrzehnts in Betrieb nehmen. Durch die vergleichsweise hohe Zahl erhofft man sich einen niedrigeren Stückpreis, zudem müssten die Entwicklung und Zulassung der neuen Fahrzeuge nur einmal bezahlt werden. Mit Abstand größter Abnehmer werden die VBK und die AVG sein, die rund 150 Stadtbahnen des neuen Typs erwerben wollen.

Die Grundidee für die Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer Bahnen wurde dem Automobilbau abgeschaut. Auch dort werden auf Basis einer einheitlichen Plattform unterschiedliche, dem Kundenwunsch entsprechende Modelle gebaut. Dies will man nun auch beim Bau von Stadtbahnen nutzen und somit Kosten sparen. Zunächst ging es jedoch darum, sich auf einen gemeinsamen Nenner zu verständigen. "Wir haben lange getüftelt", beschrieb Thorsten Erlenkötter von den VBK, der als Projektleiter eingesetzt wurde, die Vorgeschichte.

Heraus gekommen sei nach knapp zweijähriger Vorarbeit ein "Saarbahn" genanntes Standardfahrzeug, das sich dann entsprechend der unterschiedlichen Wünsche der Partner modifizieren lässt. Die Grundversion ist demnach 37 Meter lang, bis zu 100 Stundenkilometer schnell, mit Toilette und Klimaanlage ausgestattet und kostet nach derzeitigen Stand rund 4,1 Millionen Euro pro Bahn. Das wären - trotz Entwicklungs- und Zulassungskosten - rund 200 000 Euro weniger, als bei den aktuellen Bahnen aus dem Hause Bombardier fällig werden.

Die Bombardier-Stadtbahnen sind bei der AVG erst seit Ende 2014 im Einsatz und bis 2021 soll die Stückzahl auf etwas mehr als 60 Exemplare aufgestockt werden. Insgesamt betreibt die AVG aktuell allerdings über 150 Zweisystembahnen, von denen die ältesten inzwischen knapp 30 Jahre alt sind und nach und nach ersetzt werden müssen.

Der Technische Geschäftsführer von AVG und VBK, Ascan Egerer, hofft, dass die höhere Bestellmenge für mehr Wettbewerb unter den Anbietern sorgen wird, während Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup in der Kooperation mit anderen Nahverkehrsunternehmen einen Weg sieht, das Karlsruher Modell noch bekannter zu machen. Öffentlicher Nahverkehr, der die Fahrgäste ohne Umstieg in die Stadtzentren bringt, ist nach seiner Meinung ein wichtiger Faktor, um Verkehrsprobleme in den Ballungszentren in den Griff zu bekommen. Auch deshalb hofft man, dass sich noch weitere Verkehrsunternehmen am Projekt beteiligen.

Da inzwischen das sogenannte "Lastenheft" fertiggestellt ist, in dem alle Anforderungen an die neuen Bahnen festgeschrieben wurden, soll nach der Sommerpause die europaweite Ausschreibung erfolgen. Rund ein Jahr später soll die Neuentwicklung samt Zulassung beginnen und spätestens 2025 soll in die Serienfertigung eingestiegen werden.

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