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"Eine gewisse Kontinuität ist ganz wichtig"
'Eine gewisse Kontinuität ist ganz wichtig'
23.03.2019 - 00:00 Uhr
as Kulturhaus LA8 wird zehn Jahre alt. Der Baden-Badener Unternehmer und Kulturmäzen Wolfgang Grenke (68) hat sich mit der Generalsanierung des einstigen königlichen Palais' einen frühen Lebenstraum erfüllt. Im Interview mit BT-Redakteurin Christiane Lenhardt blickt Wolfgang Grenke mit großer Zufriedenheit auf das LA8, das mit dem Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts reüssiert und vor allem mit dem Schachzentrum, wo demnächst zwei WM-Teilnehmer spielen werden.

BT: Herr Grenke, was bedeutet Ihnen das LA8 persönlich und welchen Stellenwert hat es innerhalb Ihres Kulturengagements?

Wolfgang Grenke: Ich bin ja in Baden-Baden aufgewachsen, kenne hier jeden Meter, bin hier zur Schule gegangen, der Steinbrunnen hier schräg gegenüber in der Allee, die im Winter zugefrorene Oos, auf der wir Eislaufen waren: All das sind Kindheitserinnerungen für mich, die sich mir eingeprägt haben. Als ich die Möglichkeit hatte, so ein Haus wie dieses königliche Palais zu erwerben, zu renovieren und für die Nachwelt zu erhalten, war das für mich schon etwas sehr Sinnvolles. Bei allen meinen Förderprojekten ist für mich die Nachhaltigkeit wichtigstes Prinzip. Was das LA8 anbelangt, kann ich sagen aus jetziger Sicht: Ich würde es genauso wieder machen.

BT: Hat sich die Sanierung des Komplexes bewährt?

Grenke: Wir haben alles umfassend angefasst. Die gesamte Technik haben wir massiv erneuert, Klimaanlagen und Heizung. Wir haben den Innenhof ausgehoben und dort die Technik untergebracht. Ansonsten wäre es nicht denkbar gewesen, das in der Form zu machen und zu erhalten. Bisher lief alles problemlos. Das einzige kleine Unglück, das wir mal hatten, war der Kaminbrand im "Rive Gauche". Das war schon unangenehm, vor allem bestand die Gefahr, dass von der Brennflüssigkeit, die damals in Brand geriet, etwas versickert und daraus ein Schwelbrand entsteht. Das hätte gerade bei einem älteren Haus sehr problematisch werden können.

Interview

BT:
Gerade die historischen Säle sind ja ein attraktiver Ort für Veranstaltungen. Welche Rolle könnte darin eine Debattenreihe spielen, wie Sie sie bereits angestoßen haben?

Grenke: Wir haben mit dem "Forum Zukunft" einen Plan, der sehr deutlich in die Richtung geht. Das wollen wir weiter pflegen und auch ausbauen. Auf der anderen Seite ist es auch wichtig, dass hier Leben stattfindet. Das Brenners hat das Konzept für das Restaurant etwas umgestellt, ich denke, das ist gelungen. Es ist eine zukunftsweisende Richtung, und die Säle werden gut genutzt. Die wesentlichen Punkte werden bleiben, wie sie sind. Gegenwärtig geht es mehr darum, alles fortzuführen, wie es ist.

BT: Gilt das auch für das Schachzentrum?

Grenke: Auch das Schachzentrum bleibt erhalten. Wir haben immer an Ostern das große Turnier hier. Die Schach Open können wir leider in Baden-Baden nicht durchziehen, weil wir nicht über die entsprechenden Räume verfügen für die fast 2 000 Schachspieler, die an dem Turnier teilnehmen. Deshalb weichen wir auf Karlsruhe aus. Dort beginnen wir parallel mit dem Supergroßmeisterturnier. Das Finale ist dann aber wieder hier im LA8 in den Tagen nach Ostern, wenn der Raum wieder zur Verfügung steht, der durch die Berliner Philharmoniker und die Osterfestspiele in der Zeit davor etwas enger ist. Wie es im Moment aussieht, werden wir in diesem Jahr Magnus Carlson und Fabiana Caruana, die beide im letzten Jahr im Herbst um die Weltmeisterschaft kämpften, dabei haben. Es wird sozusagen die erste Revanche sein nach dem Weltmeisterschaftskampf, und das hier in Baden-Baden.

BT: Wie sehen Sie das LA8 perspektivisch?

Grenke: Es ist ganz wichtig, dass man eine gewisse Kontinuität hat. Auch so ein Haus hat seinen Charakter und den sollte man nicht willkürlich zerstören. Man muss schauen, was daran sinnvoll ist, was man weiterentwickeln muss. Ich glaube, die Geschichten, die wir zum Beispiel mit dem Museum LA8 neu erzählen, die gehen uns so schnell nicht aus. Wir haben in den nächsten Jahren einige Jubiläen, das Kurhaus, das frühere Konversationshaus, wird 200 Jahre alt, das Haus hier auch in absehbarer Zeit. Damals begann die Blütezeit Baden-Badens, und es wurde viel gebaut: auch dieser alte Teil des Palais', der neuere kam um 1900 dazu und schließlich der jetzige Museumsbau vor zehn Jahren.

BT: Soll Baden-Badens Kulturgeschichte und sollen auch die aktuellen Kulturevents - zumal im LA8 die Künstlertalks der Osterfestspiele sind - im Museumsprogramm mehr Niederschlag finden?

Grenke: Vom Museum her haben wir natürlich ganz generell das Thema Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts - und weniger nur lokal bezogen, aber versuchen immer, den lokalen Bezug herzustellen, dort wo es möglich ist. Gerade mit der neuen Ausstellung wollen wir einen Beitrag zu den Baden-Württembergischen Theatertagen leisten. Wir hatten das auch schon mal bei den Osterfestspielen mit der Geschichte über die Berliner Philharmoniker. Solche Themen greifen wir gerne auf, aber die Grundrichtung sollte bleiben wie bisher. Zwei Ausstellungen pro Jahr, Wechsel und dann wieder ein neues Thema.

Themenspanne bis



zum Ersten Weltkrieg

BT: Ist daran gedacht, mehr Ausstellungen anzubieten?

Grenke: Mehr wollen wir nicht machen, denn man muss die Themenausstellungen auch gründlich vorbereiten. Wir haben ja keine eigenen Ausstellungsstücke, uns werden immer Exponate zur Verfügung gestellt. Da muss man entsprechende Verträge machen und Gespräche führen, die Menschen einbinden, dass man dann irgendwann Beiträge bekommt. Da steckt schon viel Arbeit drin. Ich bin sehr froh, dass wir mit Professor Winzen einen Direktor haben, der selbst sehr stark mit Baden-Baden verwurzelt ist.

BT: Sie sind ein technikaffiner Mensch. Kommt das zuletzt mehr auf Kunst und Kultur des 19. Jahrhunderts ausgerichtete Museum im technischen Bereich noch zu kurz?

Grenke: Wir können allenfalls die Wurzeln der modernen Technik im 19. Jahrhundert beleuchten. Wobei wir das 19. Jahrhundert nicht nach dem Kalender messen, sondern mit dem politischen Ereignis des Ersten Weltkriegs beenden lassen, weil das eine geschichtliche Periode war. Da sind natürlich sehr viele Entwicklungen vonstattengegangen: Automobil, Eisenbahn, einheitliche Zeit. Es gab einen ganz großen Umbruch in diesem Zeitraum von etwas mehr als einem Jahrhundert. Von daher gibt es auch noch genug Themen, mit denen wir uns beschäftigen können.

BT: Angesichts Ihrer vielen Aufgaben als IHK-Präsident - bleibt Ihnen da noch Zeit ein Auge auf das Museum zu werfen oder werden Sie die Verantwortung auch in Richtung Ihrer Söhne delegieren?

Grenke: Zum Inhalt sage ich meistens nichts, das ist etwas, das Professor Winzen im Wesentlichen zusammen mit den jeweiligen Kuratoren machen muss. Natürlich interessiert sich meine Familie auch für das Museum. Aber das ist bei Kunst wohl so, dass man da Freiräume schaffen, geben und einhalten muss und die wollen wir dem professionellen Team auch zur Verfügung stellen.

BT: Aber Sie bleiben stets im Hintergrund?

Grenke: Wir ziehen uns nicht zurück. Es ist eine Veranstaltung der Grenke-Stiftung, und auch die Stiftung ist auf Dauer angelegt. Wir haben sie seinerzeit gut bestückt, und sie kann im Gegensatz zu vielen anderen Stiftungen auch durchaus von ihren Erträgen leben - also sprich vernünftige Dinge tun. Deswegen glaube ich, dass es ein gutes Konzept ist. Wie im Fußball gilt auch hier: "Never change a winning team." In dem Fall werden wir auch nicht die Umstände ändern, die zum Team dazugehören.

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