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Mit Mikrosensor am Rucksack Feinstaub messen
12.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Jürgen Lorey

Straßburg/Kehl - Auf dem Smartphone von Sophie Rabourdin leuchten ein grüner und zwei orangene Punkte mit den Zahlenwerten 15, 39 und 23 auf. Links daneben erscheint jeweils ein Kurvendiagramm. Diese Werte sind die Ergebnisse einer ersten Messung der Feinstaubbelastung vor der Kirche St. Johannes Nepomuk in der Innenstadt von Kehl. Ihren Mikrosensor, der wie ein kleines, weißes Gespenst aus Plastik aussieht und so groß wie ein Smartphone ist, hat die 35-jährige Französin mit einem Karabinerhaken hinten am Griff ihres Rucksacks befestigt.

Rabourdin wohnt in Kehl und arbeitet im Straßburger Stadtteil Neudorf als Allgemeinärztin. Im Ärztekollektiv "Strasbourg respire" (Straßburg atmet) engagiert sie sich für bessere Luft in der Region und ist eine von 21 Freiwilligen, die sechs Wochen lang im Großraum Straßburg/Kehl die Belastung der Luft durch Feinstaub messen.

Sie hat sich als Freiwillige gemeldet, "weil ich durch meine Arbeit im Ärztekollektiv für das Thema sensibilisiert bin". Außerdem wolle sie selbst sehen, wie hoch die Feinstaubbelastung dort ist, wo ihr Sohn in den Kindergarten geht, oder vor Schulen und Krippen an viel befahrenen Straßen.

Für die Messungen haben die Freiwilligen von der halbstaatlichen ostfranzösischen Luftmessungs- und Überwachungsbehörde "Atmo Grand Est" jeweils einen Mikrosensor bereitgestellt bekommen, mit dem sie sechs Wochen lang die Belastung dort messen sollen, wo sie gerade zu Fuß, mit dem Auto oder dem Rad unterwegs sind. Die Messungen, die mindestens sieben Mal die Woche stattfinden sollen, werden über Bluetooth mit einer App auf dem Smartphone sichtbar macht.

Die aus den USA stammenden Sensoren, von denen jeder rund 300 Euro kostet, messen neben verschiedenen Feinstaubkategorien auch die Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit, wie die Projektleiterin bei "Atmo Grand Est", Raphaèle Deprost, erklärt. Bei jeder Messung müssen die Freiwilligen angeben, wo sie sich gerade befinden und was sie machen. Die Werte werden auf eine passwortgeschützte Internetseite übertragen, wo die Teilnehmer die Ergebnisse austauschen und Fachleute diese bewerten können.

Die Messungen sind Teil des auf drei Jahre angelegten Projekts "Atmo-Vision", das "Atmo Grand Est" in Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) und dem Lufthygieneamt beider Basel (LHA) durchführt.

Mit den Messungen mittels Mikrosensoren will "Atmo Grand Est" nach Angaben von Raphaèle Deprost die Bürger der Eurometropole Straßburg für Fragen der Luftqualität sensibilisieren, "indem die Luftverschmutzung insbesondere in ihrer Straße oder Nachbarschaft sichtbar gemacht wird und als Hebel zur Verhaltensänderung genutzt wird".

Die ersten Messergebnisse in Kehl am Dienstag waren für Sophie Rabourdin nicht überraschend, als sie auf dem Weg zum Kindergarten Elisabeth in der Innenstadt war, um ihren Sohn abzuholen. "Wir haben gerade durch die Wetterlage eine Spitzenbelastung der Luft hier im Ballungsgebiet." An Hauptverkehrsstraßen seien die Werte im orangen oder sogar im roten Bereich gewesen, etwa an der Tramhaltestelle vor dem Kehler Rathaus oder direkt vor rauchenden Passanten oder Autos mit laufendem Motor. Einige Meter weiter auf dem Gehweg durch den neuen Wohngebäudekomplex "Kinzighöfe" war die Belastung im grünen Bereich.

Greenpeace ruft



zum Handeln auf

Wie stark manche Schule und Kinderkrippe der Luftverschmutzung im Großraum Straßburg ausgesetzt ist, zeigte eine in der vergangenen Woche von der Umweltschutzorganisation Greenpeace veröffentlichte Untersuchung: Demnach wird der Grenzwert für Stickstoffdioxide bei 126 Schulen und Krippen in einem Umkreis von 200 Metern rund um die Gebäude überschritten. Das entspricht 34 Prozent aller Schulen und Krippen. 102 dieser Einrichtungen befinden sich in Straßburg. Fünf Prozent der Einrichtungen, das sind 20 Schulen und Krippen, liegen weniger als 50 Meter von einem extrem belasteten Sektor entfernt, wo die französische und die EU-Norm von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel überschritten wird. Als Grundlage für die Untersuchung hat Greenpeace die frei zugänglichen Messergebnisse von "Atmo Grand Est" von 2017 mit dem Lageplan der Schulen und Krippen übereinandergelegt und auf einer Karte im Internet eingezeichnet.

Straßburg sei aber auf einem guten Weg, die Stickstoffdioxidbelastungen zu senken, sagt Lucille Auger, der Pressesprecher von Greenpeace in Straßburg. Der Lkw-Lieferverkehr werde nach und nach in der Innenstadt verboten. "Straßburg muss aber noch weiter gehen". Greenpeace fordert die Lokalpolitiker auf, noch vor 2025 eine ambitionierte Niedrig-Emissionszone in der Stadt einzuführen und ein Datum festlegen, ab dem Diesel- und Benzinfahrzeuge in der Innenstadt verboten werden.

Für den Präsidenten der Eurometropole Straßburg, Robert Herrmann, sind die Ergebnisse von Greenpeace unbestritten, "sie stammen von Atmo Grand Est". Andererseits solle man sich nicht nur auf die Luftverschmutzung durch den Autoverkehr fixieren. "Man muss auch andere Verschmutzungen wie durch Heizungen in Betracht ziehen."

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