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"Mein Beruf macht mich wahnsinnig glücklich"
'Mein Beruf macht mich wahnsinnig glücklich'
11.04.2019 - 00:00 Uhr
an(n) spricht hervorragend Deutsch. Und das ist nicht die einzige Überraschung im Gespräch mit Tenor Stuart Skelton. Der sympathische Australier, der bei den Osterfestspielen in der Titelpartie von Verdis "Otello" ab Samstag zu erleben ist, erzählt im Interview mit BT-Mitarbeiterin Elisa Reznicek, was die Comic-Figur "Hulk" mit seiner Arbeit zu tun hat, wie sehr ihn die Produktion bewegt und welche kalten Drinks einen Hochgenuss auch nach der Oper versprechen.

BT: Herr Skelton, Sie haben letzten Dezember den "Otello" an der "Met" gegeben. Ist es schwierig, sich dem Stoff innerhalb einer so kurzen Zeit neu anzunehmen?

Stuart Skelton: Nein, überhaupt nicht. Es gehört zum Job, dass wir von Inszenierung zu Inszenierung wechseln. Während Musik und Text gleichbleiben, ist die Umsetzung immer anders. Daran gewöhnt man sich. Denn was wäre die Alternative? Dass jede Inszenierung auf der Welt die Gleiche ist? (lacht)

Interview

BT: Sie waren 2016 bei den Osterfestspielen als Tristan zu sehen, sind in Baden-Baden kurzfristig für den seinerzeit erkrankten Jonas Kaufmann in der konzertanten "Walküre" eingesprungen und waren Ende der 90er Jahre zwei Spielzeiten in Karlsruhe. Kommen hier im Süden Heimatgefühle auf?

Skelton: Ja, irgendwie schon. Insgesamt war ich fast zwölf Jahre in Deutschland. 2016 mit den Berliner Philharmonikern am Festspielhaus aufzutreten, war ein großes Ding. Mein Rollendebüt mit diesem Orchester unter Sir Simon Rattle und an diesem Haus zu geben - besser kann es kaum werden! 2019 bin ich wieder hier, dieses Mal unter der musikalischen Leitung von einem der größten Dirigenten, Zubin Mehta, und in einer Inszenierung von Robert Wilson, die diese großartigen Strukturen mitbringt.

BT: Wie ist es mit den Beiden zu arbeiten? Zubin Mehta bringt über 50 Jahre Erfahrung allein beim "Otello" mit, Wilson widmet sich dem Stoff zum ersten Mal.

Skelton: Es ist eine tolle Zusammenarbeit! Der Maestro kennt die Berliner Philharmoniker und zeigt viel Liebe und Respekt. Er versteht die Partitur sehr gut und liebt das Stück - was man spürt! Er malt fast beim Dirigieren. Und wie er dabei geradezu tanzt! Ich könnte ihm stundenlang dabei zuschauen. Bob entwirft dazu ein wunderschönes Bild-Tableau und nutzt die Beleuchtung. Alles hat eine Bedeutung: was im Dunkeln liegt, was wo einen Schatten wirft, welche Silhouetten es gibt ... Dadurch unterscheidet sich diese Inszenierung sehr stark von der in New York. Dort war alles sehr beweglich und aktiv. Die Herangehensweise hier erinnert in ihrer Körperlichkeit, wenn man so will, an eine Art Unterwasserwelt. Jede Bewegung hat einen natürlichen Widerstand.

BT: Otello ist ein sehr zerrissener und emotional aufgeladener Charakter. Wie bereitet man sich vor, damit neben dem Gesanglichen auch die psychologische Tiefe passt?

Skelton: Frei nach Hulk aus dem Marvel-Comic: "I'm always angry"! (lacht) Man braucht das richtige Mindset. Außerdem hilft die Musik. Die großen Komponisten wie Wagner, Strauss, Verdi, Janácek wussten alle, wie es geht. Wenn man zuhört, wird man automatisch in diese Welt hineingezogen.

BT: Warum sollte man sich diesen Otello nicht entgehen lassen?

Skelton: Es ist eines der größten Meisterstücke von einem der größten Opernkomponisten. Mit einem der größten lebenden Dirigenten. Mit einem der größten Orchester der Welt. Und das an diesem Haus. Die Inszenierung von Robert Wilson ist neu und bringt eine sagenhafte Besetzung mit Sonya Yoncheva als Desdemona und Vladimir Stoyanov als Jago mit. Bei Stoyanov ist kaum zu glauben, wie gut er ist. Einfach nur wow! Das alles sollte man live erleben.

BT: Ich habe zur Vorbereitung mehrere Interviews mit Ihnen gelesen. Sie wirken wie jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Wird das manchmal zum Problem?

Skelton: Nicht wirklich. Wir sind alle Künstler und Künstlerinnen. Daher müssen wir eine Meinung haben. Manchmal lohnt es sich, diese zu äußern, um zum Nachdenken anzuregen - und manchmal eben nicht. Ich persönlich leide sozusagen an "emotionaler Inkontinenz". Ich kann nicht anders (lacht). Wenn mich etwas freut, sage ich das genauso leidenschaftlich wie wenn mir etwas nicht gefällt. Ich kann diese Gefühle nicht verbergen. Man weiß bei mir genau, wo man steht.

BT: Laut Klischee trinken Sänger nur Kräutertee und tragen Schal, um die Stimme zu schonen. Sie hingegen mixen gerne Cocktails und rauchen kubanische Zigarren. Wie geht das mit Ihrem Beruf zusammen?

Skelton: Mit viel Platz dazwischen (lacht). Während den Endproben und in der Aufführungszeit trinke ich gar keinen Alkohol. Zumal ich am 23. April direkt weiter nach New York fliege. Es geht wie so oft Schlag auf Schlag. Mein Beruf ist für mich gleichzeitig Berufung. Er macht mich wahnsinnig glücklich. Gleichzeitig sind wir Sänger auch Menschen und müssen schauen, dass Job und Privatleben in Balance sind. Meine Freizeit will ich entspannt genießen. Drinks und Zigarren sind meine Art der Downtime.

BT: Gibt es eine Cocktail-Empfehlung, damit der Abend an der Bar nicht so dramatisch ausklingt wie die Oper?

Skelton: Ich hätte sogar Empfehlungen passend zur Oper und zum Wetter! Wenn es kalt, grau und windig ist, würde ich einen Rum Old Fashioned vorschlagen. Ist es schön draußen, einen mit Holunderblütensirup und Prosecco aufgegossenen Gin. Ein sehr guter Gin Tonic passt auch, um alles leichter zu nehmen.

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