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Wenn Gelenke falsch behandelt werden
Wenn Gelenke falsch behandelt werden
04.04.2019 - 06:36 Uhr
Von Stefan Vetter

Berlin - Die Zahl der bei der Bundesärztekammer registrierten Behandlungsfehler, die zu gesundheitlichen Schäden für Patienten führten, ist im vergangenen Jahr um gut 330 auf 1 499 Fälle gesunken. Doch insgesamt sind es wohl deutlich mehr, denn in Deutschland gibt es keine zentrale Statistik über ärztliche Fehlleistungen.

Pro Jahr kommt es in deutschen Kliniken zu etwa 20 Millionen Behandlungen. Darüber hinaus gibt es rund eine Milliarde Arzt-Patienten-Kontakte in den Praxen. Angesichts dieser Dimension bewegten sich die ärztlichen Verfehlungen "im Promillebereich", sagte der Chef der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer, Andreas Crusius, gestern bei der Vorstellung der aktuellen Bilanz in Berlin. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering", so der Experte. Gleichwohl können sie eine verheerende Wirkung haben. Nach den Daten der Bundesärztekammer waren von den 1 499 Fällen 462 mit leicht- und mittelschweren Dauerschäden. 127 Mal kam es zu schweren Dauerschäden. Und in 88 Fällen führten die Behandlungsfehler zum Tod der Patienten. Zu den häufigsten Ursachen zählten hier Fehler bei der Labordiagnostik und beim Röntgen.

Drei Viertel der registrierten mutmaßlichen Ärztefehler bezogen sich auf die Kliniken. Zu den am meisten fehlbehandelten Krankheiten zählten hier Oberschenkelfrakturen, Arthrosen der Hüft- und Kniegelenke. Was die niedergelassenen Ärzte angeht, so wurden von den Patienten am häufigsten Behandlungen gegen Brustkrebs sowie Hand- und Handgelenkfrakturen beanstandet. Insgesamt sind in erster Linie Chirurgen und Orthopäden mit dem Vorwurf einer Fehlbehandlung konfrontiert.

Crusius warnte davor, Ärzte, denen ein Fehler unterläuft, vorschnell als Pfuscher zu diskreditieren. Zu den Gefahrenquellen zählte er die Zeit- und Personalnot in Kliniken und Praxen. Die über Jahrzehnte von der Politik geschaffenen ökonomischen Rahmenbedingungen im Gesundheitssystem seien "nicht auf maximale Patientensicherheit ausgerichtet, sondern auf Effizienz".

Wie viele Behandlungsfehler es in Deutschland wirklich gibt, liegt im Dunkeln. Nicht nur, weil sie oft gar nicht erkannt werden. Wer sich schlecht behandelt fühlt, kann sich auch an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) wenden. Für das Jahr 2017 wurden dort 3 337 Behandlungsfehler registriert. Seine neuesten Zahlen will der MDK Mitte Mai vorstellen. Darüber hinaus können Patienten direkt zu einem Anwalt gehen und den Verdacht von einem freien Gutachter prüfen lassen. Diese Fälle werden statistisch nicht registriert.

Experten fordern schon seit Jahren eine bessere Erfassung der Daten. So macht sich die Deutsche Stiftung Patientenschutz für ein bundesweites Zentralregister stark, in dem auch Fehler im Pflegbereich erfasst werden sollen. In einer früheren Studie hatte das Wissenschaftliche Institut der AOK die Gesamtzahl der Behandlungsfehler auf bis zu 200 000 pro Jahr taxiert.

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