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Ideen für ein lebendiges Viertel am Fluss
11.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Marius Merkel

Was einst eine viel befahrene Bundesstraße war, ist heute eine Promenade am Neckar. Wo früher Güter von Schiffen auf die Schiene umgeladen wurden, kann man mittlerweile in modernen und innovativen Häusern wohnen. Zwei Beispiele die zeigen, dass sich in Heilbronn etwas verändert. Mit der Stadtkonzeption "Heilbronn 2030" hat man dort etwas auf den Weg gebracht, an dessen Umsetzung aktuell akribisch gearbeitet wird: Die Rede ist vom neuen Stadtquartier Neckarbogen.

Belegte Heilbronn lange Zeit einen hinteren Platz in verschiedenen Städterankings, könnte das schon bald Geschichte sein. Die Stadtoberhäupter samt diverser Gremien haben sich mit der "Konzeption 2030" dazu entschlossen, der Stadt am Neckar ein neues Gesicht zu geben. Dabei legt man vor allem Wert auf eine konsequente Innenentwicklung. Der Neckarbogen, auf der Fläche des ehemaligen Fruchtschuppens, einem Güterumschlagareal mit Flusshafen und Güterbahnhof, steht dabei als größte zusammenhängende Fläche im Fokus.

"Die Siedlungsentwicklung soll nicht an den Rändern der Stadt, sondern unter Nutzung der vorhandenen Flächenressourcen in innerstädtischen Lagen erfolgen", erklärt Oliver Toellner als Leiter Planung und Ausstellungskonzeption der Buga GmbH. Diese wurde von der Stadt Heilbronn damit beauftragt, als Motor der Entwicklung zu dienen.

Hohe Einwohnerdichte mit sozialer Mischung

Das neue Viertel soll bis 2030 fertig sein und sich mit den benachbarten Quartieren zu einem großen zusammenhängenden Stadtraum verbinden. Dieser soll die Kernstadt miteinschließen und vieles von dem einlösen, was eine nachhaltige Stadt kennzeichne: kurze Wege, Fahrräder und Fußgänger satt Autos, funktionale Vielfalt, Energieeffizienz, öffentliches Grün. Geplant ist ein modernes, städtisches Viertel direkt am Fluss. Dabei wird vor allem auf eine hohe Einwohnerdichte mit guter sozialer Mischung sowie nachhaltigen Gebäudehüllen geachtet.

Im neuen Wohnquartier sollen bis in knapp zehn Jahren rund 3 500 Menschen wohnen und etwa 1 000 Arbeitsplätze entstehen. Durch dieses Großprojekt wollen die Heilbronner aus einem lange Zeit verkümmerten und gemiedenen Gewerbegebiet ein lebendiges Stadtviertel entwickeln.

Die Struktur des Großprojekts ist darauf angelegt, ein Modell des urbanen, kompakten, belastbaren und anpassungsfähigen Stadtquartiers umzusetzen. Wichtig dabei sei, dass die Bebauung, Freiraum und Gewässer in einem wohlgeordneten Flächenverhältnis zu einander stehe.

Der Motor des Projekts, die Bundesgartenschau (Buga), öffnet am kommenden Mittwoch, 17. April. Als Stadtausstellung ist das Großprojekt Neckarbogen in die klassische Gartenausstellung integriert und begründet damit ein neues Format. Zum ersten Mal in der 70-jährigen Geschichte der Buga wohnen Menschen auf dem Ausstellungsgelände. "Die integrierte Stadtausstellung ist der erste Bauabschnitt des zukünftigen Quartiers. Drei Baufelder sind bereits bebaut. Rund 500 Menschen leben aktuell in den bisher errichteten Gebäuden", sagt Hanspeter Faas. Er ist Geschäftsführer der Buga GmbH.

Bei der Entwicklung des Neckarbogens legten die Planer um Toellner und Faas vor allem Wert auf eine urbane und vielseitige Bebauung. "Es entsteht ein zentrales Quartier, zusammen mit neuen Orten für das Arbeiten und die Bildung - ein sehr nachhaltiger Ansatz mitten am Neckar", erklärt dazu Toellner.

Trotz seiner zentralen Lage: der Neckarbogen ist kein Quartier mit nur luxuriösen Eigentumswohnungen, sondern ein lebendiges Viertel mit ganz verschiedenen Nutzungsideen. Mehr als 50 Prozent sind Mietwohnungen, es gibt Baugemeinschaften, Einrichtungen für Kinder, Projekte für Menschen mit Handicap und Studentenwohnungen. In kürzester Zeit - 2013 war Baubeginn - sind mittlerweile drei Blöcke mit 23 fünf- bis neungeschossigen Bauwerken entstanden. Darunter ist auch das höchste Holzhaus Deutschlands. Holz ist im Übrigen der meist verwendete Baustoff des Viertels und unterstreicht den Anspruch eines nachhaltigen Bauens.

"Bei der Planung haben wir darauf geachtet, dass Miete und Eigentum, Wohnen und Arbeiten, Cafés, Lokale und Erholungsbereiche eng beieinanderliegen und die Bewohner und arbeitenden Menschen gemeinsam für ein lebendiges sowie vielfältiges Wohnen sorgen", sagt Toellner.

Um all dies zu erreichen, haben Verwaltung und Kommunalpolitik bei der Vergabe der Grundstücke einen etwas anderen Weg als üblich eingeschlagen: Nicht derjenige, der am meisten für ein Grundstück bezahlen wollte, bekam den Zuschlag - sondern der Investor mit dem besten Konzept bezüglich Mobilität, Architektur, Nutzungsmischung, Miete oder Eigentum.

Gestaltungshandbuch



garantiert Vielfalt

"Wir wollten eine Vielfalt in der Einheit. Es baut alles sehr stark auf einem Gestaltungshandbuch auf - was eine Vielfalt zulässt im Detail, aber im großen Zusammenhang trotzdem eine Ordnung vorgibt", betont Toellner. Er meint damit, dass etwa Balkonausbildung nur in den Innenhöfen erlaubt war und es auch zur Geschossigkeit "ein sehr klares Spielwerk" gab.

Unter den neuen, nachhaltig errichteten Häusern, stechen insbesondere die Fassaden mit Holzlamellen, Solarpaneelen oder Schindeln ins Auge.

Nicht nur die "Einzigartigkeit" jedes Gebäudes stelle eine Besonderheit dar, auch der Blick zum Wasser sei von großer Bedeutung. "Bei einem städtebaulichen Ideenwettbewerb 2010 hatte das Münchner Team von Steidle Architekten eine geniale Idee", betont Faas. Zwei Hafenbecken, die in den sechziger Jahren zugeschüttet wurden, feiern auf dem 30 Hektar großen Gelände ihr Comeback. Sie geben nun die dreieckigen Rahmen für die Bebauung vor.

Alle Häuser sollen sich letztendlich so um den Karlssee, den Floßhafen und am Neckar entlang gruppieren, dass sie Ausblick zum Wasser haben. Umgeben sind sie von einer Stadtlandschaft mit terrassierten Auen, Promenaden und Baumalleen, die im Westen mit einer Steinwand begrenzt sind. "Genial ist auch, dass die Gewässer nicht nur der Naherholung dienen, sondern auch als Regenrückhaltebecken sowie als Reservoir zur Bewässerung der Bäume auf dem Gelände", ergänzt Toellner.

Eine Garantie, dass das "Heilbronner-Modell" funktioniert, wollen Toellner und Faas indes nicht geben. Beide sind sich aber einig, dass urbane Quartiere ihren Charme haben und dass die Vielfalt immer positiv bewertet werde.

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